Haldensleben l Ob Videokonferenz, Kundengespräche und andere Telefonate oder Rechnungen schreiben: Viele Arbeitnehmer müssen das nun von Zuhause aus machen. Die Corona-Arbeitsschutzverordnung trat am 27. Januar in Kraft. Demnach soll die Homeofficepflicht bis zum 15. März gelten. In Haldensleben scheint das bei den einigen Unternehmen schon gut zu funktionieren. Aber es wird deutlich: Homeoffice ist nur in manchen Berufen umsetzbar.

Die Stadtwerke zählen zu den systemrelevanten Unternehmen, erklärte Antje Streck von der Unternehmenskommunikation. Dennoch gebe es einige Mitarbeiter, die vom heimischen Büro aus arbeiten. „Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 ist mobiles Arbeiten zu einem festen Bestandteil geworden“, berichtet Antje Streck.

Mittlerweile seien die Voraussetzungen geschaffen und die Technik wurde mit Notebooks, Monitoren sowie Netzteilen zum Laden aufgestockt. Nun würden die Mitarbeiter erneut seit dem 16. Dezember im Wechsel zwei Wochen im Homeoffice, dann wieder zwei Wochen im Büro arbeiten. Das sei bei kaufmännischen Berufen möglich. Die Teams im gewerblichen Bereich, wie Anlagentechniker oder Elektroniker, wurden räumlich getrennt. „Somit gewährleisten wir im Fall einer möglichen Infektion, die Energie- und Wasserversorgung aufrecht zu erhalten“, erklärt Streck.

Höhere Produktivität

Als Vorteile für die Beschäftigten nennt Antje Streck eine höhere Produktivität und eine Verbesserung der Work-Life-Balance. „Faktoren wie Kinderbetreuung, ein fehlender Arbeitsplatz oder Arbeitszimmer sind einige Punkte, die sich als Nachteil herausstellen“, so Streck. Dabei seien die Meinungen jedoch unterschiedlich. Für die Arbeitgeber sei es herausfordernd, das Team und die persönliche Kommunikation aufrecht zu erhalten, meint Antje Streck weiter. Dennoch gehöre das mobile Arbeiten inzwischen zur Normalität.

Auch in der Stadtverwaltung Haldensleben arbeiten einige Angestellte im Homeoffice. Von 99 Beschäftigten nutzen seit der letzten Januarwoche 50 die Möglichkeit, tageweise daheim zu arbeiten, erklärte Pressesprecher Lutz Zimmermann auf Anfrage der Volksstimme. „Das Ganze passiert unter der Prämisse, dass die Arbeitsfähigkeit und Erreichbarkeit nach wie vor voll gegeben ist“, erörtert Zimmermann. Bevor dies möglich gewesen sei, seien intensive Vorarbeiten, um die technischen Möglichkeiten, auch unter dem Aspekt Datenschutz und Datensicherheit zu schaffen, nötig gewesen. Dennoch seien auch hier Homeoffice nur in bestimmten Bereichen möglich.

Auch für die Zukunft sei das für die Stadtverwaltung eine mögliche Arbeitsweise: „Grundsätzlich sind nach Überwindung der technischen Hürden die ersten Erfahrungen positiv, sodass es tageweise unter Umständen auch nach der Pandemie ein Modell sein kann.“ Das sei jedoch immer eine Einzelfallentscheidung, inwieweit das sinnvoll oder auch möglich sei. Ein Grund dafür sei, dass bei vielen Arbeitsplätzen nach wie vor Akten häufiger Bestandteil der Arbeit seien, erklärt Lutz Zimmermann.

Die Technik funktioniert

Marion Kühn arbeitet im Wohnheim Flora im Bereich Verwaltung. Bei ihr gebe es beim Homeoffice keine größeren Probleme. „Die Technik funktioniert“, erzählt sie. Mit ihrer Kollegin wechsle sie sich ab. „Jeder hat sich Zuhause einen Arbeitsplatz eingerichtet und wir wurden auch mit allem ausgestattet, was wir brauchen“, so Kühn. Die Buchhaltung ließe sich problemlos am Computer erledigen. Nur ab und an, wie zur Jahresbilanz, müsse sie ein paar Ordner mitnehmen.

Beim Deutschen Roten Kreuz gebe es in der Verwaltung vereinzelt die Möglichkeit, zeitweilig im Homeoffice zu arbeiten. „Dennoch ist es eher schwierig. Als sozialer Dienstleister besteht aufgrund der Arbeitsbereiche auch keine wirkliche Option, von Zuhause aus zu arbeiten“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Ralf Kürbis. Das DRK führe fast ausschließlich Betreuungs- sowie Pflegetätigkeiten aus und müsse deshalb für die Menschen vor Ort sein.

Deshalb werde beim DRK-Börde weiterhin auf die Corona-Arbeitsschutzvorschriften geachtet. Hierzu gehören die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, mindestens zehn Quadratmeter pro Arbeitsplatz, das Tragen von medizinischen Masken und die regelmäßige Desinfektion der Arbeitsplätze sowie der Arbeitsmittel. „Wir stellen unseren Mitarbeitern die notwendigen Schutzmaterialien zur Verfügung“, so Ralf Kürbis.

Herausfordernde Zeiten sind es auch für Eltern mit Kindern. Eine von ihnen ist die Mediendesignerin Nadine Quedenfeld. „Ich komme fast nicht zum Arbeiten“, erklärt sie. Wenn sie es mit ihren zwei kleinen Kindern dann doch einrichten könne, seien das täglich ungefähr drei Stunden. Nach 14 Stunden Kinderbetreuung sei man einfach erschöpft.