Haldensleben l Bauplätze stehen in der Kreisstadt nach wie vor hoch im Kurs. Ganz besonders die in Zentrumsnähe. Mit der Änderung des Bebauungsplans „Masche“ soll dieser Nachfrage Rechnung getragen werden. Das hat der Stadtrat beschlossen.

Naturschutz wurde einbezogen

Mit der Änderung soll die Möglichkeit geschaffen werden, die bestehende Wohnbebauung in dem Bereich zwischen Triftweg, Triftstraße, Masche und Schützenstraße zu verdichten. Dies war bereits im Jahr 1992 ins Auge gefasst, dann aber wieder fallen gelassen worden. Seitdem haben sich auf den unbebauten Flächen in dem Wohngebiet sehr wertvolle Moor- und Feuchtwiesen entwickelt, das Knabenkraut, eine heimische Orchideenart, wächst dort ebenfalls. Deshalb ist das Gebiet im Vorfeld naturschutzrechtlich untersucht worden. „Es wurde ein Fauna-Flora-Gutachten erstellt, das manche Bereiche als schutzbedürftig, andere dagegen als überbaubar einstuft“, macht Petra Albrecht, Leiterin der Abteilung Stadtplanung und Umwelt in der Stadtverwaltung, deutlich. Damit sei eine geringfügige Erweiterung der bestehenden Wohnbauflächen möglich.

Auch der alte Schießplatz der Schützengilde an der Masche wird für eine Wohnbebauung in Betracht gezogen. Er ist allerdings als Altlastenverdachtsfläche ausgewiesen und wird deshalb entsprechend der Bundesbodenschutzverordnung erst noch untersucht werden müssen.

Sorgen der Gärtner unbegründet

Im Vorfeld der Stadtratssitzung hatte sich der Bauausschuss mit der Bauplanänderung beschäftigt. Dabei brachte Stadtrat Rüdiger Ostheer erneut die Gartenanlage zwischen Schützenhaus und ehemaligem Volkspark ins Gespräch. „Warum wird dieses Gebiet ausgenommen? Es ist doch ebenfalls als Bauland ausgewiesen. Und was wiegt mehr: das Verlangen nach Bauland in der Innenstadt oder die Gartennutzung?“, stellte er in den Raum.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Pächter der Gärten bei einer Stadtratssitzung ihre Befürchtungen geäußert, dass ihre kleinen Oasen einer Wohnbebauung weichen sollen. Konkrete Pläne von Seiten der Stadt hatte es dafür aber noch nicht gegeben. An diesem Stand hat sich bislang auch nichts geändert. Es seien bislang keine Kündigungen der Pachtverträge ausgesprochen worden und derzeit auch keine Kündigungen vorgesehen, erklärte Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann auf Volksstimme-Nachfrage. Trotzdem bleibt das Thema aktuell, denn Ostheer hatte im Bauausschuss den Antrag gestellt, das Gartenland so vorzubereiten, dass es als Bauland vermarktet werden kann. „Wir werden uns damit demnächst befassen“, sicherte ihm Bauausschussvorsitzende Anja Reinke (FUWG) zu.

Stadtvillen und Reihenäuser möglich

Zudem hat der Stadtrat beschlossen, auch den Bebauungsplan für das Wohngebiet „Sonnenhauspark“ am Stadtrand gegenüber der Jugendherberge zu verändern. Dies hatte der Vorhabenträger gewünscht, um die Grundstücke besser vermarkten zu können. „Bislang hat es für dieses Gebiet noch gar keine Bauinteressenten gegeben“, erklärte Reinke dazu im Bauausschuss.

Mit der Veränderung des Bebauungsplanes werden die Grundstücke im „Sonnenhauspark“ einen größeren Zuschnitt bekommen. Desweiteren soll es auch möglich sein, dort künftig zweigeschossige Gebäude zu errichten, wie beispielsweise Stadtvillen oder Reihenhäuser. Dies hat der Bebauungsplan aus dem Jahr 2009 bislang nicht hergegeben. „Es wird somit für eine flexiblere Bebaubarkeit der Flächen gesorgt“, unterstrich Albrecht.

Unterdessen wurde mit der Vergabe der insgesamt 27 Baugrundstücke im Wohngebiet Werderstraße II begonnen. Aktuell gibt es 15 Kaufinteressenten, von denen 10 als junge Familien die Voraussetzungen für die Vergabe von städtischen Zuschüssen für den Grundstückserwerb erfüllen. Mit ihnen seien bereits die Verkäufe beschlossen worden, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Ab Januar beginnt freie Vermarktung

Bis zum Ende des Jahres werden bei der Grundstücksvergabe eben jene jungen Familien bevorzugt. „Ab Januar gehen die Grundstücke in den freien Verkauf, dann kommen auch die anderen fünf Interessenten zum Zuge“, nennt der Stadtpressesprecher die weitere Verfahrensweise.

Bis vor kurzem hatte es noch deutlich mehr Bewerber als Grundstücke für die Werderstraße II gegeben. „Einige sind jedoch mittlerweile abgesprungen“, so Zimmermann. Mit der Erschließung des Wohngebiets soll im kommenden Jahr begonnen werden.