Halberstadt l Als OB Andreas Henke am 23. Februar die Pressekonferenz eröffnete, um nach der Explosion in der Sargstädter Siedlung Medienvertreter zu informieren, war ihm die persönliche Erschütterung anzumerken. Henke, bekannt als Profi vor Mikros und Kameras, wählte seine Worte angesichts der Dramatik besonders bedachtsam. Den Helfern und Rettern vor Ort, dürfte es nicht anders ergangen sein. Der Anblick vor Ort und die Eindrücke dürften sie auf längere Zeit beschäftigen.

Überall lagen Trümmer

Unter ihnen war – stellvertretend für alle THW-Helfer – auch Thomas Conrad. Der Halberstädter ist nach der Explosion, die sich gegen 4 Uhr ereignet hatte, mit weiteren 13 Kameraden des Ortsverbandes zum Unglücksort geeilt. „Es sah aus wie nach einem Bombenanschlag, überall lagen Trümmer herum“, erinnert er sich. Unter der Regie der Freiwilligen Feuerwehr Halberstadt halfen die Halberstädter THW-Akteure Hand in Hand mit ihren Quedlinburger Kollegen.

Extreme Anspannung

Im Mittelpunkt stand die Beseitigung der Trümmer des völlig zerstörten Hauses. Was für die fachlich geschulten und technisch gut ausgerüsteten THW-Experten eigentlich eine Routinearbeit ist, wurde hier zur besonderen Herausforderung: „Als bekannt wurde, dass sich die vermisste Person zum Unfallzeitpunkt im Haus befand und diese unter dem Trümmerhaufen zu vermuten ist, ist nicht nur in ihm die ohnehin extreme Anspannung angestiegen“, berichtet THW-Sprecherin Sandra Pampus. Schließlich mussten die Helfer damit rechnen, unter jedem Holzbrett oder Stein plötzlich auf das Opfer zu treffen.

„Es war mein erster Einsatz mit einer Vermisstensuche, die leider tragisch endete. Sonst war ich größtenteils nur bei Hochwasser-Einsätzen aktiv, zuletzt im Sommer 2017 in Ilsenburg und Derenburg“, erzählt der Ehrenamtliche, der sich seit 2001 für das THW engagiert.

Reden hilft der Seele

Die Geschehnisse psychisch zu verarbeiten, sei nach solchen emotionalen Einsätzen oft nicht leicht, weiß Sandra Pampus. Thomas Conrad habe bei seiner Familie Halt gefunden und etwas Zeit gebraucht, bevor er mit seiner Frau das Erlebte besprach. „Reden hilft der Seele, und das ist wichtig“, ist der dreifache Vater überzeugt.

Professionelle Hilfe nach extrem belastenden Einsätzen sei ein Thema, dem sich das THW seit vielen Jahren angenommen habe, berichtet Sprecherin Pampus. Unter dem Motto „Helfer helfen Helfer“ halte das THW bundesweit zwölf Einsatznachsorgenteams in Bereitschaft. Ziel der Teams sei es insbesondere, nach psychisch belastenden Einsätzen, wie jener am Freitag, ein offenes Ohr zu haben, zuzuhören und die Kameraden mit dem Erlebten nicht allein zu lassen.

Weil mit Thomas Preiß ein Mitstreiter des THW Halberstadt dem Einsatznachsorgeteam im Bereich Berlin-Brandenburg-Sachsen-Anhalt angehört, war professionelle Hilfe gleich vor Ort.