Colbitz-Letzlinger Heide/Aachen l Die Überraschung war groß, als die Mitglieder der Bürgerinitiative „Offene Heide“erfuhren, dass ihr Engagement mit dem Aachener Friedenspreis gewürdigt wird. Die Preisverleihung erfolgte am 1. September, dem Weltfriedenstag, in Aachen. Einige Mitglieder der Bürgerinitiative nahmen die Auszeichnung vor Ort entgegen.

Preis seit 1988 verliehen

Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 verliehen, und zwar an „Frauen, Männer oder Gruppen, die von unten her dazu beitragen, der Verständigung der Völker und der Menschen untereinander zu dienen sowie Feindbilder ab- und Vertrauen aufzubauen“. Die Verleiher des Friedenspreises sind ein Verein, zu dem rund 400 Mitglieder gehören, sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen, auch die Stadt Aachen. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

Wofür die Bürgerinitiative „Offene Heide“ im fernen Aachen mit dem ersten Preis ihres Bestehens geehrt wurde, erklärte Georg Restle in seiner Laudatio. Der Chef des ARD-Politmagazins Monitor sagte: „Die Bürgerinitiative ´Offene Heide` bekommt den Aachener Friedenspreis stellvertretend für die Vielen, die sich in Sachsen-Anhalt oder der Eifel, auf Ostermärschen oder Friedenscamps mit erstaunlicher Beharrlichkeit für eine andere Politik einsetzen, die Frieden radikal denkt; weil er nur so erhalten werden kann.“

Etwa 100 Aktive

Die Bürgerinitiative „Offene Heide“ kämpft mit etwa 100 Aktiven seit 23 Jahren für eine ausschließlich friedliche Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide. Einmal im Monat laden sie zum „Friedensweg“ ein. Auf Wegen um und in der Colbitz-Letzlinger Heide machen sie ihr Anliegen deutlich. Doch von ihrem Wunsch ist die Wirklichkeit weit entfernt. Derzeit wird die Bundeswehrübungsstadt „Schnöggersburg“ in der Heide errichtet. In dieser Geisterstadt sollen Militärs aus ganz Europa Kriegseinsätze trainieren. Die Baukosten werden derzeit auf rund 140 Millionen Euro geschätzt. Das stößt der Bürgerinitiative sauer auf.

„Immer wieder fasziniert uns die Schönheit und Weite der Colbitz-Letzlinger Heide“, sagte Bürgerinitiativsprecher Helmut Adolf in seiner Aachener Dankesrede, „diese Landschaft sehen wir lieber in einem Naturpark als für die Vorbereitung von Kriegen missbraucht.“ Unter der Heide lagern zudem gut 3,3 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser von höchster Qualität, damit werden rund 450 000 Menschen versorgt.

Im Rückblick auf die vergangenen 23 Jahre hat sich bei der Bürgerinitiative „Offene Heide“ offenbar ein Stück weit Frust eingeschlichen. „Wo bleibt die nächste Generation“, fragte Helmut Adolf. Es bleibe immer noch die Ausnahme, dass Familien bei Aktionen beispielsweise auf dem Truppenübungsplatz in zwei oder drei Generationen teilnehmen.

Außerdem beklagte er, dass der Bürgerinitiative zum wiederholten Mal von der Magdeburger Staatskanzlei die Teilnahme am Festumzug beim Sachsen-Anhalt-Tag verwehrt wurde. Das Motto sollte lauten: „Bundeswehr trifft Menschen“.

Initiative hält Geist wach

Doch auch gerade wegen dieser wenig ermutigenden Erfahrungen wurde der Bürgerinitiative der Aachener Friedenspreis verliehen. Laudator Georg Restle betont: „Initiativen wie die `Offene Heide` werden oft belächelt, für naiv gehalten, nicht ernst genommen. Aber so klein diese Initiativen sein mögen, so wichtig sind sie für diese Republik. Weil sie den Geist wach halten, der eben nicht vor einer militärischen Logik kapituliert, die weder im Irak, noch in Afghanistan, noch in Libyen, noch in Syrien Frieden geschaffen hat.“

Neben der Bürgerinitiative „Offene Heide“ wurden auch türkische „Wissenschaftlerinnen für den Frieden“ geehrt. Das Preisgeld will die „Offene Heide“ zur „Verschönerung des Außenauftritts“ verwenden. Doch trotz der Ehrung gibt sich Helmut Adolf noch längst nicht zufrieden. „Der wirklich große Preis bleibt noch aus: Der dauerhafte Frieden auf der Welt“.