Haldensleben l „Wir können nicht weitermachen wie bisher“, sagt Marco Ladewig, Schulleiter des Professor-Friedrich-Förster-Gymnasiums in Haldensleben. Die Bundesregierung hat entschieden, dass die Abschlussklassen zuerst wieder unterrichtet werden sollen – unter Sicherheitsvorkehrungen. Einen Schulalltag wie vor der Corona-Pandemie wird es jedoch auf lange Sicht nicht geben.

Ab Donnerstag starten am Gymnasium 70 Abiturienten wieder mit dem Lernen. Dabei haben die Prüfungsfächer Vorrang, wie Marco Ladewig sagt. Die Zeit müsse nun intensiv genutzt werden, denn ab dem 3. Mai starten die Prüfungen für die Abiturienten. Dann gilt es, für vier schriftliche Prüfungen und eine mündliche vorbereitet zu sein.

„Wir haben einen Hygieneplan aufgestellt“, sagt der Schulleiter. So sollen maximal acht Schüler in einem Raum unterrichtet werden und dabei mindestens 1,50 Meter Abstand zueinander halten. Da die Schüler die Gruppen jedoch aufgrund der unterschiedlichen Fächerkombination wechseln müssen, werden die Tische häufiger desinfiziert.

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„Wir werden die Schüler zu den Abstandsregelungen belehren und sind darauf angewiesen, dass sie diese auch umsetzen“, sagt Marco Ladewig. Er finde es „bedauerlich“, dass für die Schulen keine Mundschutzpflicht festgelegt wurde. Er könne die Schüler nicht zwingen.

Homeoffice bis Sommer

Wenn schrittweise die jüngeren Jahrgänge zurück in die Schule kommen, wird der Platz eng. „Beim Lernen auf Abstand gehen uns irgendwann die Räume aus“, so Ladewig. Er gehe davon aus, dass die Sekundarstufe I – also die Klassen 5 bis 9 – bis zu den Sommerferien im Homeoffice unterrichtet werden muss. „Vielleicht wird es auch eine Mischung aus Homeschooling und Präsenz im Klassenraum“, sagt er. Zu dem Platzproblem gesellt sich das Personalproblem. Es wird empfohlen, Lehrer über 60 Jahren erst einmal im Homeoffice zu belassen. Doch für die reduzierten Klassenstärken benötigt es mehr Lehrer. „Das wird eine Herausforderung“, so Ladewig.

Doch auch bei den jüngeren Klassenstufen muss behutsam wieder gestartet werden. Klassenarbeiten, die in diesen vier Wochen auf dem Plan standen, können dann nicht nacheinander abgehandelt werden. „Wir müssen die Schüler erst einmal wieder auf ein Lernniveau bringen“, erklärt er. Denn viele Schüler, die vor der Pandemie Schwierigkeiten beim Lernen hatten, könnten nun weiter zurückgefallen sein. Ebenso liege ein Augenmerk auf versetzungsgefährdeten Schülern.

Das bedeutet aber auch, Lehrpläne umzugestalten. So könnte der Schulstoff mit in die höheren Klassen getragen werden, damit wichtige Themengebiete nicht gänzlich auf der Strecke bleiben. „Von den Lehrplänen, die wir bis jetzt hatten, können wir uns verabschieden“, sagt auch Pia Kampelmann, Leiterin der evangelischen Sekundarschule auf dem Süplinger Berg. Nun müsse man gerade für die jüngeren Klassen, die noch sehr viel länger Zuhause bleiben, kreativ werden. „Die Schüler können ein englisches Frühstück zubereiten und ein Foto davon senden“, beschreibt die Schulleiterin. Auch die zehnten Klassen der Sekundarschule starten ab dem kommenden Donnerstag wieder in den Schulalltag. Dabei werden die beiden Abschlussklassen in die Sporthalle und die Cafeteria verfrachtet, um den Mindestabstand zwischen den Schülern zu gewährleisten.

Masken im Schulalltag

Der Anblick von Schülern und Lehrern wird dann ungewohnt sein, denn die Schulleitung hat eine Maskenpflicht auf den Plan gerufen. „Wir haben die Schüler aufgerufen, sich derartige Masken zu besorgen oder zu nähen. Wir haben aber auch immer genügend in Reserve“, sagt Kampelmann. Das Kollegium sei kreativ geworden und habe Masken genäht.

Doch nicht nur die Abschlussklassen starten mit dem Unterricht, auch die Viertklässler sind ab Montag, 4. Mai, wieder zurück im Geschehen. In der Gebrüder-Alstein-Grundschule werden die 48 Schüler dann in Zehnergruppen aufgeteilt, wie Schulleiter Michael Blaschke erzählt. Um den Kindern die Corona-Regeln zu verdeutlichen, wird spielerisch gearbeitet. „Wir werden beispielsweise einen Zollstock für die Abstandsregelung von zwei Metern in den Unterricht mit einbeziehen“, erzählt er. Auch eine Trillerpfeife soll zum Einsatz kommen, um die Kinder auf die Abstandsregeln vorzubereiten.

„Der erste Tag sollte allerdings den Kindern gehören“, so der Schulleiter. Nicht jedem Kind sei es im Homeoffice gut gegangen, nun sei vor allem das Miteinander wichtig. Auch die Kleinen sollen Mundmasken tragen, um andere vor dem Tröpfchenauswurf zu schützen.

Für die Zukunft denkt der Schulleiter über einen wöchentlichen Wechsel der Jahrgänge nach. So könnten beispielsweise die Klassen 1 und 2 in der einen Woche im der Schule unterrichtet werden, während die Klassen 3 und 4 im Homeoffice verbleiben. In der darauffolgenden Woche wird dann gewechselt. „Man muss sehen, ob das praktikabel ist“, sagt er.

Die ABC-Schützen sieht der Schulleiter nicht gefährdet, auch wenn sie das zweite Halbjahr zum größten Teil Zuhause verbringen werden. „Wir sind gut aufgestellt, die Schüler lernen fleißig weiter“, sagt er.

Alle Schulleiter betonen, dass nun sehr viel Kreativität gefragt sei. Und dass Homeschooling mit digitalen Mitteln weiterhin eine große Chance sei.