Hundisburg l Zwei Jahre lang haben Professoren und Mitarbeiter der Technischen Universität (TU) Dresden gemeinsam mit weiteren Projektpartnern wie dem Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt geforscht. Das Thema war der „Heißkalkmörtel“, der den meisten Laien wohl zunächst einmal nichts sagen dürfte.

Der Oberbegriff umfasst trocken gelöschte Kalke, denen Wasser und Sand zugegeben wird und die unmittelbar danach hohe Temperaturen von bis zu 300 Grad Celsius im Mörtel ausbilden. Das Material ist bekannt für seine gute Haftung am Untergrund, für frühe Festigkeit und auch Beständigkeit gegenüber bauschädlichen Salzen.

Wissensvermittlung zu historischen Baustoffen

Die historische Arbeitstechnik erfreut sich deshalb seit einigen Jahren wieder zunehmender Aufmerksamkeit im Bereich der Restaurierung von Denkmalen.

Was jedoch hat das Thema der Dresdner Forschungsarbeit mit der Ziegelei in Hundisburg zu tun? In dem technischen Denkmal fand das sogenannte Abschluss-Kolloqium des Projektes statt. Denn die Hundisburger Ziegelei hat eine lange Tradition in der Wissensvermittlung zu historischen Baustoffen. Seit vielen Jahren kommen beispielsweise schon Studenten der Hochschule für Bildende Künste aus Dresden nach Hundisburg, um den Umgang mit Hochbrandgips und Sumpfkalk zu erlernen, der in der Ziegelei produziert wird. Am Kolloqium der TU Dresden nahmen nun nicht nur Studenten und Beteiligte des Forschungsprojektes teil, sondern es richtete sich an einen größeren Kreis Interessierter.

Über 70 Teilnehmer waren nach Hundisburg gekommen – nicht nur, um Fachvorträge, beispielsweise über den Erstarrungsprozess von Heißkalk-Frischmörtel, zu hören, sondern vor allem auch, um praktische Demonstrationen zu den Einsatzmöglichkeiten von Heißkalk zu sehen. Einen Höhepunkt bedeutete in diesem Rahmen das Anzünden eines nach altem Vorbild errichteten Kalkofens. Die beiden Projekt-Initiatoren der TU Dresden, Professor Dr. Heiner Siedel als Leiter des Fachbereichs Angewandte Geologie und Diplom-Geologe Thomas Köberle, bedankten sich bei Marion Nier dafür, dass das Projekt in der Hundisburger Ziegelei möglich gemacht wurde.

Ziegelei in ganz Deutschland bekannt

Die Leiterin der Einrichtung gab das Lob sogleich an ihre Mitarbeiter und die Mitglieder des Fördervereins Ziegelei weiter, ohne deren Fachwissen und Tatkraft praktische Projekte, vor allem über mehrere Tage, nicht möglich seien.

Auch Börde-Landrat Martin Stichnoth (CDU) hob die Bedeutung der Hundisburger Ziegelei für die Region hervor. Das technische Denkmal, so erläuterte er den Gästen, befasse sich schon seit 20 Jahren mit der Herstellung und dem Vertrieb historischer Bindemittel – diese finden in Deutschland und auch darüber hinaus Anwendung und machen die Region überregional bekannt. „Unter dem Motto ‚Ein Denkmal produziert für Denkmale‘ hat sich die Ziegelei deutschlandweit einen Namen gemacht“, sagte Stichnoth. Er begrüßte, dass die Initiatoren des Forschungsprojektes in einer künftigen Workshop-Reihe zu historischen Baustoffen die Ziegelei Hundisburg wieder besuchen möchten.