Stadt Osterwieck l Die Osterwiecker Stadtpolitik wird einen neuerlichen Versuch starten, der extremen Katzenvermehrung Herr zu werden. Es geht um die geplante Pflicht für Katzenhalter, ihre freilaufenden Tiere kastrieren sowie kennzeichnen zu lassen.

Die Meinungen in der Stadt Osterwieck sind gespalten. Vor einem Jahr hatten sieben Ortschaftsräte für und sieben gegen eine Pflicht zur Katzenkastration votiert. Im Stadtrat wurde das Ansinnen mit einer Stimme abgelehnt. Die Geschäftsordnung des Stadtrates lässt es grundsätzlich zu, eine abgelehnte Beschlussvorlage ein zweites Mal zum Thema zu machen, und zwar nach einem halben Jahr.

Druck vom Netzwerk für Tierfreunde

Dass nun im Umweltausschuss am Mittwochabend eine neue Debatte angeschoben wurde, liegt vor allem am Druck eines Osterwiecker Netzwerkes für Tierfreunde, das sich mit hohem persönlichen und finanziellen Aufwand um die leidenden wilden Katzen kümmert.

Das Netzwerk hatte mit der Stadtverwaltung regen Schriftverkehr, wie Teamleiter Klaus-Dieter Böhnstedt berichtete. Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (parteilos) habe daraufhin mit den drei Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat abgestimmt, dass die Beratung wieder aufgenommen wird. Zunächst nochmal in den Ortschaftsräten, danach im Umweltausschuss und dann im Stadtrat. Böhnstedt erinnerte auch daran, dass bei der Abstimmung im Stadtrat 2018 einige Mitglieder des Umweltausschusses gefehlt hätten.

Dass jetzt erneut ein langwieriges Verfahren mit Beteiligung der Orte laufen soll, hielt Uwe Reuer (CDU) eigentlich für unnötig. Die Entscheidung treffe der Stadtrat, man müsse also die Stadtratsmitglieder umstimmen, die seinerzeit dagegen waren. Fachbereichsleiter Detlef Schönfeld betonte, dass eine Beteiligung der Ortschaftsräte nach der Kommunalverfassung vorgesehen sei. „Sonst würde es ein Verfahrensfehler sein“, fügte Klaus-Dieter Böhnstedt hinzu. Die Pflichten für die Katzenhalter sollen in der Gefahrenabwehrverordnung verankert werden.

Drei bis vier Würfe pro Jahr möglich

Argumente und Meinungsäußerungen zur Katzenproblematik gab es auf der Ausschusssitzung nicht. Beate Barth, Sprecherin des Osterwiecker Tierfreunde-Netzwerkes, hatte vor einem Vierteljahr gegenüber der Volksstimme erläutert: „370.000 Katzenbabys können eine unkastrierte Katze und ihre Nachkommen in nur sieben Jahren zeugen.“ Drei bis vier Würfe im Jahr seien möglich. Die Katzenpopulation wachse. „Das führt in der Realität zu Tierleid und Problemen für unsere Kommune.“ Wilde Katzen hätten Krankheiten, die sie auf die Hauskatzen übertragen können.

Nach den Information von Beate Barth hätten über 600 Kommunen die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen eingeführt. Darunter seit Juli 2018 auch die Nachbarstadt Goslar. In Sachsen-Anhalt jedoch bisher einzig Bad Dürrenberg.