Halberstadt l Es stinkt zum Himmel am Schwanenteich. Die 1500 Quadratmeter große Anlage befindet sich in einem traurigen Zustand. Das Wasser hat sich in eine dunkle, übel riechende Flüssigkeit verwandelt, die an Jauche erinnert. Anlieger und Passanten beschweren sich bei der Stadtverwaltung. Dort entschließt man sich zum Handeln. Im Haushalt stehen 60.000 Euro für die anstehenden Arbeiten zur Verfügung. Der Schwanenteich wird in den kommenden Wochen entschlammt und mit frischem Wasser befüllt, informiert die Stadtverwaltung. Der Startschuss ist am gestrigen Dienstagvormittag gefallen.

Letzte Säuberung vor 12 Jahren

Seit mehreren Jahren wird festgestellt, dass gerade in den Sommermonaten die Wasserqualität und damit der Lebensraum für Fische und andere Tiere zum Problem wird, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Da­ran habe auch die Versorgung mit Frischwasser aus einem Brunnen nichts verändert. Ein weiteres Problem ist, dass der Überlauf des Teiches zur Holt­emme nicht funktioniert. Die letzte große Säuberungs­aktion sei 2005 erfolgt, informiert Roswitha Hutfilz, Abteilungsleiterin Stadtgrün/Sauberkeit. Der ­reiche Baumbestand der attraktiven Grünanlage im Herzen der Altstadt liefere ein weiteres Problem. Laub, das in den Teich fällt, verrottet und für die massive Verschlammung sorgt. Daher musste jetzt gehandelt werden.

Goldfische gerettet

Schwere Technik fährt am Dienstagvormittag am ­Schwanenteich vor – ein ­Spezialfahrzeug der Abwassergesellschaft Halberstadt. Manfred Buller und Lothar Winter rollen einen ­dicken Schlauch aus und legen das Ende in den Teich. Dann beginnt eine Pumpe die Brühe abzusaugen. 8000 Liter kann das Fahrzeug mit einer Ladung „tanken“. Insgesamt 22.000 Liter Wasser wurden gestern abgepumpt. Ein Teil der Flüssigkeit wird in der Kläranlage Halberstadt entsorgt. „Das Wasser hat einen hohen Schlammanteil“, erklärt ­Roswitha Hutfilz. An anderer Stelle sei das nicht der Fall. Dort pumpt das Fahrzeug der Abwassergesellschaft die schwarze Brühe in die benachbarte Holtemme. Obwohl die Flüssigkeit alles andere als harmlos aussieht und riecht, eine Gefahr geht weder vom Wasser noch vom Schlamm aus, betont ­Roswitha Hutfilz. „Alles ist vorher untersucht und als unbedenklich eingestuft worden.“ Es habe nur zwei Auflagen gegeben: der Schlamm darf nicht in die Holtemme eingebracht werden, und die Arbeiten dürfen nicht bei Hochwasser erfolgen. „Danach richten wir uns“, so die Abteilungsleiterin, die die Arbeiten vor Ort überwacht. Nicht, weil sie kein Vertrauen in die Arbeit der Abwassergesellschaft hat. Roswitha Hutfilz greift ein, falls ein Fisch gerettet werden muss. Fische in dieser Brühe? „Ich habe selbst schon stolze Exemplare von Rotfedern im Schwanenteich gesehen.“ Vor drei oder vier Jahren seien Graskarpfen ausgesetzt worden, die den Bewuchs kurz halten sollten. Die sind aber komplett verschwunden. Von den Rotfedern ist auch nicht ein Exemplar zu sehen. Dafür tauchen ein paar Goldfische auf, die mithilfe eines Keschers gefangen und vor dem sicheren Erstickungstod gerettet werden sollen.

Ab März frisches Wasser

Ist das Wasser abgepumpt, passiert für etwa zwei bis drei Wochen am Schwanenteichs nichts. „Der Schlamm muss trocknen, damit eine Raupe alles für den Abtransport zusammenschieben kann“, sagt Roswitha Hutfilz. Die Stadt Halberstadt habe die Auflage, bis Anfang März 2018 die Anlage wieder mit Wasser zu füllen. Dann beginnt die Laichzeit der Kröten, die sich dort wohlfühlen. So lange wird es allerdings nicht dauern, betont die Fachfrau. Sie rechnet damit, dass die Arbeiten bis Ende ­November abgeschlossen sein werden.