Piplockenburg/Mannhausen l „Wir haben hier bei uns die Graugans, die Saatgans und die Blässgans, aber es kommen bei uns auch andere Arten, wie die Kurzschnabelgans, die Zwerggans und die Rothalsgans vor“, zählte Ranger Wolfgang Sender auf. Er führte am Freitagabend die Tour von der Gaststätte in Piplockenburg bis zur Flachwasserzone.

Eine Weißwangengans haben die Naturschützer – nach den Ausführungen von Sender – am vergangenen Wochenende gesichtet. „Auch die Zwerggans ist zum Beispiel eine sehr stark bedrohte Art. Davon gibt es auf der Welt nur noch einige tausend Exemplare. Wir hatten das Glück, dass wir schon einzelne Exemplare in diesen Gänsescharen beobachten konnten“, sagte der Vogelexperte. Sender packte ein Stativ und ein Spektiv mit einer 36-fachen Vergrößerung aus, um die Gänse genau auf die Federn zu gucken und sie zuordnen zu können.

Holzhäuschen zum Beobachten

Auf dem Weg entlang des Ufers des Mittellandkanals berichtete der Ranger über die Entstehung der Flachwasserzone, die mit dem Kanal verbunden ist. Angeln in diesem Bereich ist am Kanal – auf der Seite des Biotops – streng verboten, denn in der Flachwasserzone leichen die Fische. Wegen dem starken Schiffsverkehr und der Verdrängung des Wassers hätte der Fischleich auf den Steinen keine Chance. Wenn die Fische eine gewisse Größe erreicht haben, ziehen sie wieder zurück in den Kanal. „Die Petrijünger profitieren auch von dieser Naturschutzmaßnahme“, betonte der Ranger. Er zeigte auf drei Säulen einer Wehranlage: „Das ist eine Vorsichtsmaßnahme. Schon zwei Mal gab es eine Havarie, bei der zwei Frachter zusammen gestoßen sind und Schadwasser ausgetreten war. Dann wird automatisch dieses Wehr geschlossen.“

Bilder

Es hat sich bei Tierfreunden herum gesprochen, dass die Beobachtungshütte ein idealer Standort ist, um den Gänseeinflug mit zu erleben. Gäste kommen nicht nur zu den Führungen, sondern auch an anderen Tagen und vor allem an den Wochenenden. Weil das Interesse so groß ist, hat die Naturparkverwaltung einige Meter von der ersten Hütte eine zweite aufgebaut.

Gerit Knake und Jörg Brzoza aus Haldensleben erzählten: „Wir sind nicht zum ersten Mal im Drömling. Wir sind oft in der Natur unterwegs, um Tiere zu beobachten. Es ist faszinierend. Wir machen das sehr gern, weil es uns entspannt.“

Seeadler holt sich kranke Tiere

Die Gänse fliegen mittags raus zur Futtersuche und kommen abends wieder. „Wenn aber ab November die Jagdzeiten beginnen und die ersten Schüsse fallen, dann kommen die Gänse mittags nicht mehr und fliegen erst zurück, wenn die Dämmerung so weit fortgeschritten ist und sie vor den Kugeln sicher sind“, weiß der Vogelexperte. Es passiert aber immer wieder, dass Gänse angeschossen werden. „Am nächsten Morgen, wenn die Schusswunde sich entzündet hat, können diese Gänse mit ihren Familien nicht starten. Das ist dann die Zeit der Seeadler. Sie kommen und holen sich die kranken Vögel“, schilderte Sender. Der Seeadler sei der „Gesundheitspolizist“.

Von Nachteil sei, dass bei der Jagd bleihaltige Munition eingesetzt wird, und der Seeadler das Blei in seinem Verdauungstrakt aufnimmt und so Spuren vom Blei in seine Blutbahn gelangen. „Bei einer gewissen Konzentration hat der Seeadler eine Bleivergiftung und ist nicht mehr in der Lage, selbst gesunde Beute zu schlagen“, weiß Sender. Deshalb würden Adler, die vorgeschädigt sind, oft an Straßenrändern auf totgefahrene Tiere als Nahrung warten. Weil die Seeadler auf einer Straße mit schnellen Autos dann nicht mehr so schnell reagieren können, werden sie selbst zum Opfer.

Die Beobachtungsholzhäuschen stehen immer für Naturfreunde offen. Wer eine fachkundige Führung möchte, kann Kontakt aufnehmen bei der Naturparkverwaltung unter Telefon 039002/850 11.