Flechtingen/Morsleben l Die Rückschau von Mathias Weiß (parteilos), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flechtingen, war nicht sehr lang, denn der Diplom-Verwaltungswirt ist erst seit Mai 2015 im Dienst. Die Eindrücke der Monate nach seinem Dienstantritt schilderte er bei der jüngsten Sitzung in Morsleben. „Die Monate waren geprägt von Kennenlernen, Aneinanderherantasten und Beschnuppern“, beschrieb Weiß. Der Prozess sei – nach den Ausführungen des Bürgermeisters – naturgemäß noch nicht abgeschlossen. „Mit der Gründung der Verbandsgemeinde im Jahr 2009 haben wir ein Band geflochten, das die Mitgliedsgemeinden im Vergleich zu einer Einheitsgemeinde zwar die größtmögliche Freiheit gewährt, es wird aber – nach meinen Beobachtungen seit dem Amtsantritt – nicht immer gelebt“, schilderte er und ergänzte: „Die Mitgliedsgemeinden haben sich gebunden und sind von einander abhängiger geworden.“

Die Entscheidung in einem Gemeindeteil habe unmittelbar – auch wenn nicht immer direkt für alle spürbar – einen gewissen Einfluss auf die anderen Mitgliedsgemeinden. „Sie, sehr verehrte Ratsmitglieder, sind von den Einwohnern in dieses Gremium gewählt worden, um Entscheidungen für die Verbandsgemeinde zu treffen“, sagte Weiß und erinnerte an seine Ansprache zum Dienstantritt. Darin habe er die Ratsmitglieder gebeten, die Verbandsgemeinde als Ganzes zu sehen und um sie durch einen Blick über die Grenzen ihrer Mitgliedsgemeinden hinaus voranzubringen. Damit spielte er auf die jüngste Sitzung des Hauptausschusses an. Bei dieser Tagung ging es um die Finanzen, wobei eine heftige Debatte entbrannte. „Bei der ersten Lesung des Haushaltsplanes für 2016 habe ich erkennen müssen, dass noch immer alte Einstellungen dominieren“, so Weiß. Auch im Jahre fünf des Bestehens der Verbandsgemeinde würden die Interessen der einzelnen Gemeinden im Vordergrund stehen.

„Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich fordere nicht, dass Sie die Interessen, die Sie als gewählte Vertreter im Gemeinderat ihrer Mitgliedsgemeinde zurückstellen sollen. Ich möchte nur, dass Sie hier in diesem Gremium nicht ausschließlich für die Mitgliedsgemeinde votieren, der Sie am meisten zugeneigt sind. Das Gegeneinanderbuhlen der Mitgliedsgemeinden oder gar der geführte Kraftakt zwischen den Mitgliedsgemeinden, der Verbandsgemeinde und der Verwaltung muss aufhören!“, appellierte Weiß. Weihnachten sei die Zeit der Wünsche. Er habe nur einen Wunsch. „Ich wünsche mir, dass wir im Verbandsgemeinderat und in seinen Ausschüssen für die Verbandsgemeinde die bestmöglichen Entscheidungen treffen. Wenn jeder nur auf seinem Recht beharrt, werden wir auch in fünf Jahren noch nicht weiter sein als heute“, gab der Bürgermeister zu bedenken. „Sicherlich werden Entscheidungen auf uns zukommen, die uns Kopfschmerzen bereiten.“ Im Interesse des Fortbestandes und der Weiterentwicklung der Verbandsgemeinde sei es jedoch erforderlich, dass der Rat nach sachlichen und konstruktiven Diskussionen zu Entscheidungen kommt. „Auch wenn es dem einen oder anderen einmal weh tun wird. Wenn alle ein wenig vom Ich weggehen, wird es dem Wir gut tun und die Gemeinde voranbringen“, ist sich Weiß sicher. Er wünschte den Mitgliedern des Rates und deren Familien für den Jahreswechsel alles Gute. Für seine Worte bekam er in der Runde zustimmendes Klopfen.