Halberstadt l „Polizeirevier Harz/Verkehrsunfallstatistik 2018“: Die Wahl der blauen Schriftart auf dem Titelblatt der Präsentationsmappe mag langjährig gelebte Praxis sein – für das Jahr 2018 wäre die Trauerfarbe Schwarz zweifelsohne angebrachter gewesen. Mit 16 Opfern musste Revierchef Marco Zeuner bei der gestrigen Vorstellung der Unfallstatistik für 2018 einen neuen Negativ-Rekord vermelden.

Zwar sanken gegenüber 2017 sowohl die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle insgesamt (minus fünf Prozent) als auch die Zahl der Unfälle mit Personenschaden (minus 1,33 Prozent). Die Folgen der Crashs waren jedoch gravierender. So stieg die Zahl der Schwerverletzten – also Verletzter, die stationär in Kliniken aufgenommen wurden – um 4,23 Prozent. Bei den Leichtverletzten war ein Anstieg um 8,47 Prozent zu verzeichnen. Besonders extrem die Entwicklung bei den Getöteten: Die Quote stieg um 166,67 Prozent.

Rationale Erklärungen konnte Zeuner – insbesondere mit Blick auf die Unfallstellen – nicht liefern. Er gebe keine Schwerpunkte, wo eine Häufung erkennbar sei, so der Polizeidirektor. Vielmehr habe gerade bei den 16 tödlich Verletzten oft das Schicksal auf geradezu tragische Weise eine maßgebliche Rolle gespielt.

Bilder

Unter Drogen und ohne Führerschein am Steuer

So insbesondere beim Frontalcrash, bei dem im April zwei 58 und 69 Jahre alte Frauen auf der B 185 bei Ermsleben getötet wurden. Ein 24-jähriger Drogensüchtiger und -dealer war mit seinem Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit dem Auto der Frauen kollidiert. Der Verursacher hatte keine Fahrerlaubnis, die Kennzeichen am Auto waren gefälscht, obendrein stand der Mann unter Drogeneinfluss. Zudem sollte er wenig später eine Gefängnisstrafe in einer Entzugsklinik antreten. Er wurde im Herbst 2018 zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Eine Berufung gegen das Urteil wurde laut Staatsanwaltschaft im Februar verworfen, nun sei noch eine Revision anhängig, so Hauke Roggenbuck von der Anklagebehörde in Halberstadt.

Ähnlich tragisch ein Crash in Badeborn: Ein Autofahrer übersah im März 2018 einen Radler, der stets geradezu vorbildlich beleuchtet unterwegs war. Der Autofahrer wurde wegen fahrlässiger Tötung zu 9000 Euro Strafe verurteilt. Er akzeptierte das Urteil sofort, die Witwe des Getöteten reichte ihm noch im Gerichtssaal die Hand.

Die Liste mit tragischen Fällen lässt sich fortsetzen. In Reinstedt starb ein Quadfahrer, nachdem ihm die Vorfahrt genommen worden war. Am Neujahrstag kam eine 29-Jährige auf der B 79 bei Quedlinburg von der Fahrbahn ab und starb. Im Februar übersah in Halberstadt ein Autofahrer beim Rechtsabbiegen eine Radlerin, die Frau starb später.

Kommissar leitet im Harz Biker-Projekt

Hinzu kamen viele Unfälle mit tödlich verletzten Kradfahrern. Mal waren die Motorradfahrer selbst schuld, oft waren auch sie Opfer. Tragisches Resultat: Die Zahl der Opfer bei Kradfahrern stieg von einem im Jahr 2017 um 500 Prozent auf sechs im Jahr 2018.

Deshalb setzen die Verantwortlichen im Harzer Polizeirevier mit Blick auf die Biker weiter auf Prävention. Sebastian Fabich – 30 Jahre alter Polizeikommissar, Regionalbereichsbeamter in Wernigerode und selbst Kradfahrer – leitet das Projekt „Sicher durch den Harz“. Man wolle auf die Kradfahrer zugehen – sowohl im Dialog am Biker-Stammtisch als auch präventiv-kontrollierend, so Fabich. Auch 2019 seien in Zusammenarbeit mit Thüringen und Niedersachsen wieder Großkontrollen geplant – mindestens drei im Revierbereich.