Coronavirus

Impftermine für Über-80-Jährige

Um das Impfen für Über-80-Jährige einfacher zu machen, startet der Landkreis in Wolmirstedt und Wanzleben ein Modellprojekt.

Von Juliane Just

Haldensleben l Die Impfungen von Bewohnern und Personal sind im Landkreis Börde in vollem Gange. Laut Angaben des Impfzentrums haben 20 von 39 Pflegeheimen in der Börde die erste von zwei nötigen Impfdosen erhalten. Im Anschluss erhalten Personen über 80 Jahren die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Um das für die Betroffenen einfacher zu gestalten, beginnt ab kommender Woche ein Projekt.

„Idee ist es, dass die Über-80-Jährigen per Post angeschrieben werden und sich entscheiden können, ob sie eine Impfung wollen oder nicht“, erklärt Landrat Martin Stichnoth (CDU). Dabei wurden zwei Städte als Modellkommunen ausgewählt, um den gesamten Prozess zu testen. Als Pilotkommunen ausgesucht wurden Wolmirstedt und Wanzleben, die jeweils über 1000 Einwohner haben, die älter als 80 Jahre sind und damit zu der sogenannten vulnerablen Gruppe gehören, die als nächstes geimpft werden sollen.

Die Daten der Menschen vor Ort haben die beiden Städte im Einwohnermeldeamt vorliegen. In der kommenden Woche sollen die Briefe laut Landrat verschickt werden. Darin enthalten ist ein Schreiben des Landkreises, dass über das Projekt, den Prozess und die Impfung aufklärt. Beigelegt sind außerdem Fragebögen, die für eine Impfung erforderlich sind. Dort können die Briefempfänger dann ihre Daten eintragen und die Formulare zurück an die Stadt schicken.

Damit ist der Datenschutz gewährt – Daten der jeweiligen Personen werden nur erhoben, wenn die Personen sich melden. Die Rückmeldung an die jeweilige Verwaltung vor Ort ist bis zum1. Februar möglich. Das Impfzentrum erarbeitet dann eine Planung mit entsprechenden Terminen und die Impfwilligen erhalten dann eine Rückmeldung des Landkreises.

„Natürlich basiert das gesamte Projekt auf Freiwilligkeit“, betont Martin Stichnoth. Keiner der Empfänger wird zur Impfung gezwungen, es sei lediglich ein Angebot. „Wir haben bemerkt, wie schwierig die Terminvergabe online gestaltet ist und wollen hier den Menschen mit einer einfacheren Variante helfen“, so der Landrat.

Das Besondere daran: Die Freiwilligen müssen dann nicht zum Impfzentrum in Haldensleben kommen, sondern erhalten die Impfung vor Ort. Dafür halten beide Städte eine Räumlichkeit vor. Welche das genau sind, wird noch bekannt gegeben. Dort wird dann eines der beiden mobilen Impfteams vor Ort sein, komplettiert von einem ansässigen Arzt. In Wolmirstedt beispielsweise haben drei ansässige Ärzte die Bereitschaft für die Impfungen erklärt und stehen parat, wenn diese starten.

Grund für das Modellprojekt ist, dass das Impfzentrum die Planung für den Ablauf erproben will. Denn wie die Impftermine eingetaktet werden, hängt davon ab, wie viele Impfwillige über 80 Jahren sich zurückmelden und wie viele Impfdosen der Landkreis erhält. „Wir wollen damit auch abschätzen, wie hoch der Beratungsbedarf bei den betroffenen Personen ist“, erklärt Katrin Baier, ärztliche Leiterin Impfen des Impfzentrums in Haldensleben. In den Pflegeheimen konnte das Personal bei Fragen oft helfen und die Menschen sensibiliseren, doch diese Beratung gibt es in den eigenen vier Wänden nicht. Der administrative Aufwand sei für die Verwaltung hoch, da jeder Geimpfte unter anderem an das Robert-Koch-Institut gemeldet werden muss.

Knapp 10.000 Personen im Landkreis Börde sind laut Verwaltung über 80 Jahre alt. „Genau deshalb braucht es eine vernünftige Planung, die wir jetzt erproben“, so Katrin Baier. Nach Wolmirstedt und Wanzleben soll das Projekt auf den ganzen Landkreis ausgeweitet werden. Nach und nach erhalten dann alle Über-80-Jährigen einen Brief und können sich für eine Impfung vor Ort entscheiden. Bis es soweit ist, wird das Modellprojekt die nötige Erfahrung und Logistik mit sich bringen.

Vorerst bleibt das Impfzentrum in Haldensleben für die Öffentlichkeit geschlossen. „Die Nachfrage nach Impfterminen ist sehr hoch“, betont Landkreispressesprecher Uwe Baumgart. Über die Hotline 116 117 ist es derzeit nicht möglich, Termine zu erhalten. Doch laut Landrat wird der Landkreis dies freigeben, sobald genug Impfstoff zur Verfügung steht.

Nach chaotischen Zuständen bei der Vergabe der Impfterminen in anderen Landkreisen und langen Schlangen vor den Impfzentren, zeigt sich der Landrat zuversichtlich. „Wir haben uns an die Vorgaben der Bundesregierung gehalten und erst Krankenhäuser und Pflegeheime abgearbeitet. Ich denke, wir sind einen guten Weg gegangen“, sagt er.