Halberstadt l Soll die Altstadt Halberstadts vom Durchgangsverkehr befreit werden oder soll alles bleiben, wie es ist? Tausende Fahrzeuge nutzen täglich diesen kürzesten Weg quer durch Halberstadt, um so schnell wie möglich von A nach B zu kommen. Am Für und Wider Durchgangsverkehr scheiden sich seit vielen Jahren die Geister. Die Diskussion darüber kocht immer wieder hoch. Der sogenannte innerstädtische Verkehrsring, der den Durchgangsverkehr um die Innenstadt herumführen soll, funktioniert bis heute nicht.

Für Anke und Frank Aedtner, die in der Voigtei in einem sanierten Haus wohnen, ist das hohe Verkehrsaufkommen direkt vor ihrer Haustür ein riesiges Problem. Tausende Fahrzeuge rollen täglich über die Altstadt-Straßen, viele davon sind mit Kopfsteinpflaster versehen. Auch wenn nur Stundenkilometer erlaubt sind, verursachen die Fahrzeuge einen ­ohrenbetäubenden Lärm, wenn sie über das Pflaster fahren. Viele Kraftfahrer haben kein direktes Ziel in der Altstadt. „Nein, die Fahrt durch die Altstadt ist der kürzeste Weg quer durch die Stadt. Eine Alternative wird bisher leider nicht angeboten“, so Frank ­Aedtner kürzlich in einem Volksstimme-Gespräch.

Er kenne weder in Deutschland noch in Europa eine Stadt, die es erlaubt, den Durchgangsverkehr durch ihre Altstadt zu führen. Halberstadt benötigt dringend ein schlüssiges Konzept, um die Verkehrslawine, die jeden Tag durch die Altstadt rollt, Lärm und Dreck verursacht, zu verbannen, fordern Anke und Frank Aedtner.

Geschäftsleute auf Verkehr angewiesen

Ute und Gert Baumann, die das 109 Jahre alte Traditionsgeschäft Fahrrad-Wulfert am Johannesbrunnen führen, sind ganz anderer Meinung. Für die Geschäfte-Inhaber ist es sehr wichtig, dass die Altstadt nicht vom Durchgangsverkehr abgekoppelt wird. Die Geschäftsleute plädieren dafür, dass der Verkehr weiter rollt. Ihn auszusperren, wie immer wieder gefordert wird, wäre der Todes­stoß für den Handel. Beide verstehen, dass es zwei Lager und zwei Meinungen zum Durchgangsverkehr in der Altstadt gibt.

„Ich habe Verständnis, dass die Menschen, die hier wohnen, vom Krach genervt sind“, so Ute Baumann. Trotzdem ist der Verkehr ein wichtiger Garant dafür, dass die Leute auch zum Einkaufen Station in der Altstadt machen.

Martin Habsick, Verkehrsplaner der Stadt Halberstadt, vertritt zum Thema eine Meinung, die irgendwo zwischen Für und Wider liegt. „Ganz raus nehmen kann man den Verkehr aus der Altstadt nicht. Die Handelsgeschäfte müssen mit dem Auto zu erreichen sein. Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass es weniger attraktiv ist, nur durch die Altstadt durchzufahren, ohne anzuhalten.“ Zumal Halberstadt mit dem innerstädtischen Verkehrsring eine Alter­native besitzt. Zum Verkehrsring ­gehören die Walther-Rathenau-Straße (B 79), die Straße der Opfer des Faschismus ­­(B 79)­, die Schwanebecker Straße (B 81), die Röderhofer Straße (L 83) sowie die kommunalen Huy-, Bleich- und Schützenstraße.

Mehr Qualität für Verkehrsring?

Der Ring muss qualitativ auf Vordermann gebracht werden. „Wir müssen die Bürger dazu bewegen, den Ring anzunehmen“, plädiert Martin Habsick. Die Thematik sei auch Bestandteil des Integrierten Verkehrskonzepts der Stadt Halberstadt, das derzeit erarbeitet wird.

Der erste vollständige Entwurf des Konzeptes liegt vor, informiert der Verkehrsplaner. Dieses wird im Rathaus von allen Fachabteilungen intensiv geprüft. Noch vor der anstehenden Kommunalwahl am 25. Mai soll der Entwurf in den Ausschüssen des Stadtrates vorgestellt und diskutiert werden. Eine Veranstaltung zur Information der Bürger sei ebenfalls in Planung.

Inidividualverkehr soll gedrosselt werden

Bereits in den frühen 1990er Jahren ist das erste Verkehrskonzept in Halberstadt beschlossen und 2003 fortgeschrieben worden. Das Papier war in die Jahre gekommen und eingestaubt. Ziel des neuen Konzeptes sei, Fußgänger und den Verkehr zu fördern sowie die Reduzierung des Idividualverkehrs unter der Maßgabe, dass wichtige Ziele in der Innenstadt nach wie vor für Bürger und Gäste erreichbar sind. Außerdem sollen Verkehrsflächen neu aufgeteilt und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessert werden.

„Die Erhöhung der ­Sicherheit und des Sicherheitsempfindens der Bürger ist ein wichtiger Bestandteil“, betonte Thomas Rimpler, stellvertretender Oberbürgermeister, während eines Bürger-Workshops 2018 zum neuen Verkehrsplan.