Halberstadt l Die verzweifelte Suche nach dem passenden Kleingeld für ein Parkticket hat in Halberstadt bald ein Ende. Eine kleine digitale Revolution wird gerade im Rathaus Halberstadt auf den Weg gebracht. Künftig sollen Halberstädter und Gäste der Kreisstadt ihre Parkgebühren via Handy-App bezahlen können, inklusive der sogenannten Brötchentaste.

Das bedeutet, die ersten 15 Minuten auf den kostenpflichtigen städtischen Parkplätzen sind künftig kostenfrei. Ein entsprechendes Papier wird derzeit in den Ausschüssen des Stadtrates diskutiert bevor dieser am 4. Juni darüber entscheidet. Am Dienstag, 26. Mai, diskutierten die Mitglieder des Ordnungsausschusses über das Thema. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch. Kostenlos sind die ersten 15 Minuten laut städtischer Gebührenordnung nur für Handy-App-Nutzer.

Umrüstung kostet Halberstadt kein Geld

Bislang wehrten sich Stadtverwaltung und Stadtrat gegen das Kurzzeitparken zum Nulltarif auf den kostenpflichtigen kommunalen Parkplätzen in Halberstadt erfolgreich. Letztmalig brachte die SPD-Frak­tion das Projekt vor etwa zwei Jahren ins Parlament ein. Die Kritiker schmetterten den Vorschlag immer mit der Begründung ab, dass der Kommune Einnahmen verloren gehen würden und die Umrüstkosten für die Parkuhren nicht zu bezahlen seien. Die Fraktion SPD/Bündnis 90/Die Grünen setzte das Thema Anfang 2020 erneut auf die Tagesordnung. Diesmal nach langer und kontrovers geführter Diskussion erfolgreich.

Dank der Handy-App müssen die Parkscheinautomaten nicht umgerüstet werden, die Kommune spart an dieser ­Stelle Geld. Die Parkuhren werden nur bunter. Warum? Sie erhalten alle Aufkleber mit dem QR-Code der Anbieter. Die Nutzer müssten sich nur noch eine entsprechende Park-App auf ihr Handy herunterladen. Die Abrechnung der Gebühren für die Parkplatznutzung werden dem Nutzer per Kreditkarte oder Bankverbindung in Rechnung gestellt. „Wir erhalten unser Geld vom Anbieter monatlich überwiesen“, erklärt Ordnungsamtsleiter Ralf Fleischhauer. Für die Stadt würde die Umstellung kostenneutral verlaufen.

Zehn Prozent Aufschlag für digitales Bezahlen

Allerdings rechnet die Verwaltung mit finanziellen Verlusten durch das kostenlose Parken in den ersten 15 Minuten. Wie hoch der Verlust ausfällt, lässt sich derzeit mit absoluter Sicherheit nicht sagen, betont Ralf Fleischhauer. Pro Jahr würden sich die Parkplatz-Einnahmen jährlich auf insgesamt etwa 250.000 bis 260.000 Euro belaufen.

An der Höhe der Parkplatzgebühren ändert sich ebenfalls nichts - zumindest nicht für die Stadt Halberstadt. „Allerdings kommt ein Gebührenaufschlag für den Anbieter in Höhe von zehn Prozent der ­Kosten für das Parkticket drauf“, so der Ordnungsamtschef. Das bedeutet, parkt jemand für ein Euro muss er 1,10 Euro zahlen, bei 50 Cent sind es 55 Cent.

Politessen kontrollieren mit Smartphone

Doch wie kontrollieren die Politessen künftig, ob ein Parkticket digital eingelöst wurde? Denn im Fahrzeug liegt dann keine Quittung mehr. „Diese Frage hat uns ebenfalls beschäftigt“, bestätigt Ralf Fleischhauer. Eine Lösung wurde gefunden. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes geben entweder das Kennzeichen des Fahrzeugs in ein mobiles Gerät ein, das sie mitführen, oder ­fotografieren das Kennzeichen ab. Auf digitalem Weg würde dann die Prüfung erfolgen.

Bereits Anfang Juli könnte das digitale Bezahlen der Parkplatzgebühr starten, sagt Ralf Fleischhauer. Derzeit würde man mit dem Anbieter die letzten Gespräche führen.

Mit einer Enthaltung sprachen sich die Mitglieder des Ordnungsausschusses für die Änderung der Parkgebührensatzung aus. Jetzt muss der Beschluss nur noch vom Stadtrat Halberstadt am 4. Juni abgesegnet werden.