Halberstadt l „Wir haben viele Perlen und Diamanten, die nun in ein Collier gefasst werden müssen“ – so beschrieb Fachbereichsleiter Thomas Rimpler die Aufgaben, die vor der Stadtverwaltung liegen, soll sich der Tourismus in Halberstadt weiterhin gut entwickeln. Denn dass er das tue, belegten die Zahlen, die Mathias Feige dem Kulturausschuss vorstellte.

Feige ist dwif-Geschäftsführer. Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr e. V. an der Universität München hat ein angegliedertes Beratungsunternehmen, das Marktforschung und Produktentwicklung in Sachen Tourismus betreibt. Im Auftrag der Stadt haben dwif-Mitarbeiter in den vergangenen Monaten Zahlen analysiert und in mehreren Arbeitsgruppentreffen mit Verwaltung, Ratsmitgliedern sowie Anbietern touristischer Leistungen Ideen entwickelt, wie die Spiegelsberge und Umgebung besser touristisch geformt werden können. Da sei sehr viel Spannendes an Ideen geäußert worden berichtete Feige.

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Schon vor mehr als zehn Jahren hatte sein Unternehmen einen Blick auf Halberstadts Tourismus geworfen, inzwischen habe sich der ganz ordentlich entwickelt. „Der Tourismus ist hier zum Wirtschaftsfaktor geworden, tatsächlich“, sagte Feige.

Vor allem im vergangenen Jahr seien die Zahlen sehr gut gewesen – 56,4 Millionen Euro habe der Umsatz in der Tourismusbranche betragen. Davon entfielen 23,5 Millionen Euro auf das Gastgewerbe, 19,2 Millionen Euro auf den Einzelhandel und 13,7 Millionen Euro auf den Dienstleistungssektor. Corona habe allerdings in diesem Jahr für deutliche Umsatzeinbußen gesorgt – 8,5 Millionen Euro allein zwischen März und Mai. Aber dennoch, der Tourismus sei eine wichtige Einnahmequelle, denn aus dem Umsatz generiere zum einen Einkommen für die Menschen in der Region und zum anderen Steuern in Höhe von rund fünf Millionen Euro.

Kein Alleinstellungsmerkmal

In seiner Präsentation vor dem Kulturausschuss ging Feige darauf ein, dass Halberstadt kaum Einmaligkeiten wie den Eiffelturm oder die Niagarafälle vorweisen könne. Das Cage-Projekt sorge für internationale Bekanntheit, ansonsten verfüge Halberstadt über Besonderheiten von „mittlerer Strahlkraft“, so Feige, „aber damit kann man viel anfangen“.

Es sei wichtig, so der Fachmann, dass man die Konzepte für die Spiegelsberge einbette. Angebote in der Stadt müssten mit denen in den Bergen vernetzt sein, man müsse sich zwar vom Harz abheben, um die avisierten Zielgruppen konkret ansprechen zu können, aber dennoch die Einbindung in die Region nicht vernachlässigen.

Sportkomplex ist herausragend

Halberstadt sollte, so der Expertenrat, vor allem auf Gruppen setzen – von der Familie über Klassen und Vereine bis zum Unternehmensteam. Denn ein besonderes Pfund, mit dem die Stadt in den Spiegelsbergen wuchern könne, sei neben der schönen Natur das herausragende sportliche Angebot. Das lasse sich unter anderem nicht nur für Tagungsgäste vermarkten, sondern böte auch hervorragende Bedingungen für Teambildungsangebote. Dass das K 6-Hotel hier bereits gute Arbeit leiste, beweise dessen Aufnahme unter die Top-250-Tagungshotels Deutschlands. „Das ist oberste Liga“, sagte Feige.

„Sie haben hier alles auf engstem Raum, Stadion, Schwimmbad, Mehrzweckhalle, Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie.“ Solche Konstellation sei ungewöhnlich, das müsse mehr genutzt werden. Dabei sollten Angebote für alle Altersklassen gemacht werden, für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen aller Art. „Das Stichwort ist leichtes Reisen“, sagte Feige. Das beträfe alle – denn auch eine Familie mit Kind und Kegel sei froh über Aufzüge, Rampen und Fahrstühle, in die mehr als zwei Personen passen.

Erster Schritt: Infrastruktur schaffen

Damit aber Gruppen kommen, müssen die Angebote erweitert werden, was man als Gast in der Stadt und in den Bergen erleben kann. „Menschen kommen immer dann, wenn etwas los ist“, so Feige. Neben Angeboten für Wanderer, Radfans, Reiter, Naturfans und Sportfreaks muss die Stadt zuvorderst die erforderliche Infrastruktur schaffen. Von ordentlichen Wegen hinaus in die Berge, sinnvoller Nahverkehrsanbindung, vernünftige Beschilderungen über ausreichend Parkplätze und Sanitäranlagen reicht die Palette. Dann würde sich, so die Erfahrung, parallel auch das Gastronomie-Angebot erweitern.

Die Stadt werde in den kommenden Wochen einen Fahrplan erarbeiten, was wann mit wem entwickelt werden soll, welche Fördertöpfe man anzapfen kann. „Das alles dient ja sowohl den Halberstädtern als auch den Besuchern der Stadt“, betonte Wirtschaftsförderer Thomas Rimpler.