Haldensleben l Neun Einsatzfahrzeuge besitzt die Freiwillige Feuerwehr Haldensleben und alle Neune wurden gestern Abend noch einmal genauestens inspiziert. „Das haben wir schon zu DDR-Zeiten gemacht und das soll auch in Zukunft so bleiben“, nennt Stadtwehrleiter Frank Juhl den Grund für die Überprüfung. Immer vor Silvester haben die Feuerwehrleute in Haldensleben ihre Einsatztechnik unter die Lupe genommen. „Damals hatten wir aber nur drei Fahrzeuge“, blickt Juhl zurück.

„Wir kontrollieren, ob alles funktioniert. Die Fahrzeugbeleuchtung zum Beispiel. Das bekommt man ja sonst während eines Einsatzes nicht so mit, wenn eine Lampe defekt ist. Daher nehmen wir uns am Silvester-Vorabend die Zeit dafür“, so der Wehrleiter weiter. Schließlich sei eine gepflegte Technik das A und O für den Ernstfall. Und wie schnell der eintreten kann, weiß Frank Juhl nur zu gut. Schon vor Jahresfrist nahmen die Silvesterfeiern der Kameraden ein abruptes Ende, als sie nach Althaldensleben gerufen wurden. Hier hatte vermutlich eine Silvesterrakete ein leerstehendes Wohnhaus in Brand gesetzt.

Elf Kameraden freiwillig in Bereitschaft

Erhöhte Alarmbereitschaft gebe es für Silvester dennoch nicht, meint er. „Das ist ein Tag wie jeder andere. Mal passiert etwas, mal passiert nichts.“ Elf Kameraden stehen allerdings für den Fall der Fälle bereit. „Viele sind verreist, da bin ich über jeden einzelnen froh, der hier ist“, weiß der Wehrleiter um die Schwierigkeiten bei der Einsatzbereitschaft. Auf seine elf Silvester-Kameraden kann er sich aber verlassen. „Da wird dann eben kein Alkohol getrunken. Das passt schon. Und einige können sowieso nicht richtig feiern, weil sie am nächsten Tag wieder arbeiten müssen“, erzählt Juhl auch aus eigener Erfahrung. Denn als Mitarbeiter des Haldensleber Stadthofs ist er selbst am Neujahrsmorgen ab 7 Uhr im Einsatz, um die Straßen der Stadt zu säubern.

Damit es eine einsatzfreie Silvesternacht wird, rät er, in den Häusern die Fenster und Dachluken geschlossen zu halten, bei Bedarf auch den Balkon aufzuräumen. Mülltonnen sollten zudem nicht direkt an der Hauswand stehen. „Dass ein Böller in die Papiertonne geworfen wird, ist ja keine Seltenheit. Aber die Tonnen sind jetzt randvoll, wurden vor drei Wochen das letzte Mal abgeholt. Da kann schnell mal was in Brand geraten. Und wenn dann die Tonne direkt am Haus steht...“, mahnt Frank Juhl zu besonderer Vorsicht.

Ebenso beim Silvesterfeuerwerk. Er warnt vor illegaler Pyrotechnik wie den sogenannten Polenböllern. „Ich kann nur zugelassenes Feuerwerk empfehlen. Sonst sind mal ganz schnell die Finger weg“, findet er drastische Worte.

Am Montag den 158. Einsatz gefahren

Auch wenn der Wehrleiter auf eine ruhige Silvesternacht hofft, garantieren kann er sie nicht. „Irgendwelchen Kleinkram gibt es immer“, weiß er. Und manchmal ist es eben auch nur ein Fehlalarm, für den die Feuerwehrleute zu Hause alles stehen und liegen lassen. Wie am vergangenen Montagabend, als die Brandmeldeanlage des Ameos Klinikums ausgelöst hat. „Da rücken wir dann mit einem kompletten Löschzug aus und bekommen noch Unterstützung aus Uthmöden und Satuelle. Schließlich wissen wir nie, was uns bei solchen Objekten erwartet. Es geht ja dann nicht nur darum, das Feuer zu löschen, sondern es müssen ja auch die Patienten in Sicherheit gebracht werden“, erklärt Juhl.

Der Einsatz am Montag war für die Haldensleber Kameraden übrigens der 158. in diesem Jahr. „So viele hatten wir noch in keinem Jahr. Da kann ich echt froh sein, dass bei so vielen Einsätzen die Kameraden nachts noch aufstehen, wenn sie alarmiert werden“, bedankt sich der Wehrleiter bei seinen Kameraden für deren Einsatzbereitschaft und bei ihren Familien für deren Verständnis.

Frank Juhl geht davon aus, dass es in Zukunft vielleicht noch mehr Alarmierungen geben könnte. Mit der Einführung der Rauchmelderpflicht zum 1. Januar seien die Leute für das Thema Brandschutz etwas mehr sensibilisiert, vermutet er und nennt als Beispiel den Einsatz in der Nacht zum 22. Dezember. In einem Wohnblock auf dem Süplinger Berg hatte ein Mann im fünften Stock sein Essen auf dem Herd vergessen. Doch Rauchmelder schlugen Alarm und andere Mieter informierten die Rettungsleitstelle, die wiederum die Feuerwehr alarmierte. „Rauchmelder retten Leben, das ist so. Auch wenn es dadurch zu mehr Fehlalarmen kommen könnte. Von mir aus hätte die Rauchmelderpflicht schon vor 20 Jahren eingeführt werden können“, unterstreicht der Feuerwehrmann.