Haldensleben l Es war für viele eine Schocknachricht, als die Bundesregierung am Mittwoch verkündete, dass Großveranstaltungen bis zum August abgesagt werden. Das betrifft das Gertrudium Anfang Juni, aber auch das Altstadtfest Ende August. Was soll das für ein Sommer werden, so ganz ohne Veranstaltungen? Was wird aus den Dorffesten? Fragen, die erst einmal in der Schwebe sind.

Im sozialen Netzwerk Facebook überschlugen sich bereits am Mittwochabend die Kommentare. Viele bedauerten es, dass das Altstadtfest in diesem Jahr nicht stattfindet. 28 Jahre lang war es das größte Fest der Stadt, das Ende August immer Tausende Besucher zu einem dreitägigen Programm nach Haldensleben lockte.

Stadtrat sollte beschließen

„So wie sich die Lage darstellt, wird es in diesem Jahr weder Gertrudium noch Altstadtfest geben können“, schreibt Sabine Wendler auf Volksstimme-Anfrage. „Ich bin genau so traurig wie viele Bürger, dass damit neben unzähligen kleineren Veranstaltungen auch die beiden größten Feste der Corona-Krise zum Opfer fallen.“ Noch am Vortag hatte die Verwaltung Beschlussvorlagen für den Stadtrat vorbereitet, um entscheiden zu lassen, ob die Veranstaltungen grundsätzlich weiter vorbereitet werden sollen. „Das Veranstaltungsverbot bis zum 31. August nimmt uns nun die Entscheidung ab. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir im nächsten Jahr unseren Bürgern wieder attraktive Veranstaltungen bieten können“, schreibt Sabine Wendler.

Während die Veranstalter mit den Absagen beschäftigt sind, atmen Haldenslebens Innenstadthändler auf. Denn die Bundesregierung gab auch bekannt, dass Läden bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen dürfen. Die Hagenstraße ist damit ab Montag fast wieder im Normalzustand.

„Die Gewerbetreibenden sind glücklich, dass sie ihre Läden wieder öffnen dürfen“, sagt Stefan Oldenburg, Vorsitzender des Vereins „Wir für euch“, in dem viele Haldensleber Händler organisiert sind. Noch gibt es keine genauen Angaben zu den Sicherheitsvorkehrungen in den Geschäften, aber Stefan Oldenburg ist sich sicher, dass die Händler alles umsetzen werden, was verlangt wird. „Hauptsache ist, dass erst einmal wieder geöffnet werden kann“, sagt er.

Das Beste draus machen

Dass die Kunden nun aufgrund der Kontaktbeschränkungen erst einmal ausbleiben, ist laut dem Vereinsvorsitzenden nicht zu befürchten. „Der Regionalmarkt ist trotz der Corona-Pandemie gut gefüllt und die Menschen bewegen sich in der Innenstadt“, sagt er. Man müsse nun sehen, wie sich die Situation entwickelt und das Beste daraus machen.

Das hat auch Ursula Fricke, Inhaberin des Bücherkabinetts Fricke in der Hagenstraße, vor. „Wir haben bereits eine Plexiglasscheibe an der Ladentheke angebracht“, erzählt sie. Auch Desinfektionsspray, Handschuhe und Mundmasken hat sie bereits besorgt. Hinter den geschlossenen Ladentüren ging die Arbeit schließlich weiter. „Wir sind erleichtert über die Öffnung, aber es bleibt ein mulmiges Gefühl“, sagt Ursula Fricke. Man müsse die Kunden nun zurechtweisen, wenn die Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten werden – auch das müsse man als Gewerbetreibender erst lernen.

Auch das Team vom Stoffladen „Nähvada“ kann ab Montag wieder öffnen. „Wir werden wohl immer nur zwei Personen gleichzeitig in den Laden lassen“, sagt Inhaberin Andrea Oelze. Nach wie vor sei die Nachfrage nach Mundmasken, die sie und ihr Team derzeit im Akkord nähen, sehr groß. Die Bundesregierung empfahl am Mittwoch „dringend“, im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen eine Mundmaske zu tragen.

Nicht alle atmen auf

Doch nicht alle Gewerbetreibenden können aufatmen, denn Gastronomien müssen weiter geschlossen bleiben. „Ich kann es durchaus verstehen, aber die Gastronomen haben kaum Rücklagen und profitieren nicht von den Hilfspaketen der Bundesregierung“, sagt Sascha Oldenburg. Er ist Inhaber des Hotels und Restaurants Villa Lilo und betreibt Kantinen im Mehrgenerationenhaus EHFA sowie am Südhafen. „Selbst wenn wir jetzt öffnen könnten, können wir ja keine Besucherströme erwarten“, sagt der Gastronom. „Wir können im Herbst vielleicht wieder mit normalen Zahlen rechnen.“ Die Sommersaison ist damit dahin.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) fordert ein sofortiges Hilfspaket für Gastgewerbe. Nur so ließe sich eine Pleitewelle nie gekannten Ausmaßes verhindern. „Es ist eine unsagbare Katastrophe“, sagt auch Nils Todtenhaupt, der zwei Eventfirmen hat und das Schlossrestaurant in Hundisburg betreibt. Er hoffe, dass der Betrieb in letzterem bald wieder teilweise starten kann. „Alle Veranstaltungen sind abgesagt, Hochzeiten werden nicht stattfinden. Das kann auch Spätfolgen für das Schloss haben“, sagt er. Er gehe nicht davon aus, dass es ein Hilfspaket für Gastronomen geben wird. Kredite sieht er nicht als Lösung: „Wie lange soll ich diese denn aufnehmen und wer soll das jemals abbezahlen?“

Im Bereich Eventmanagement sieht es noch schlimmer aus. „Ich habe noch nie so perspektivlos in die Zukunft geblickt“, sagt Todtenhaupt. Man könne derzeit nicht einmal für September planen, weil keiner weiß, wie die Lage dann aussieht. Mit acht Wochen Vorlauf müsse man große Veranstaltungen planen, doch er wisse nicht, ob es die Firma noch acht Wochen lang schafft.

Außerdem gibt der Eventmanager und Gastronom zu bedenken, dass nach der Corona-Pandemie die Angst der Menschen vor großen Ansammlungen bleiben könnte. Damit würden die Kunden ebenfalls ausbleiben – eine Zukunft ohne Gewissheit.