Halberstadt l In der Altstadt dreht sich gleich zu Beginn des neuen Jahres wieder ein Baukran. Nicht nur im Wind, wie in den zurückliegenden Monaten, sondern als äußeres Zeichen dafür, dass die Arbeiten zur Sanierung beziehungsweise zum Umbau eines ehemaligen Industriegebäudes in der Judenstraße 19 zu einem attraktiven Wohnungsneubau in der begonnen hat. Zurzeit wird die seit mehreren Jahrzehnten verwaiste Immobilie vom Schutt beräumt.

Nach einigen Jahren intensiver Vorbereitung verwirklicht Bauunternehmer Frank Behrens auf dem nördlich an den Abtshof und südlich an die Judenstraße grenzenden Areal einen ehrgeizigen Plan. Damit erfüllt der Halberstädter ein Versprechen vom Frühjahr 2018, spätestens 2019 mit dem Projekt zu ­beginnen. Auf zwei Etagen entsteht ein Parkhaus, gekrönt von drei großzügig bemessenen Wohnungen samt imposantem Blick auf das historische Umfeld.

Zu den Schmuckstücken zählt der Backsteinbau in der unter Denkmalschutz stehenden Altstadt derzeit nicht. Das soll sich in den kommenden Monaten radikal ändern. Frank Behrens hat eine Vision von der Zukunft des Gebäudes, die jetzt den Sprung vom Papier in die Realität schafft. Die Umsetzung kostet mehr als eine Million Euro. Finanzielle Unterstützung bekommt er für das Propjekt auch von Bund und Land Sachsen-Anhalt. Dafür setzte sich Stadtverwaltung Halberstadt ein. Das Resultat: ein Zuschuss von immerhin 800.000 Euro.

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Keller wird zu Parkhaus

Die Bausubstanz des Gebäudes befinde sich trotz des langen Leerstands in einem ordentlichen Zustand, ­attestiert der Bauunternehmer. Der hallenartige, massiv gebaute Keller und das Erdgeschoss sollen als Parkhaus ausgebaut werden. Platz für 25 Pkw-Stellplätze entsteht. Allerdings sind die öffentlich nicht zugänglich. Sie stehen den Bewohnern der ebenfalls von ihm errichteten Neubauten am benachbarten Abtshof und den künftigen Mietern der Judenstraße 19 zur Verfügung.

Zwei großzügige Fünf-Raum-Wohnungen – 140 und 130 Quadratmeter groß – entstehen in der ersten Etage über dem Parkhaus. Beide haben außerdem eine jeweils 75 Quadratmeter umfassende Sonnenterrasse. Platz dafür bekommt das Haus, weil die Fassade und die Decke aufgebrochen werden. Damit erhalte man nicht nur Platz, die Wohnungen sind lichtdurchflutet. Die letzte Etage birgt eine 130 Quadratmeter große Vier-Raum-Wohnung plus große Terrasse und Wintergarten – ein Penthouse. Ein Fahrstuhl erschließt alle Geschosse barriere­frei.

Backsteinoptik bleibt

Die Fassade zur Judenstraße behält die Backsteinoptik, sie wird instandgesetzt und herausgeputzt. Schmuckstück ist ein gläsernes Treppenhaus. So behalte das Gebäude den Charme eines Industriebaus. Die Nordfassade zum Abtshof wird hingegen geputzt.

Trotz intensiver Nachforschungen ist es dem Unternehmer nicht gelungen Informationen rur Geschichte des Baus zusammen zu tragen, bedauert er. Selbst im Stadtarchiv sei nichts über Baujahr und einstiger Verwendung zu finden gewesen. Zu DDR-Zeiten habe ein Taxi-Unternehmen das Haus genutzt. Außerdem habe wohl der Maschinenbau dort Teile eingelagert. Es gebe Hinweise, dass lange davor eine Gerberei ­beziehungsweise Brauerei dort ansässig gewesen sei.