Halberstadt l Ihre besten Tage sind längst vorbei. Die Sporthalle der Sekundarschule „Freiherr Spiegel“ in Halberstadt ist ein Sanierungsfall. Außen wie innen ist das aus den 1970er Jahren stammende Gebäude kein Aushängeschild für die Stadt Halberstadt, die Eigentümerin ist. Trotz der prekären Finanzlage der Kreisstadt, die derzeit ein mehrere Millionen Euro umfassendes Defizit lähmt, soll die Sporthalle ab dem kommenden Jahr auf Vordermann gebracht werden. Einen entsprechenden Beschluss stellte Projektverantwortlicher Jörg Wolansky während der jüngsten Tagung des Stadtentwicklungsausschusses vor.

Ein Vierer-Gespann ermöglicht die Finanzierung der auf insgesamt 695.800 Euro veranschlagten Kosten – das Land Sachsen-Anhalt, die Europäische Union, die Stadt Halberstadt und der Sportverein HT 1861 Halberstadt. Wobei das Land und die EU mit 90 Prozent der förderfähigen Ausgaben den größten Posten der Investitionssumme im Rahmen des Förderprogramms „Stark III plus Efre“ übernehmen. Bleiben noch 69.581 Euro, die sich die Stadt Halberstadt und der HT 1861 je zur Hälfte teilen. Der Verein engagiert sich in diesem Fall so stark, weil er die Halle nutzt und mit der Kommune 2013 einen Betriebsführungsvertrag abgeschlossen hat.

Die Liste der Aufgaben bei der anstehenden Sanierung ist lang. Dazu gehören der Einbau eines neuen Sportbodens inklusive Wärmedämmung, die Erneuerung der Fenster, Dämmung, Außenputz, des Daches, der Heizung inklusive Verteilernetz, der elektrischen Anlagen und der Einbau einer Lüftungsanlage.

175 Sportler nutzen marode Halle

„Das ist ein tolles Engagement von der Stadt und vor allem vom Sportverein“, lobte Stadträtin Yvonne von Löbbecke (FDP) die Initia­tive. „Ein Projekt in dieser Größenordnung ist in Halberstadt bislang noch nie von einem Verein mit finanziert worden. Das ist ein großer Erfolg“, sagte Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. „Dem kann ich mich nur anschließen“, unterstrich Ausschuss-Vorsitzender Michael Herrmann (CDU).

„Wir wären schlecht beraten, wenn wir das Förderprogramm nicht nutzen würden. Anders wäre die Sanierung angesichts der schlechten ­Finanzlage der Stadt nicht zu bezahlen“, sagte am gestrigen Montag auf Nachfrage Denis Schmid, Präsident des HT 1861 und Fraktionsvorsitzender von Buko/FDP/Freie Wähler im Stadtrat Halberstadt.

34.790 Euro sind für einen Verein eine stolze Summe. Trotzdem entschlossen sich die über 500 Mitglieder zur Mitfinanzierung des Projekts. Jedes Mitglied zahlt über drei Jahre eine Sanierungsgebühr in Höhe von jährlich zehn Euro. Außerdem verfüge der Verein über ganz andere Rücklagen als ein normaler Sportverein, so Denis Schmid. Das sei notwendig, weil der HT 1861 mit der Sporthalle „Völkerfreundschaft“ insgesamt zwei Hallen in der Kreisstadt betreibt und drei hauptamtliche Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen. Insgesamt 175 aktive Sportler würden die Sporthalle ­der Sekundarschule „Freiherr Spiegel“ ­nutzen. Täglich ab 16 Uhr sei dort Trainingsbetrieb.

Schüler dürfen keinen Ballsport betreibe

Groß ist die Freude über die anstehende Hallen-Sanierung bei Andrea Fellbaum, Leiterin der Sekundarschule. Die etwa 270 Schüler dürfen schon seit drei Jahren keine Ballsportarten im Gebäude betreiben, weil es dort keine Prallschutzwände gibt. „Die Schüler der 8., 9. und 10. Klassen müssen dafür extra in die Sporthalle des FSZ ausweichen“, berichtet Andrea Fellbaum.

Die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses stimmten dem Sanierungs-Vorhaben einstimmig zu. Das letzte Wort dazu hat am Donnerstag, 5. September, der Stadtrat.