Halberstadt l Bauen auf der grünen Wiese bedeutet fast immer Pläne vom Wohnen am Stadtrand zu verwirklichen. Frank Behrens geht einen anderen Weg. Der Bauunternehmer aus Halberstadt erwarb vor etwa drei Jahren eine grüne Wiese mitten in der Sargstedter Siedlung. Auf 9176 Quadratmetern entsteht in direkter Nachbarschaft zur Diesterweg-Grundschule seit Kurzem die „Siedlungsresidenz“ mit einer Gesamtwohnfläche von 3065 Quadratmetern. Barrierefreies Wohnen für Jung und Alt steht im Mittelpunkt des Vorhabens.

Für Frank Behrens war von Anfang an wichtig, dass dort kein Betonklotz entsteht. „Der Siedlungscharakter, der im Wesentlichen von vielen älteren und neuen Einfamilien­häusern  geprägt wird, soll sich im Neubau widerspiegeln“, informiert der Bauherr. Planung und Umsetzung kosten etwa 4,5 Millionen Euro, die komplett von ihm privat finanziert werden.

Mehr Bewerber als es Wohnungen gibt

Auf dem Areal wird nicht nur ein Gebäude gebaut, sondern mehrere in eingeschossiger Ausführung. Die insgesamt 37 Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen, 68 bis 83 Quadratmeter groß, entstehen zum Großteil  im Stil von Einfamilienhäusern, samt Terrassen mit Grünbereich und Pkw-Stellplätzen vor der Tür, so Frank Behrens.

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Zentrales Gebäude ist ein Gemeinschaftshaus. In dem befindet sich künftig nicht nur die Wohnung des Hausmeisters, der die Wohnanlage betreut, sondern ein Raum samt kleiner Küche, der dem Haus seinen Namen gibt – der von allen Mietern bei Bedarf genutzt werden kann. „Zum Beispiel für Geburtstags- oder andere Familienfeiern und Veranstaltungen“, erklärt Frank Behrens. Außerdem gibt es weitere Mehrzweckräume, die nach Bedarf für Physiotherapie-Angebote, von Pflegediensten oder einem Friseur zeitweise beziehungsweise auf Bestellung zur Verfügung stehen würden. Im Keller des Gemeinschaftshauses befindet sich die ­Heizung für die gesamte Residenz. ­„Natürlich eine umweltfreundliche Luft-Wärmepumpe mit Unterstützung einer Gasbrennwert-Therme, die sich bei Versorgungs­spitzen zuschaltet“, berichtet der Investor.

Mitte 2021 soll die komplette „Siedlungsresidenz“ fertiggestellt sein. Die Resonanz sei schon sehr gut. „Es gibt mehr Bewerber als zur Verfügung stehende Wohnungen“, zeigt sich Frank Behrens zufrieden. Zu 95 Prozent kämen die Interessenten aus der Sargstedter Siedlung. Darunter junge Leute oder ältere, die über Jahrzehnte in der Siedlung ein Eigenheim bewohnt haben, dass ihnen jetzt im Alter zu groß ist. Sie wollen aber auf ihr gewohntes Umfeld nicht verzichten.

Bauplan wird mit Verspätung verwirklicht

Erstmals ging Frank Behrens 2017 mit dem Plan zum Bau der „Siedlungsresidenz“ an die Öffentlichkeit. Wie sich später herausstellte, viel zu früh, bedauert er heute. Laut erster Planung sollte das Vorhaben 2018 starten und 2019 bezogen sein. Doch dann holte den Halberstädter die Realität ein. „Es war ganz einfach auf Grund der Fülle der Bauprojekte nicht umzusetzen.“ Sein mittelständisches Unternehmen mit 30 Mitarbeitern war aufgrund der Fülle der Projekte überfordert. „Die Firma sollte nicht weiter wachsen, damit ich den Überblick behalte. Also blieb nur ein Ausweg, den Bau in der ­Sargstedter Siedlung zu verschieben“, sagt Frank Behrens. Zwar sei die Lage derzeit nicht viel besser, die Firma könne sich vor Aufträgen nicht retten. „Ich musste jetzt aber mit der Residenz anfangen, um glaubwürdig zu bleiben.“

Ursprünglich sollte auf dem einst städtischen Grundstück an der NW 10 Straße der Ersatzneubau für die marode Diesterweg-Grundschule entstehen. 2012 ging die Stadt davon aus, im Folgejahr das Vorhaben starten zu können. 5,4 Millionen Euro sollte der Neubau kosten. Ein Plan, der letztendlich nicht umgesetzt wurde. Stattdessen entschied sich die Kreisstadt für die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Schulgebäudes.