Weferlingen l Rund 30 Männer, vor allem aus Syrien und Afghanistan, sitzen an drei großen und einem kleineren Tisch - mehr hätten kaum hineingepasst. Bücher zum Erlernen der deutschen Sprache liegen vereinzelt auf den Tischen, doch darum geht es beim Sprachcafé nicht vorrangig.

„Wir wollen mit den Flüchtlingen ins Gespräch kommen“, sagt Sabine Müller; „Sie schildern uns ihre Alltagssorgen, ihre Erlebnisse und Gedanken, und wir versuchen darauf einzugehen.“

Schnell füllen sich die wenigen leeren Stühle an den Tischen mit freiwilligen Helfern wie Sabine Müller. „Darf ich mich zu euch setzen“, fragt Jörg Lauenroth-Mago und stellt sich gleich vor, ehe er selbst nach den Namen seiner Tischnachbarn fragt. Jemand bringt Kekse und Salzstangen auf den Tisch, serviert Tee.

In Weferlingen funktioniert, wo sich im Großen die Politik die Köpfe heißredet, ohne wirklich etwas voranzubringen. Hier versuchen Freiwillige zu helfen, dazusein für Menschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat.

Davon können sich an diesem Abend Propst Christoph Hackbeil des Sprengels Magdeburg-Stendal und Superintendent Uwe Jauch vom Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt überzeugen. Sie sind in die Kirchengemeinde gekommen, um sich das Sprachcafé anzusehen. Ein paar Worte der Begrüßung durch Pfarrer Thomas Vesterling und die beiden Gäste, und schon sind alle mittendrin, setzen sich mitten ins Geschehen und kommen ins Gespräch.

Die Sprachförderung für die Flüchtlinge ist ein weiterer wichtiger Baustein, dienstags und mittwochs wird im Kantorat Deutsch unterrichtet. Auch hier kommen viele Freiwillige zum Einsatz, ganz selbstverständlich helfen sie, die ersten Wörter und Sätze in deutsch zu formulieren. Über die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen konnten Lehrbücher beschafft werden, gelebte Migrationshilfe geht allerdings nur mit den Leuten vor Ort.

„Wir sind auch da, wenn es um Behördengänge geht, wenn Sorgen und Probleme im Alltag drücken“, sagt Sabine Müller. Sie weiß, woher viele der im Weferlinger Heim Untergekommenen stammen. Als Kind war sie selbst ein paar Jahre in Syrien, weil ihre Eltern dort gearbeitet haben.

„Zusammenleben“ soll nicht einfach nur so ein Begriff im Vereinsnamen sein, es soll in Weferlingen gelebt werden. Freiwillige sind übrigens stets willkommen. So wie Rowan. Der 15-Jährige kommt mit seinen Eltern zum Sprachcafé. Reisen in die USA haben die Familie schon viel sehen und erleben lassen. Für sie ist es selbstverständlich, hier zu helfen und einfach da zu sein.

„Mir geht es danach immer richtig gut“, erzählt Sabine Müller. Was gebe es für ein schöneres Gefühl, auch wenn der Alltag dadurch noch ein kleines bisschen voller wird.

„Die Kirche ist offen für jeden“, betont Thomas Vesterling. Er hat großen Anteil daran, dass die Angebote auch so gut angenommen werden, unermüdlich übersetzt er ins Englische. Kirche und Verein würden an einem Strang ziehen, weil sie erkannt haben, welche Bedeutung diese Gesten hätten. Und aus seinen Kirchengemeinden wie Aller-ingersleben oder Morsleben kommen mittlerweile auch Freiwillige nach Weferlingen, um zu helfen.

„Es gibt viele gute Beispiele in unserer Landeskirche“, erzählt Christoph Hackbeil. Doch von Weferlingen zeigt er sich trotzdem sehr angetan. Hier gebe es eine so gute Zusammenarbeit. Davon könne es ruhig noch mehr geben.

Sabine Müller würde sich wünschen, dass auch mal Frauen am Sprachcafé teilnehmen. Im Heim gibt es einige davon. Doch die Kultur ihrer Länder sei da oft ein Hemmnis. „Wir müssen sie sicher nur gezielter ansprechen“, meinte die Weferlingerin, vielleicht noch einen eigenen Termin nur für Frauen und Mädchen finden, damit auch sie mit ihren Sorgen und Ängsten nicht allein gelassen werden.

Die nächsten Aktionen sind ebenfalls schon geplant: Zum Weferlinger Weihnachtsmarkt gibt es einen Stand des Vereins. Wichtelpäckchen soll es dort geben, verpackt und mit geheimnisvollem Inhalt. Um eines zu erwerben, gibt jeder das, was er kann. Der Erlös aus diesem Wichteln wird für den Neubau eines Spielplatzes in Weferlingen verwendet, versichert Sabine Müller.

Unterstützer werden stets gesucht, einfach donnerstags ab 18 Uhr im Weferlinger Kantorat vorbeischauen.