Haldensleben l In Zeiten, in denen vieles teurer wird, setzt der Abwasserverband „Untere Ohre“ Haldensleben auf Kontinuität. Seine Kunden müssen in den kommenden drei Jahren nicht mit einer Gebührenerhöhung rechnen. Die Verbandsversammlung hat beschlossen, die Preise bis zum Jahr 2023 stabil zu halten.

Somit werden bei der Mengengebühr weiterhin 1,55 Euro pro Kubikmeter fällig, die Grundgebühr bleibt bei 54 Euro pro Einwohner im Jahr. Für Verbandsgeschäftsführer Achim Grossmann ein positives Zeichen für die Wirtschaftlichkeit seines Verbandes. „Seit dem Jahr 2003 halten wir die Gebühren stabil. Wenn man mal betrachtet, wie andere Dienstleister seit dieser Zeit ihre Preise gestaltet haben, ist das schon ein deutliches Zeichen, dass wir ein gesunder Verband sind“, schätzt er stolz ein.

„Wir konnten in der Vergangenheit die Kosten immer wieder drücken“, begründet Grossmann die Stabilität. Besonders bei den Verbindlichkeiten des Verbandes wird dies deutlich. Die werden kontinuierlich abgebaut. „Im Jahr 1999 lagen wir bei umgerechnet rund 28,5 Millionen Euro. Dafür mussten wir allein 1,3 Millionen Euro an Zinsen zahlen“, blickt er zurück. Im Wirtschaftsplan stehen für Ende 2021 lediglich noch 7,75 Millionen Euro an Verbindlichkeiten, die Zinslast sinkt auf gut 241 000 Euro.

Jährlich Zwei Millionen Euro investiert

Investieren wird der Verband auch weiterhin vorrangig in seine Anlagen. „Trotz Preis- und Personalkostensteigerungen sind das jährlich etwa zwei Millionen Euro, die wir einsetzen – ganz ohne Kredite“, betont Grossmann. Gewinne dürfe der Verband nicht machen, Überschüsse werden wieder in das Anlagevermögen reinvestiert.

In diesem Jahr ist Geld in die Erneuerung des Sandfangs in der Anlage am Burgwall geflossen. Der stammte noch aus dem Jahr 1983. Die Kläranlage in Flechtingen hat 2020 eine neue mechanische Vorreinigung bekommen. Kanalbauarbeiten hat es in diesem Jahr kaum gegeben, lediglich im Wohngebiet Neuenhofer Straße in Haldensleben sind neue Leitungen verlegt worden. „Wir hatten mehr im Plan, aber die Stadt Haldensleben hat alles zurückgestellt“, sagt Grossmann mit Blick auf die bislang ungeklärte Situation in Bezug auf die Straßenausbaubeiträge.

Für 2021 stehen Kanalbauarbeiten in der Nordstraße in Althaldensleben, auf dem Süplinger Berg sowie in Hillersleben an. Zudem bekommt die Kläranlage einen zusätzlichen Gasspeicher und eine neuen Bandeindicker. Im Investitionsplan steht aber auch der Bau einer neuen Druckleitung von Groß Santersleben nach Vahldorf. Darüber sollen einmal 120 000 Kubikmeter Abwasser pro Jahr in die Kläranlage nach Hillersleben eingeleitet werden.

Bornsche Straße bleibt Sorgenkind

Gerade beim Kanalbau arbeitet der Abwasserverband eng mit der Stadt Haldensleben zusammen, Straßenausbaumaßnahmen werden koordiniert. Der Verband richtet sich dabei nach den Plänen der Stadt. Doch es gibt auch Projekte, die aus Sicht des Verbandsgeschäftsführers dringend angegangen werden sollten. Dringlichstes Vorhaben sei dabei die Bornsche Straße in Haldensleben, macht Grossmann deutlich.

„Der Regenwasserkanal läuft hier im Seitenbereich unter den Bäumen entlang und ist zum Teil eingebrochen“, sieht Achim Grossmann dringenden Handlungsbedarf. Das Problem: Wegen der Diskussion um die Straßenausbaubeiträge, deren Abschaffung der Landtag von Sachsen-Anhalt am vergangenen Dienstag rückwirkend zum 1. Januar 2020 beschlossen hat, ist der Ausbau der Bornschen Straße auf Eis gelegt worden. „Aber ohne die Stadt macht die Baumaßnahme wirtschaftlich keinen Sinn“, erklärt Grossmann. „Der neue Kanal muss zwingend in den Straßenbereich verlegt werden. Die alte Trasse ist wegen ihres Zustands nicht mehr nutzbar.“