Haldensleben l Auf den ersten Blick wirkt der Job simpel: Immer, wenn an Bahnsteig 2 ein Zug hält, muss der Sicherheitsposten eine Absperrkette entfernen, die Fahrgäste durchlassen und die Kette wieder einhängen. Das passiert etwa einmal die Stunde.

Der Anlass ist allerdings ernst. Laut Sprecherin Erika Poschke-Frost hat die Deutsche Bahn festgestellt, dass Reisende sich an dieser Stelle „verkehrswidrig und unverantwortlich verhalten“. Das mache die zusätzliche Sicherheitsvorkehrung notwendig.

Reisende müssen Gleise queren

Der Knackpunkt: Der Bahnsteig von Gleis 2 ist sehr schmal. Um ihn zu erreichen, müssen Fahrgäste vom Bahnsteig 1 aus zu Fuß die Gleise überqueren. Dafür gibt es einen ebenerdigen Übergang. Bisher fand sich an dieser Stelle nur ein Schild mit dem Hinweis „Zugverkehr beachten“. Jetzt gibt es den Reisendensicherer und ein zweites Schild. Darauf steht: „Das Betreten des Bahnsteigs 2 ist erst nach Halt des Zuges und nur zum Ein- und Aussteigen gestattet“. Auf diese Weise soll laut Erika Poschke-Frost gewährleistet werden, dass „sich kein Reisender in Gefahr bringt“.

Sie betont explizit, dass die Sicherungsvorkehrung nichts mit dem Vorfall in Frankfurt am Main zu tun habe. Dort hatte ein Mann ein Kind und dessen Mutter vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der Junge starb.

Durch Bundesamt angeordnet

Am Haldensleber Bahnhof ist es laut Erika Poschke-Frost in dem betreffenden Bereich nicht zu Unfällen oder gefährlichen Situationen gekommen. Trotzdem hat das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) die zusätzliche Sicherung angeordnet. Dessen Sprecherin Heike Schmidt informiert: „Nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) sind Eisenbahnunternehmen uneingeschränkt dafür verantwortlich, ihren Betrieb sicher zu führen.“ Das Eisenbahn-Bundesamt wiederum überwache, ob dieser Verantwortung nachgekommen wird.

Weiter berichtet Heike Schmidt: „Das EBA hat den Bahnhof Haldensleben in Stichproben kontrolliert.“ Dabei habe sich herausgestellt, dass die Maßnahmen vor Ort „zeitweise nicht“ dem erforderlichen Sicherheitsniveau entsprachen. Deshalb habe das Bundesamt angeordnet, als Sofortmaßnahme einen Reisendensicherer einzusetzen.

Bahn-Sprecherin Poschke-Frost betont, dass der Überweg über die Gleise „allen Regeln entspricht“. Der Reisendensicherer werde aber so lange im Einsatz sein, bis eine „dauerhafte Lösung gefunden ist“. Mit der neuen Aufgaben hat die Bahn ein Unternehmen betraut. Jeden Tag und bis in die Nacht hinein ist ein Mitarbeiter vor Ort.