Halberstadt l In der Kritik steht die Vermittlung von Fundhunden in der Kreisstadt. Der Halberstädter Uwe B. (Name der Redak­tion bekannt) hatte sein Interesse an einem Hund angemeldet, ihn nach eigenen Angaben über Wochen Gassi geführt und das Tier, das ihm schon ans Herz gewachsen sei, dann doch nicht bekommen. Begründet habe man ihm die Entscheidung nicht.

Doch von Anfang an: Uwe B. trauerte um seine vor einigen Wochen gestorbene Schäferhündin, die ihm 13 Jahre treu zur Seite stand. Die Trauer sei plötzlich der Freude gewichen, als er von einer Freundin hörte, dass die Feuerwehr Halberstadt in der Kreisstadt einen Schäferhund aufgegriffen habe und ihn in die Fundtierunterkunft gebracht hat. Sofort habe er sich in die Spiegelsberge begeben, um sein Interesse an dem Tier anzumelden, so Uwe B. Mit dabei Antje Wald, mit der er seit vielen Jahren gut befreundet ist.

Eine junge Frau habe den beiden erklärt, dass sie den Hund nicht sofort mitnehmen könnten. Das Tier müsse erst in die vorgeschriebene Quarantäne. Obendrein müssten im Vorfeld der Vermittlung die artgerechten Haltungsbedingungen im künftigen neuen Zuhause überprüft werden, berichtet Uwe B.. Für ihn und seine Begleiterin seien das überzeugende Argumente gewesen, um erst einmal zu warten. Vor der angekündigten Kontrolle der Haltungsbedingungen habe er keine Angst gehabt. Immerhin könne er bei der Haltung von Schäferhunden Erfahrung vorweisen. Außerdem verfüge er über einen 1000 Quadratmeter großen Garten, der dem Tier viel Platz für genügend Auslauf böte.

Wichtig ist es Uwe B. gewesen, dass er schon vorher den Schäferhund kennenlernt und umgekehrt das Tier ihn. Aus diesem Grund habe sich der Halberstädter zum Gassigehen in der Fundhunde-Unterkunft angemeldet. Über drei Wochen habe er jeden Tag über mehrere Stunden mit dem Hund ausgiebige Spaziergänge unternommen. Sie hätten sich gut verstanden, sodass aus Sicht von Uwe B. einer Vermittlung des Hundes an ihn nichts im Wege stehen sollte. Doch dazu kam es nicht.

Gassigänger fühlt sich ausgenutzt

Sein Entsetzen sei groß gewesen, als es hieß, der Hund sei an eine andere Familie vermittelt worden. Niemand habe im Vorfeld mit ihm darüber gesprochen. Vielmehr seien seine Hoffnungen, den Hund zu bekommen, mit dem Gassigehen noch bestärkt worden. Um so größer sei der Ärger über die Entscheidung. Die Mitarbeiter der Fundhunde-Unterkunft hätten nicht mit offenen Karten gespielt, kritisiert Uwe B.. Er werde den Eindruck nicht los, dass das Tier schon lange vorher jemand anders versprochen worden sei und er nur als Gassigänger ausgenutzt und hingehalten wurde. Zumal sich von der Fundtierunterkunft niemand bei ihm daheim habe sehen lassen, um die Haltungsbedingungen zu überprüfen.

„Ich werde den Eindruck nicht los, dass in der Einrichtung Vetternwirtschaft herrscht. Wer dort jemanden kennt, erhält den Zuschlag für ein Tier“, sagt Antje Wald verärgert. Sie betont, dass der Schäferhund bei Uwe B. ein tolles Zuhause bekommen hätte. „Aber das interessierte in der Fundtierunterkunft niemanden.“

Vorwürfe, die David Neubert, dem als Tiergartenchef die Einrichtung untersteht, vehement zurückweist. „In der Fundhunde-Unterkunft werden nur Entscheidungen getroffen, die dem Wohl der Tiere dienen“, beteuert er. Den Vorwurf der Vetternwirtschaft tritt er entschieden entgegen.

Keine Zwingerhaltung gewünscht

Das betreffende Tier sei von der Feuerwehr aus einer problematischen Haltung geholt und in die Fundhunde-Unterkunft gebracht worden. Das Tier habe in seinem alten Zuhause schlechte Erfahrungen mit Zwingerhaltung gesammelt. Daher habe der Fokus der Vermittlung darauf gelegen, den Hund nicht wieder in eine Zwingerhaltung zu geben, so David Neubert. Das habe man dem Interessenten immer deutlich gemacht. „Wir haben die Bedingungen im Garten von Uwe B. überprüft. Dort wäre der Hund wieder in einen Zwinger gekommen. Darum fiel die Entscheidung zugunsten einer jungen Familie mit Haus und Garten, wo der Hund sich frei bewegen kann“, erklärt der Tiergartenleiter.

Im städtischen Hundehaus ist eine Mitarbeiterin des Tiergartens tätig, ein Freundeskreis kümmert sich um das Gassigehen und Mitglieder des Tierschutzvereins Halberstadt engagieren sich für die Vermittlung der Tiere. Aufgenommen werden herrenlos in der Kreisstadt aufgegriffene oder aus problematischer Haltung geholte Tiere.