Dedeleben l Malstifte, Knete oder auch Fingerfarben sind Dinge, die in jedes Kinderzimmer gehören und die Kreativität des Nachwuchses fördern. Wenn diese Produkte für Mädchen und Jungen noch ökologisch völlig unbedenklich sind, sogar Vegetarier und Veganer glücklich machen und zudem auch mal völlig bedenkenlos in den Mund genommen werden können, dann stammen diese Farben und Stifte höchstwahrscheinlich aus Dedeleben.

Hier, im Ortsteil der Gemeinde Huy nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ist seit 1997 die Firma „Ökonorm“ zu Hause, die sich auf die Produktion solcher ökologischer Farben spezialisiert hat. Die Gründer Ellen Schahn und Albert Krohn haben es geschafft, beinahe unbemerkt von der hiesigen Öffentlichkeit, den Weltmarkt für sich zu interessieren und sich dort erfolgreich zu behaupten.

Kein Direktvertrieb

„Wir liefern weltweit in etwa 30 Länder“, sagt Enrico Nickel, Assistent der Geschäftsführung und nennt Handelsbeziehungen nach Australien, Amerika, China oder in die skandinavischen Länder. Auch innerhalb Deutschlands gebe es Verträge. „Nur im Harz sind wir immer noch auf der Suche nach einem langfristigen Partner“, sagt Nickel und erklärt, dass die „Ökonorm“ nicht auf Direktvertrieb, sondern auf Großhändler und Wiederverkäufer setze.

Dass ihre Produkte auch beim Internethändler „Amazon“ zu finden sind, sehen die Mitarbeiter von Ökonorm mit gemischten Gefühlen. „Wir beliefern Amazon ganz bewusst nicht, weil wir auf ein faires Preissystem setzen und unsere Händler schützen möchten“, erklärt Enrico Nickel. „Wenn dort unser Sortiment angeboten wird, ist das keinesfalls von uns initiiert worden.“

Gründer setzen sich zur Ruhe

Mit seiner Aufgabe scheint der 36-Jährige bei der Ökonorm in Dedeleben seine Berufung gefunden zu haben. Er unterstützt das Gründerpaar Schahn/Krohn, die sich langsam zur Ruhe setzen wollen. Zudem ist Albert Krohn mittlerweile ständig auf ein Sauerstoffgerät angewiesen und daher nicht mehr so belastbar. Das hindert ihn jedoch nicht, sich täglich mit Enrico Nickel, den er bereits als seinen Nachfolger bezeichnet, zu treffen und Ideen auszutauschen. „Wir sitzen täglich zusammen und schmieden neue Pläne“, betont Enrico Nickel.

Dabei entstehen dann solche neuen Trendprodukte wie die „Einhornfarben“. Diese Fingerfarben sind speziell für Mädchen und besonders Einhornliebhaberinnen entwickelt worden und beinhalten typische Mädchenfarben. Zusammen mit einer niedlichen Verpackung sei dies gerade der Renner auf dem Markt, betont Enrico Nickel. Die Farbe schwarz ist dabei tabu. Diese ist allerdings im Gespräch, um eine adäquates Set für Jungen auf den Markt zu bringen.

Farben komplett auswaschbar

Neu im Sortiment sind Textilmalstifte, mit denen sich die Mädchen und Jungen als Nachwuchsdesigner auf ihren eigenen Sachen austoben können. Und wenn sie mal Muttis gute Bluse verschönern, ist das auch kein Problem, denn die Farben sind komplett auswaschbar.

Weitere Anregungen und Ideen finden die Verantwortlichen auf Fachmessen, wo die „Ökonorm“ ein gefragter Gesprächspartner ist. „Kürzlich waren alle unsere Mitarbeiter auf der Weltleitmesse ‚Biofach‘ in Nürnberg“, erklärt Albert Krohn. Dieser dort unmittelbar mögliche Kontakt mit den Kunden und das Erlebnis, die eigenen Produkte auf dem Messestand zu sehen, habe die Mitarbeiter mit Stolz und Freude erfüllt.

Osterproduktion ab November

Mit dem nahen Osterfest ist nun wieder ein Stück Normalität in die Räume der alten Zuckerfabrik von Dedeleben eingekehrt. Denn die Produktion der ökologischen Eierfarben bestimmt bereits seit November die Abläufe. Für den internationalen Biomarkt wurden Eierfärbefarben, Eiermalfarben, und sogar Ostergras hergestellt und verpackt. Natürliche Zutaten wie Kurkuma, Karmin und Chlorophyllin werden mit einem natürlichen Trägerstoff gemischt und in Beutel portioniert. Bei dieser Arbeit tragen alle Mitarbeiter einen Schutzanzug und Atemmasken. Das sei eine sehr staubige Angelegenheit, berichtet Enrico Nickel. „Wenn wir zum Beispiel Gelb mischen, sehen wir mitunter aus wie Leberkranke.“

Sind die Farbbeutel fertig, werden immer fünf verschiedene Farben in eine Tüte einsortiert. Weil diese Arbeit eher etwas langweilig sei, ist daran das gesamte insgesamt zwölfköpfige Team der „Ökonorm“ beteiligt. Besonders einfach ist die Arbeit, wenn die Eierfarben für Griechenland verpackt werden. Dann befindet sich in einer Tüte fünfmal Rot. „In Griechenland werden alle Ostereier rot gefärbt, die Griechisch-Orthodoxen sehen darin das Blut Christi“, erklärt Albert Krohn.

Gras aus Schafswolle

Eine Besonderheit sei das Natur-Ostergras, das aus pflanzengegerbter Schafwolle besteht. Die Grün-Färbung erfolgt durch einen Spezialisten in Sachsen. Verpackt wird das Gras dann portionsweise bei der „Ökonorm“ und selbstverständlich in biologisch abbaubaren Zellgelbeuteln.

Stolz ist Albert Krohn, dass in der Osterzeit der „Dänisch-königliche Hoflieferant“ seine Bio-Eier mit „Ökonorm“-Farben ergänzt, und durch eine große Handelskette vermarktet. „Jeder Eierpackung liegt eine unserer Farben und eine Gebrauchsanweisung bei, das ist die beste Werbung für unsere Produkte“, so Krohn. Er plane nun, eine solche Vereinbarung auch den hiesigen Eierproduzenten vorzuschlagen.