Halberstadt l „Sinnvoll, jedoch nicht zwingend notwendig“, so lautet das Fazit aus dem Halberstädter Rathaus in Sachen Verkehrsspiegel an der Rudolf-Diesel-Straße. Einen solchen fordert die Harzer Blitzergruppe. Gegenüber der E-Center-Ausfahrt angebracht, soll das Hilfsmittel die Sicht der Autofahrer, die vom Einkaufen kommen, verbessern.

„Wenn man vom Parkplatz fährt, ist die Straße in beide Richtungen schwer einzusehen, besonders zu Stoßzeiten“, betont Denny Behrend, Chef der Blitzer-Gruppe. Die Straße weise eine Krümmung und eine Neigung auf, dies verhindere eine gute Sicht auf vorbeifahrende Autos.

Kritik von Internet-Nutzern

Mit dieser Meinung steht der Initiator der mittlerweile 17 125 Mitglieder starken Facebook-Gruppe nicht allein da. Bei Umfragen innerhalb der Gruppe, an welchen Stellen es im Harzkreis im Straßenverkehr Nachbesserungsbedarf gibt, werde die Ausfahrt zur Rudolf-Diesel-Straße häufig genannt. Bei einem spontanen Voting im vergangenen Jahr sprachen sich 395 Mitglieder für das Aufstellen eines Spiegels aus, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. „Es gab nur fünf Gegenstimmen, und die Umfrage dauerte nur wenige Stunden“, berichtet Behrendt.

Fast ein Jahr lang setzt sich der Neu-Halberstädter nun bei der Verwaltung dafür ein, dass ein Spiegel errichtet wird. „Auf der Grünfläche vor der Straßenmeisterei“, erläutert der gebürtige Derenburger.

Zunächst sah es so aus, als ob die Harzer Blitzergruppe mit ihrem Anliegen Erfolg haben würde: Im Sommer 2017 gab es ein Treffen vor Ort, an dem neben Behrendt Mitarbeiter des Ordnungs- und des Tiefbauamts sowie des Stadt- und Landschaftspflegebetriebs (Stala) teilnahmen. Probeweise wurde ein Spiegel hochgehalten, um zu sehen, ob so tatsächlich die Sicht verbessert werden kann. „Obwohl es nur ein kleiner war, hat der Test klar gezeigt, dass ein Spiegel doch einen positiven Effekt auf das Sichtfeld der vom Edekaparkplatz kommenden Fahrzeuge hat“, berichtet Denny Behrendt. Autos, die aus Richtung Klusstraße zur Bundesstraße 79 fuhren, haben die „Tester“ mit dem Spiegel früher gesehen als ohne.

Genehmigung erteilt

Stadtsprecherin Ute Huch bestätigt: „Ein Spiegel würde die Sicherheit erhöhen.“ Ende des letzten Jahres hat die Tiefbauabteilung der Verwaltung schriftlich genehmigt, dass ein Verkehrsspiegel aufgestellt werden kann, informiert sie weiter.

Klingt nach einem Happy End – doch das ist nicht der Fall. Denn: Nicht die Stadt ist dafür verantwortlich, einen Spiegel an dieser Stelle anzubringen. „Es handelt sich um eine private Zufahrt“, erläutert Ute Huch. Laut Stadt liegt die Kostenschätzung, einschließlich Montage, die von einer Fachfirma ausgeführt werden muss, bei 850 Euro. Diese Kosten habe das E-Center zu tragen.

Antrag zurückgezogen

Denn das Unternehmen hatte – unabhängig von der Forderung der Blitzer-Gruppe – bereits einen Antrag hinsichtlich eines Verkehrsspiegels bei der Stadt gestellt, zwischenzeitlich jedoch Abstand von diesem Antrag genommen.

„Ein Spiegel wäre an sich sinnvoll. Aber das Thema betrifft nicht nur uns, sondern alle ansässigen Geschäfte. Auch deren Kunden nutzen die Ausfahrt“, sagt Marktleiter Michael Altzschner auf Volksstimme-Nachfrage. „Wir wollen uns nicht generell gegen einen Spiegel sträuben, aber vorher sollen klare Verhältnisse geschaffen werden.“

Damit spielt er auf das Nachbargrundstück an – bis dato eine umzäunte Brache, auf der Unkraut wuchert. Mittlerweile wurde das Gebäude abgerissen, die Sicht sei nun besser. „Wenn jetzt auch noch der Zaun abgerissen wird, ist es sinnlos, kurz vorher einem Spiegel anzubringen, der dann nicht mehr benötigt wird“, so Altzschner.

Diese Ansicht teilt Behrendt nicht. „Die Notwendigkeit ist nach wie vor gegeben“, betont er. Die Sichteinschränkung habe ihre Ursache nicht primär im Zustand des Nachbargrundstückes, sondern liege an der Krümmung der Straße. Er wolle sich weiter dafür einsetzen, dass der Gefahrenpunkt behoben werde und baue dabei auf die Unterstützung der Blitzer-Gruppe.