Calvörde l Welche Variante einer letzten Ruhestätte wird auf den Friedhöfen in den einzelnen Orten der Gemeinde Calvörde gewünscht und welche sind möglich? Neue Bestattungsformen waren bei der jüngsten Zusammenkunft des Sozialausschusses ein Thema. Zahlreiche interessierte Bürger verfolgten die Diskussion.

Vergangenes Jahr hatte Manfred Franke, Ortsteilbeauftragter von Dorst, beantragt, zu prüfen, ob teilanonyme Bestattungen auf den Friedhöfen der Gemeinde Calvörde möglich sind.

„Vor einigen Jahren wurde eine Friedhofssatzung neu erarbeitet. Es war damals erforderlich, eine einheitliche Satzung auf den Weg zu bringen. Zum anderen gibt es grundsätzlich die Verpflichtung für alle Kommunen, Friedhofssatzungen kostendeckend zu gestalten“, erklärte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU). Der Gemeindechef schilderte die bisher bestehenden unterschiedlichen Bestattungsformen. Bisher gibt es zum größten Teil die klassischen Erd- und Urnenbestattungen. „Wir haben bisher noch nicht auf allen Friedhöfen die anonymen Bestattungen“, berichtete Schliephake. Er schilderte, dass das Erscheinungsbild der vorhandenen anonymen Anlagen wenig würdevoll aussehen. Da müsse – nach seiner Ansicht – noch an der Gestaltung gearbeitet werden.

Teilanonyme Bestattungen

Eine Abmilderung der anonymen Begräbnisse wären teilanonyme Bestattungen. Schliephake schlug vor, Mischflächen anzubieten, dann hätten die Bürger die Gelegenheit zu entschieden, ob sie ein Namensschild haben möchten oder nicht. „Das Anlegen und Gestalten dieser Flächen hat auch etwas mit Aufwand und Kosten zu tun“, betonte der Bürgermeister und stellte die Varianten mit Stelen, auf denen die Namen der Verstorbenen zu lesen ist, oder Rasengrabflächen, auf denen die Namen auf flachen Steinen versehen sind, in den Fokus der Diskussion.

„Wir haben in Klüden gedacht, dass das anonyme Rasengrab extrem angenommen wird, aber dem ist nicht so. Es sind erst zwei anonyme Bestattungen. Tradition ist in Klüden die Erd- oder Feuerbestattung“, berichtete Gemeinderatsmitglied Ottmar Schmicker (UWG) aus seinem Wohnort. Der Klüdener schließ es nicht aus, dass die nächste Generation meist nicht im Ort wohnt und viele sich Gedanken machen, dass das Grab verwahrlosen könnte.

Gemeinderat Hartmut Sonnenschein (SPD) aus Wegenstedt hob heraus, dass die Räte auf die Vorstellungen der Bürger eingehen sollte. „Die Wünsche - gerade in Wegenstedt – haben sich in den letzten fünf Jahren verändert. Die Bürger sind zufrieden, dass es die anonyme Stelle gibt. Aber manch einer möchte sehen, wo liegt denn nun mein Opa oder meine Mutter“, schilderte Sonnenschein. Gemeinderat Gerhard Reinecke (CDU) aus Wegenstedt schlug vor, einen Prozess der Entscheidungsfindung in allen Orten in Gang setzt. Der Wegenstedter Bürgerverein, indem alle Vereine des Ortes vertreten sind, sei – aus seiner Sicht – eine neutrale Plattform zur Willensbildung. „Dieser Wille sollte dann in der Satzung akzeptiert werden“, betonte Reinecke.

Erste anonyme Fläche in Berenbrock

Berenbrocks Ortsteilbeauftragter und Gemeinderat Hubertus Nitzschke (UWG) berichtete, dass Berenbrock 2005 der erste Ort in der Gemeinde war, der auf Wunsch der Bürger eine anonyme Fläche errichtet hatte. „Wir müssen mit der Satzung die Rahmenbedingungen schaffen, dass jeder Ort individuell seinen Friedhof gestalten kann“, sagte der Ortsteilbeauftragte von Berenbrock. Thomas Lange (UWG) Gemeinderat aus Wegenstedt, schloss sich der Meinung seines Vorredners an: „Jeder Ortsteil sollte entscheiden, welche Variante die richtige ist.“

Angelika Heinemann, Ortsteilbeauftragte in Grauingen, hatte die Idee, zum Thema „Friedhofsgestaltung“ in Grauingen eine Bürgerversammlung zu veranstalten.

Schliephake schlug vor, der Friedhofsverwaltung den Auftrag zu erteilen, verschiedene Varianten darzustellen und rechtlich zu prüfen, ob es in der Satzung in den Orten verschiedene Möglichkeiten geben darf. Sonnenschein sieht die Gefahr, dass die Verwaltung wieder zum Ergebnis kommt, dass die Kosten zu hoch für Neugestaltungen sind und diese Vorhaben deshalb nicht realisierbar seien. „Das Thema ist aber inzwischen so brisant, dass die Verwaltung es nicht übergehen kann“, sagte Heidemarie Schweickert (CDU), stellvertretende Vorsitzende des Sozialausschusses. Schliep-hake wies darauf hin, dass die Verwaltung die Aufgabe hat, die Ideen der Gemeinderäte zu bearbeiten und umzusetzen. „Die Verwaltung entscheidet nichts“, betonte der Bürgermeister.

„Für mich ist ja ein Friedhof nicht nur eine Ruhestätte, sondern auch eine Gedenkstätte – jedenfalls war es bisher so“, schilderte Ingeborg Schulze, Bewohnerin in Zobbenitz. Mit der anonymen oder teilanonymen Variante könne sie sich nicht anfreunden. „Aber auch in den Dörfern gibt es keine Großfamilien mehr, bei denen die Grabpflege an die Kinder übergeht. Da müssen wir uns wohl dran gewöhnen – das ist mir auch klar“, sagte die Zobbenitzerin, die befürchtet, dass die Friedhofskultur immer mehr verloren geht.

Ingeborg Schulze wies darauf hin, dass es in Zobbenitz einige alte Gräber gibt, bei denen die Steine nicht mehr fest stehen. „Für Sicherheit muss gesorgt werden“, appellierte sie.