Haldensleben l „Man muss nicht unbedingt ein Held sein, um ein Held zu sein.“ Diese Worte richtet Dieter Montag, der Leiter der Börde-Außenstelle des Weißen Rings, an Friedrich Edler.

Der Haldensleber ist am Montag im Landratsamt für „seinen beispielhaften Einsatz bei der Linderung der Not von Kriminalitätsopfern“ vom Bundesverband des Weißen Rings mit einer Ehrenurkunde und einer Medaille ausgezeichnet worden. Seit fünf Jahren arbeitet der Pfarrer im Ruhestand ehrenamtlich bei der Opferberatung.

Dieter Montag und sein Stellvertreter Manfred Knechtel halten große Stücke auf den 69-Jährigen. „Er überrascht uns immer wieder mit seiner Ruhe und Gelassenheit. Da können wir noch viel von ihm lernen“, lobt Montag.

Seit fünf Jahren ehrenamtlich dabei

Dieser ruhige Charakter sei es, der Friedrich Edler auch in besonders sensiblen Bereichen arbeiten lässt, so Montag weiter. „Er ist bei vielen unserer Fälle dabei, besonders dann, wenn es um Opfer von Straftaten geht, die im Frauenhaus Zuflucht gesucht haben“, berichtet Montag.

Als er vor seinem Ruhestand stand, da habe er ganz bewusst nach etwas gesucht, mit dem er anderen Menschen helfen kann, blickt Friedrich Edler zurück. Und sei dabei auf den bundesweit agierenden Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten gestoßen.

 „2011 wandte er sich damals mit den Worten an mich ,Herr Montag, ich bin Pfarrer im Ruhestand und möchte aber noch nicht ruhen. Ihre Arbeit interessiert mich und ich würde auch gern einmal anders helfen als in meiner aktiven Zeit als Pfarrer. Kann ich Sie unterstützen?‘“, erinnert sich auch Dieter Montag noch gut an den ersten Kontakt. Mittlerweile mag Montag auf den Haldensleber nicht mehr verzichten, der nach eigenen Worten „beim Weißen Ring richtig schön aufgenommen“ worden ist.

Ruhestand führt zu neuer Aufgabe

„Wenn ich über einen Fall informiert werde, dann suche ich schnell den persönlichen Kontakt zum Betroffenen“, erzählt Edler von seiner Arbeit. „Meist höre ich dann lange zu und merke, wie dem Menschen dabei viele Steine vom Herzen fallen und er zur Ruhe kommt. Und dann kostet es mich immer wieder Überwindung, um den Wust von Formularen abzuarbeiten. Das ist mir etwas unangenehm, aber auch das muss sein.“

Edler betont, dass er und seine Kollegen ausschließlich Vermittler seien, keine Fachleute. „Wir stellen nur die Kontakte her, zu Psychologen oder zu Anwälten oder was gerade benötigt wird. Wir helfen dabei, die Menschen wieder auf die richtige Bahn zu bringen.“

Denn häufig würden die Opfer einer Straftat mit ihren Problemen, Ängsten und Sorgen allein gelassen, während sich um die Täter viel besser gekümmert werde, meint er.

Helfer vermitteln Kontakte

Allerdings würden aber noch viel zu wenige Betroffene die Unterstützung des Weißen Rings suchen, stellt Dieter Montag fest. Das könne daran liegen, so räumt er ein, dass der Verein eben noch nicht den Bekanntheitsgrad habe, den sich der Außenstellenleiter wünscht.

Gerade einmal um 24 Fälle hätten sich die sieben ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins im vergangenen Jahr gekümmert, sagt er. „Und das bei mehr als 300 Gewalttaten im Landkreis Börde.“

Die Kreisverwaltung werde den Verein unterstützen, versichert Landrat Hans Walker, in dessen Büro die Ehrung Edlers stattgefunden hat. „Wir werden den Weißen Ring auf unserer überarbeiteten Internetseite verlinken“, ergänzte Kreis-Pressesprecher Uwe Baumgart.

Kreis will Weißem Ring helfen

Edler, der im Vorfeld nichts von der Auszeichnung gewusst hatte, geht in seinem Ehrenamt auf. Und das trotz negativer Erfahrungen. „Ich würde auch gern die Gerichtsbegleitung übernehmen und den Menschen beistehen. Aber das wird von den Richtern oft nicht gewünscht“, berichtet er.

Und der Pfarrer im Ruhestand ist auch stolz auf sich selbst. „Ich hätte es mir nie träumen lassen, einmal mit Polizisten zusammenzuarbeiten – wegen des Verhältnisses zwischen der Polizei und der Kirche zu DDR-Zeiten. Doch das habe ich überwunden und das macht mich sehr glücklich!“