Halberstadt l Geplündert präsentieren sich immer öfter die neuen roten Holzkästen der ­Hexen-Stempelstellen in und um Halberstadt sowie in der gesamten Harzregion. Sie sind Bestandteil der Kultur- und Wanderstempeltour „Im Schatten der ­Hexen“, die mystische Orte aus der gleichnamigen Bestseller-Reihe der Halberstädter Autorin Kathrin R. Hotowetz kennzeichnen. Allerdings ziehen sie nicht nur Wanderer und Fans der ­Romane magisch an, sondern auch Diebe. In den zurückliegenden Tagen ist zum Beispiel die Stempelstelle am Gläsernen Mönch von Unbekannten außer Betrieb gesetzt worden, berichtet Lothar Streithoff aus Langenstein. Der Stempel wurde gestohlen.

Axel Steinbach vom Geist­mühle Verlag, der die Stempelstellen gemeinsam mit der Harzer Wandernadel betreut, bestätigt, dass es immer wieder zu Übergriffen kommt. „Von Vandalismus im eigentlichen Sinn kann man gar nicht sprechen. Die Kästen selbst bleiben meist unbeschädigt. Die Diebe haben es auf die attraktiven Stempelkissen abgesehen, die von der Halberstädterin ­Katrin ­Packebusch kreiert wurden. Jeder Ort hat ein eigenes Motiv.“ Das sei Sammelwut, aber kein Vandalismus – trotzdem ändert es nichts daran, dass das sehr ärgerlich ist. Die im Durchmesser etwa vier Zentimeter großen Stempel werden einfach aus den etwa 195 Euro teuren Holzkästen, die meist von Sponsoren finanziert werden, ­herausgerissen.

Viele Stempel schon zweimal gestohlen

Mittlerweile sei fast jeder Stempel aus den bislang 60 Anlaufstellen in der ­Region zweimal gestohlen beziehungsweise erneuert worden. Ausnahmen seien die Kästen in der Plantage in Halberstadt und vor der St. Laurentius- ­Kirche in Wehrstedt. Die sind bislang unangetastet geblieben. „Im ersten Fall mag die direkte Nachbarschaft zum ­Polizeirevier Harz eine entscheidende Rolle spielen. Im Umfeld der St. Laurentius-Kirche sind immer viele Leute unterwegs“, erklärt Axel Steinbach die Ausnahmen.

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Daher achte man mittlerweile darauf, die Stempelkästen sicher aufzugestellen – also auf umfriedeten Grundstücken oder dass sie als mobile Stellen für die Nacht abgebaut werden können. Ein Beispiel für einen sicheren Standort sei die kürzlich als elfte und letzte in Halberstadt eingeweihte Stempelstelle auf dem Gelände des Seniorenheims Am Dom. Das ist aber nur in der Stadt möglich. Die Vielzahl der Stempelstellen befinden sich in der Natur, wo eine Sicherung unmöglich ist. Die Beschädigungen seien kein Halberstadt-Problem, sondern kämen an fast allen Standorten vor.

Um die Reparatur kümmern sich meist die Mitarbeiter der Harzer Wandernadel, mit denen der Hexenstempel gemeinsam 50 Stempelkästen betreibt. Die Blankenburger, die insgesamt 220 Stempelkästen im Harz unterhalten, können ebenfalls ein Lied von Zerstörungen singen. Drei bis vier Kästen muss das Reparaturteam pro Woche wieder auf Vordermann bringen, informiert Christina Grompe, Leiterin des Service-Büros der Harzer Wandernadel.

Literaturprojekt soll Tourismus beleben

Ziel der Hexen-Stempelstellen ist, dass Literatur den Tourismus in Halberstadt und der Harzregion belebt. Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Bestseller-Romane aus der Reihe „Im Schatten der ­Hexen“. Die „Harzer Wandernadel“ und der Geistmühle Verlag haben gemeinsam die Kultur- und Wanderstempeltour nach den Harzer Spannungsromanen entwickelt, die Fans abwandern können. Ein Netz von insgesamt 111 Stempelstellen befindet sich derzeit im Aufbau, informiert Axel Steinbach vom Geist­mühle Verlag.

Halberstadt sei mit elf ­innerstädtischen Anlaufpunkten für die Wanderer ein Schwerpunkt. Andere Kommunen besitzen weniger. Die Mehrzahl befinden sich an Roman-Schauplätzen in der Natur. Sogar auf dem Kyffhäuser und in Bad Gandersheim im Westharz gibt es sie. Halberstadt gehört zur Kultur­route der Wandertour, die historische Orte präsentiert. Die zweite, die Wald­route, führt an mystische Orte, die mit Kriminalfällen in den ­Büchern in Verbindung stehen.