Haldensleben l Bedauerlich, aber notwendig – so lässt sich die aktuelle Stimmungslage der Einzelhändler in Haldensleben aktuell am ehesten beschreiben. Bis auf wenige Ausnahme müssen die Geschäfte von heute an voraussichtlich bis zum 11. Januar schließen. Für die einen ein kleiner Segen, für die anderen, besonders die im klassischen Weihnachtsgeschäft, eher ein Fluch.

Für viele Einzelhändler bedeutet der LPockdown zunächst einmal viel mehr Arbeit. Die Einkäufe für den Gabentisch, für die die Kunden Anfang der Woche normalerweise noch zehn Tage Zeit gehabt hätten, haben sie nun größtenteils in den vergangenen beiden Tagen erledigt.

Stehen unter Zeitdruck

Damit ist Karin Niemann aber zufrieden. „Natürlich stehen auch wir jetzt ein wenig unter Zeitdruck“, sagt die Inhaberin der Boutique am Marktplatz. Besonders die Herren der Schöpfung hätten sich Montag und Dienstag verstärkt in ihrem Geschäft eingefunden. „Sonst kommen sie immer kurz vor dem Fest, dieses Jahr aber schon eher. Die Männer denken mit“, meint sie schmunzelnd.

Seit Ausbruch der Pandemie bestimme Corona auch den Takt im Handel, so ihre Erfahrung. „Ich warte zum Teil immer noch auf Ware, die bereits im Frühjahr kommen sollte. Aber die Hersteller haben bis heute noch Lieferschwierigkeiten wegen der Pandemie“, so Karin Niemann.

Ein wenig Zeit zum Verschnaufen

Relativ gelassen sieht Goldschmied Hartwig Dorendorf die Lage. „Das klassische Weihnachtsgeschäft gibt es bei mir so gut wie gar nicht mehr, das ist über die Jahre zurückgegangen“, erzählt er. Die Leute würden Schmuck und Uhren überwiegend über das Internet kaufen. „Zu mir kommen die Kunden, um die Sachen ändern oder gravieren zu lassen“, so Dorendorf weiter. Deshalb habe er in der Werkstatt genügend zu tun, auch im Lockdown. „Ich darf zwar nichts verkaufen, aber Serviceleistungen anbieten.“

Ein wenig Zeit zum Verschnaufen haben auch die Mitarbeiter des Hagebaumarkts. „Wir haben das ganze Jahr durchgezogen, jetzt bekommen wir ein wenig Ruhe“, erklärt Marktleiter Lars Walkowiak. Kurzarbeit stehe erst einmal nicht zur Debatte. „Wir bauen Überstunden ab beziehungsweise Minusstunden auf. Auch Urlaub nehmen die Kollegen jetzt“, weiß er.

Im Frühjahr durfte der Baumarkt noch offen bleiben. „Da hatten wir so etwas wie Einkaufstourismus, vor allem aus Niedersachsen“, erzählt Walkowiak. „Das jetzt ist daher auch für uns eine völlig neue Situation.“

Pyrotechnik abbestellt

Wegen des Verkaufsverbots für Pyrotechnik macht sich der Marktleiter darüber wenig Gedanken. „Das wäre jetzt im Zulauf, ist aber größtenteils abbestellt. Und wenn doch etwas kommen sollte, verweigern wir die Annahme. Wir können es ja nicht lagern“, zeigt er sich konsequent.

Dass nun auch die Baumärkte ab heute komplett schließen müssen, stimmt Christine Appel schon traurig. „Es ist das erste Mal, dass wir schließen müssen. Das ist schon sehr schlimm. Aber auch notwendig“, meint sie. Im Frühjahr sei ihr Baumarkt noch von der Schließung verschont geblieben. „Zum Glück, das ist unsere Hauptsaison“, erklärt sie.

Auch der Zoomarkt in ihrem Geschäft wird geschlossen. „Unsere Kunden haben sich meist schon im Vorfeld mit allem Nötigen eingedeckt. Den Zoomarkt zu öffnen, ist aus organisatorischen Gründen nicht machbar.“

Überstunden abbauen

Für die Belegschaft heißt die Schließzeit, Urlaub zu nehmen und Über- beziehungsweise Mehrstunden abzubummeln. „Sicherheitshalber habe ich aber auch Kurzarbeitergeld beantragt“, blickt Christine Appel ein wenig sorgenvoll in die Zukunft, hofft aber darauf, dass am 11. Januar der Markt wieder öffnen kann. Und trotz aller Widrigkeiten – eine Corona-Prämie war für die Mitarbeiter drin.

Warteschlangen vor den Geschäften

Der Wochenmarkt sei am Dienstag gut besucht gewesen, berichtet ein Mitarbeiter am Einlass: „Die Leute sind heute viel unterwegs. Aber das ist ja immer so, wenn die Geschäfte länger geschlossen sind.“ Ab Donnerstag seien nur noch Lebensmittel am Markt erhältlich. Wie es dann nächste Woche weitergehe, könne man noch nicht sagen. Dennoch dürfen Wochenmärkte stattfinden.

Was für die Händler in den vergangenen beiden Tagen mehr Stress bedeutet, fordert auch von den Kunden etwas mehr Geduld als sonst üblich. Sie müssen warten, vor einigen Geschäften bilden sich Schlangen. Menschen mit Taschen, in denen sie Weihnachtsschmuck und Geschenkpapier, aber auch das heiß begehrte Toilettenpapier tragen, hetzen durch die Straße.

Schlimmer vorgestellt

Entschleunigt wird die ganze Situation nur durch das Schlangestehen vor Geschäften. Sogar vor dem Bäcker oder dem Fleischer heißt es warten. Zwei Damen unterhalten sich gerade zur aktuellen Situation. „Ich hätte es mir heute schlimmer vorgestellt, aber gestern waren schon viele Leute unterwegs“, sagt die eine. Die andere ergänzt: „Normal braucht man vielleicht zehn Minuten, um ein Brot zu kaufen. Heute muss man vor dem Geschäft warten. Das ist nervig.“

Ein bisschen Entspannung bringen die Schüler der „Gebrüder Alstein“-Schule mit der „Weihnachtsbaum-Schmuckaktion“ des Vereins „Wir für euch“ in die Situation. Lehrerin Anke Horst meint: „Freiwillig setze ich mich dem Weihnachsstress nicht aus.“ Ihre Weihnachtsgeschenke hat sie schon alle Zuhause. „Ich bestelle da lieber“, erklärt sie. Sie findet es jedoch schade, dass gerade die kleinen Läden, die das Weihnachtsgeschäft jetzt so gut brauchen könnten, schließen müssen.

Viel Trubel herrscht ebenfalls im Geschäft SB Lünning in der Hagenpassage. Dort zeigt sich Sabine Schweigel, die Marktleiterin, zufrieden. Sowohl über den Andrang der Kunden, als auch darüber, dass sie ihre Weihnachtsgeschenke bereits alle Zuhause hat. „Es wird wirklich noch einmal alles querbeet von Elektrogeräten bis hin zu Kleidung“, erzählt sie. Und die Haldensleber scheinen sich doch noch einmal Zeit zum Schauen und Bummeln zu nehmen, wenn man sie etwas länger beobachtet.