Corona

Ruhe im Impfzentrum Harz

Von Sabine Scholz
Karsten Fischer leitet das Impfzentrum Harz, das in Quedlinburg aufgebaut wurde. Sabine Scholz

Quedlinburg

Es ist ruhig an diesem Vormittag, einige Menschen sitzen im Wartebereich, manche füllen noch die Fragebögen aus. Auch am Ausgang sitzen Menschen, sie schauen auf den großen Monitor, auf dem kurze Filme über Attraktionen im Harzkreis berichten. 15 Minuten müssen sie warten, die vorgeschriebene Zeit nach der Impfung.

Am Eingang, auf den Wegen zwischen den Wartezonen und am Ausgang sieht man Frauen und Männer in Bundeswehruniformen. Zwölf sind es aktuell, und wenn alles klappt, werden auch weiterhin Bundeswehrangehörige das 38-köpfige Team im Harzer Impfzentrum unterstützen. Ein entsprechender Antrag auf Fortsetzung dieser Amtshilfe ist beim Land Sachsen-Anhalt gestellt.

Dass es so ruhig ist, freut und ärgert Karten Fischer gleichermaßen. „Dass es ruhig läuft, ist wichtig. Wenn es laut und hektisch zugeht, fühlen sich die Menschen, die zu uns kommen, nicht wohl. Und das sollen sie.“ Der Leiter des Impfzentrums Harz weiß, wovon er spricht. Von den ersten Tagen an gehört er zum Team, das das Impfzentrum aufgebaut und betreut. Seit Anfang Immo Kramer zur Stadtverwaltung Wernigerode gewechselt ist, leitet Fischer das Impfzentrum.

Geimpft wird nur nach Prioritätenliste

Dass die unaufgeregte Professionalität ankommt, beweisen die Anrufe und Mails an die Volksstimme-Redaktion, in denen Lob geäußert wird für die Arbeit im Impfzentrum. „Wir spüren das hier auch“, sagt Fischer und berichtet, dass vor Kurzem ein Ehepaar vor der Tür stand, das 40 handgemachte frische Schillerlocken vorbeibrachte. Als Dankeschön.

„So etwas freut uns natürlich, bestätigt es uns doch in unserer Arbeit“, sagt Fischer. Wobei es nicht nur harmonisch zugeht. Noch gilt die Priorisierung für Impfwillige. Das heißt, es wird streng nach Alters- und Prioritätsgruppen geimpft. „Wir schicken Leute, die einen Termin aufgrund offensichtlicher Falschangaben ergattert haben, auch wieder weg“, so Fischer. So geschehen mit 20-Jährigen, die per Onlineportal einen Termin gebucht hatten, aber keine der erforderlichen Kriterien erfüllten. Was, vom Lebensalter abgesehen, auch Vorerkrankungen betrifft.

Zum Glück sei das relativ selten. Auch die am Anfang mehrfach vorgekommenen Doppelvergaben von Terminen treten kaum noch auf. Fischer weiß, dass viele Menschen sehnsüchtig auf einen Termin warten, aber das Impfzentrum gibt trotzdem nur sehr überschaubar Termine frei. „Es läuft immer noch nicht rund mit der Impfstofflieferung“, sagt Fischer.

Terminvergabe abhängig von Impfstoffmengen

Nicht immer stimmen Ankündigungen und tatsächlich gelieferte Mengen überein, oft erfolgten zudem die Lieferankündigungen kurzfristig. Wobei er dem Landessozialministerium da keine Vorwürfe machen könne. Das verteile die Impfdosen zwar nach Einwohnerzahlen auf die Kreise, aber die Hersteller seien nicht immer zuverlässig in ihren Zusagen, so Fischers Erfahrung. „Deshalb mussten wir vor rund drei Wochen 600 Impftermine in den dezentralen Impfzentren verschieben. Das war ein ganz schöner Kraftakt, aber die Städte haben uns alle unterstützt, die Betroffenen angerufen und auf einen anderen Termin umgebucht. So etwas fördert natürlich nicht gerade das Verständnis der Menschen.“

Solche „Tänze auf dem Drahtseil“ gehörten leider immer noch zum Arbeitsalltag. Seit Ende Dezember sei die Versorgung mit Impfstoff immer wieder ein großes Problem. Weshalb auch die vier dezenteralen Impfzentren Blankenburg, Halberstadt, Ilsenburg und Wernigerode zwar auf dem Onlineportal zur Terminvergabe sichtbar seien, aber so gut wie nie freie Termine anbieten. „Das hatten wir eingerichtet, als wir plötzlich zwischendurch Astrazeneca-Impfstoff übrig hatten und der schnell verimpft werden sollte. Nun ist es die Vorbereitung auf die Zeit, wenn es mehr Impfstoff gibt“, erklärt der Impfzentrum-Chef. Kommt mehr Biontech, Moderna und Co., sollen in den 13 dezentralen Zentren mehr Menschen geimpft werden als bisher.

Noch sei das Zukunftsmusik. In dieser Woche beginne die Impfung der Menschen über 70 Jahre und wie bei den Harzern, die älter als 80 sind, werde der Landkreis wieder im Gleichtakt verfahren. Heißt, die Kommunen vergeben die Termine - ob nun per Anschreiben oder per extra Telefonnummmer, das sei Sache der Rathäuser. Allerdings rechnet Fischer dann pro Impftag nicht mehr nur mit 100 Impfungen. „Je nach Größe der denzentralen Zentren werden wir wohl zwischen 150 bis 300 Impfungen pro Impftag vornehmen können.“

Mehr Tempo am Mitte Mai erwartet

Im Kreis-Impfzentrum werde so gut wie kein Astrazeneca mehr gespritzt. Der Harzkreis bekomme diesen Impfstoff weiterhin, aber in der Zentralstelle wird der nur an jene Personen gegeben, die ihn bei der Erstimpfung gut vertragen haben und auch bei der Zweitimpfung kein Problem sehen. „Ansonsten bieten wir andere Impfstoffe an.“ Trotz dieser Vorgehenswies verfalle keine Dosis, denn die Hausärzte profitierten von den in Quedlinburg nicht gespritzten Astrazeneca-Vakzinen. Ärzte kennen ihre Patienten am besten und könnten möglich Risiken deshalb sehr gut abschätzen.In Wernigerode nutzten das schon mehrere Ärzte, aus anderen Kommunen kämen noch nicht so viele Nachfragen.

Inzwischen laufe die Vorbereitung zum Impfen der Wahlhelfer, und auch viele Lehrer weiterführender Schulen haben ihre erste Impfung erhalten. „Die haben wir blockweise hierher zu uns eingeladen. Anders als die Menschen über 80 sind Lehrer ja in der Regel mobil.“ Und so kamen mehrere hundert Lehrer am Maifeiertag ins Kreis-Impfzentrum. Feiertags zu arbeiten, sei normal für das Team. Allerdings werde man zu Himmelfahrt nur bis Mittag impfen. „Alle hier haben Familie, die uns an solchen Tagen auch als ehrenamtliche Helfer unterstützen.“

Dass bald täglich Hunderte Impfungen zentral und dezentral stattfinden, hofft nicht nur Fischer. Für die nächste und die übernächste Woche seien 5840 beziehungsweise 5755 Impfdosen angekündigt.