Haldensleben l Gänse- oder Entenbraten, Karpfen oder auch Würstchen mit Kartoffelsalat - vielleicht eine Hochzeitssuppe mit Fleischklößchen vorweg? So in etwa sieht das Festessen vieler Deutscher an den Weihnachtstagen aus. Doch wie ist es eigentlich um die Vegetarier oder Veganer in Haldensleben an Weihnachten bestellt? Seit 2015 gibt es den Biomarkt Lebensquell in der Holzmarktstraße in Haldensleben. In den Regalen finden sich unter anderem Produkte wie Soja, Tofu, Seitan und andere Fleischersatzprodukte. Zudem ist das tägliche Mittagsangebot vegan, also ohne jegliche tierische Inhaltsstoffe wie Ei oder Milch.

Zum veganen Mittagessen kommt auch Familie Müller aus Haldensleben sehr gern. Sowohl Familienvater Christian als auch seine Frau Katrin, Tochter Mira (6) und Sohn Adrian (1) essen kein Fleisch. „Willst du mal ein Steak essen“, fragt Christian Müller während des Mittagessen seine Tochter Mira. Diese verneint vehement. „Dafür sterben doch Tiere!“, ermahnt sie ihren Vater. Daher gibt es bei Familie Müller auch ein veganes Festessen. „Bei uns gibt es Nussbraten aus verschiedenen Nüssen und Brot im Teigmantel, dazu Knödel und für Tochter Mira Erbsen statt Rotkohl“, blickt Mutter Katrin voraus. „Das dauert auch nicht lang – circa 45 Minuten bei 200 Grad “, erklärt die Mutter zweier Kinder. Christian Müller erinnert sich noch an das vergangene Weihnachtsessen. „Da gab es vegane Roulade aus Seitan.“ Seitan besteht aus Weizeneiweiß und hat eine fleischähnliche Konsistenz.

Anett Kosan vom Bioladen schätzt, dass etwa 25 Prozent ihrer Kunden auf Fleisch komplett verzichten. Eine dieser Kunden ist Sandra de Weert. Die Haldensleberin ernährt sich bereits seit zehn Jahren fleischlos und ihr Weihnachtsmenü steht bereits fest: „Bei uns gibt es Weihnachten Grünkohl, Rotkohl und Seitan-Ente, freut sie sich auf das Festessen. Da freut sich auch ihr Sohn Johann. Der Neunjährige verzichtete bis zur Schulzeit ebenfalls komplett auf Fleisch. „Ich esse hin und wieder mal Fleisch, aber nicht zu Haus“, betont der Schüler selbstbewusst. Auch vermisst Johann weder Bratwurst noch Schnitzel, seine Leibspeise sind nämlich Eierkuchen, wie er strahlend verrät.

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Vegane Kochkurse an der Volkshochschule

Auch Anke Kasner schaut regelmäßig im Bioladen vorbei. „Mein Sohn Franz isst vegan“, erzählt sie. Was sie ihrem Sohn an Weihnachten serviere, wisse sie aber noch nicht. „Er hat sich noch nicht entschieden, aber ich habe vegane Kochbücher und wähle daraus ein leckeres Rezept“, blickt Kasner voraus. Wie Anett Kosan erklärt, stehen immer mehr ihrer Kunden der fleischfreien Küche aufgeschlossen gegenüber. „Viele lehnen die Massentierhaltung aus ethischen Gründen ab, da die Würde des Tieres verloren geht“, sagt sie. „Bei unseren Großeltern hat es doch noch funktioniert“, fügt Stefan Kosan an, der auf die damals weniger fleischintensive Ernährung anspielt.

Dass vegetarisch und vegan im Trend liegen, stellt auch Andreas Göppler fest. Er leitet vegane Kochkurse – unter anderem bei der Volkshochschule Börde. „Ich habe mich in meiner Kindheit entschieden, mich vegetarisch zu ernähren“, verrät Göppler. Kürzlich leitete Göppler einen ausgebuchten veganen Weihnachts-Kochkurs in Haldensleben. Nussbraten mit Rotkohl, Knödeln und Maronensoße sowie panierter Räuchertofu mit Süßkartoffelpüree und Ofengemüse standen auf dem Speiseplan der 14 Teilnehmer.

„Vegan ist sprichwörtlich in aller Munde. Da war es nur richtig, dies nach Haldensleben zu tragen und Kurse mit dem Thema ‚veganes Kochen‘ anzubieten“, erklärt der Koch. In Haldensleben sieht Göppler aber noch etwas Nachholbedarf: „Mir sind kaum Möglichkeiten bekannt, in Haldensleben vegan essen zu gehen. Magdeburg ist da schon deutlich weiter“, sagt der Kochkursleiter. Göppler hat aber noch einen Tipp: „Pflanzliche Alternativen zu Fleisch und Milch finden sich mittlerweile in fast jedem Supermarkt.“ Denn, auch große Fleischfabriken wie „Rügenwalder“ hätten diesen Trend bereits erkannt und dementsprechend ihre Produktpalette erweitert.

Doch was isst ein veganer Koch eigentlich an Weihnachten? „Ganz einfach“, erklärt Göppler: „Relativ klassisch Rotkohl mit Klößen, dazu Maronensoße und einen Nussbraten“. Aber woraus besteht eigentlich Nussbraten? „Der besteht tatsächlich aus Nüssen. Walnüsse, Macadamias, Mandeln, ein paar Kräuter, und etwas Mehl“, verrät der Koch. Wer auch einmal vegan Kochen möchte, hat im kommenden Jahr wieder die Chance. Der nächste vegane Kochkurs von Andreas Göppler in der Kreisstadt steht unter dem Motto „Fit in den Frühling - leichte vegane Kost“. Dieser findet am 15. März von 18 bis 21 Uhr in der Berufsbildenden Schule Haldensleben statt. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 03904/72 40 72 60 bei der Volkshochschule Börde anmelden.