Lockstedt l „Ich habe damals durch meine Krankheit fast alles verloren“, gesteht Edgar Stierholz. Der Lockstedter erinnert sich an seinen schweren Unfall: „Es war vor sieben Jahren. Ich wollte damals mein Pferd einreiten. Da ist es passiert.“

Es folgte ein langer Aufenthalt im Krankenhaus. „Ich habe neue Bandscheiben aus Metall bekommen. Damals war überhaupt nicht klar, ob ich irgendwann mal wieder Pferdesport machen kann und darf“, denkt Stierholz zurück. Es folgten drei Operationen und ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik. „Ich musste täglich über 20 Tabletten und Morphium nehmen. Es stand schlecht, bis ich alle Medikamente abgesetzt habe. Dann ging es mir besser. Ich wollte wieder ins Leben. Man muss im Kopf klar sein, sonst geht das nicht“, beschreibt der 59-Jährige seinen starken Willen. Eine gute Freundin habe ihn – nach seinen Erzählungen – wieder aufgemuntert und gemeint: „Mensch Eddi, du schaffst das!“

Von Null habe er wieder mit dem Pferdesport – speziell mit dem Distanzfahren – angefangen. Distanzfahren ist ein Pferdesport, in dem es darum geht, eine große Entfernung mit Pferd und Wagen so schnell wie möglich zu überwinden.

Alles wieder neu anschaffen

„Ich hatte doch alles verkauft. Nicht mal mehr ein Auto für den Transport, keinen Pferdeanhänger, kein Geschirr, gar nichts hatte ich. Alles musste ich mir wieder neu anschaffen oder selbst bauen“, erzählt Stierholz.

Zwei sechsjährige Pferde stehen nun wieder in seinem Stall. Das sind Lucho und Melodie. Lucho – das ist spanisch und heißt auf deutsch der Kämpfer. Durch und durch ein Kämpfertyp ist auch der Fahrer, der die Pferde selbst ausgebildet hat und jetzt täglich stundenlang meist über 30 Kilometer durch die Region fährt und so mit seinen Vierbeinern trainiert. Auf seinem Grundstück hat er einen Trainingsplatz gebaut, damit seine vierbeinigen Lieblinge immer auch an der Longe ihre Bewegung kriegen. „Wenn ich meine Pferde nicht hätte, wäre ich bestimmt nicht wieder in Gang gekommen“, gesteht er.

Im letzten Jahr hat er bei den Landesmeisterschaften schon wieder seine Pferde angespannt und ist gleich mit Melodie auf den zweiten Platz und mit Lucho auf den dritten Platz gefahren.

Ein Rückschlag folgte

Es folgte ein Rückschlag. „Mit dem neuen Pferd, Lucho – dem kleinen Schimmel, hatte ich im letzten Jahr schon wieder einen Unfall und musste neun Mal genäht werden“, erzählt er und staunt selbst über seine Energie, immer wieder aufzustehen. „Es ist mit der Gesundheit nicht jeden Tag gleich. Manchmal zucken die Knochen oder das Metall darin“, beschreibt er.

Mut macht ihm auch Klara, seine siebenjährige Enkelin. „Sie hilft mir jeden Tag mit den Pferden. Und auch als ich so krank war, wich sie nicht von meiner Seite“, schwärmt der Großvater. Klara hat keine Angst vor den Pferden. „Ich habe kein Lieblingspferd. Ich mag beide“, betont die Kleine selbstbewusst. Wer Stierholz als Distanzfahrer kennt, der kann sich auch an sein Prachtpferd Picaro, mit dem der Distanzsportler der Konkurrenz davonfuhr, erinnern. „Picaro ist jetzt 24 Jahre alt. Er ist topfit und hat keinen Sehnenschaden“, erzählt Stierholz. Auf Picaro reiten jetzt die Kinder.

„Jetzt nach den Lockerungen der Corona-Pandemie – wo die Turniere wieder freigegeben sind – starten wir auch wieder“, blickt der Pferdefreund in freudiger Erwartung voraus. Demnächst geht es zum Turnier nach Düben bei Zerbst. Eine Woche später steht ein Distanzfahren in Stuck auf seinem Plan. Es folgt ein Turnier in Arendsee. „Dann muss ich mal gucken, was da noch so kommt. Ich kann natürlich nur so viel machen, wie es meine Gesundheit zulässt“, sagt er.

Als Fahrer habe er alle Qualifikationen für den Distanzsport, aber die jungen Pferde müssen sich erst qualifizieren, um bei den Deutschen Meisterschaften angespannt zu werden. „Da will ich nicht gewinnen, nur dabei sein“, sagt er voller Zuversicht und streichelt seinen Pferden über die Mähne.