Süplingen l Die Sonne brennt vom Himmel, hinter der frisch gebauten Kirche zeichnet sich das Tor des Forts ab: Wer einen Ausflug an den Süplinger Canyon unternimmt, fühlt sich immer ein bisschen wie im Wilden Westen. 2017 fand dort im Rahmen der Stadtliteraturtage eine szenische Lesung unter dem Titel „Der Schatz im Silbersee“ statt.

Der Erfolg war groß - und er beflügelte: 2018 gab es bereits richtige Karl-May-Festtage. Dafür errichteten die Beteiligten an der Südost-Seite des Canyons echte Gebäude wie zum Beispiel den Saloon. Aufführungen mit rund 100 Teilnehmern sorgten beim Publikum für Furore.

Zwei Bahnhöfe und Eisenbahn

In den letzten Wochen ist die Westernstadt gewachsen. Es dauert nämlich nicht mehr lange, dann ist das Gelände erneut in der Hand von Cowboys und Indianern. Laut Lutz Constabel, Organisator und Eigentümer der Fläche, sollen sogar noch zwei Bahnhöfe und eine Eisenbahnstrecke entstehen. Und das ist bei Weitem nicht alles: Zwei Tage lang können Gäste in die Welt des Wilden Westens eintauchen.

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Im Saloon gibt es Live-Musik mit Geige und Klavier, in der Kirche singt ein Gospel-Chor. Ein Indianerdorf lädt zum Entdecken ein. Sogar ein Goldgräber wird sein Können unter Beweis stellen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Aktionen, besonders für Kinder - wie etwa Schminken, Basteln oder Ponyreiten. Wer mag, kann per Kutsche Fahrten durch die Umgebung und den Ort unternehmen. Die Armeen der Nord- und der Südstaaten sind vor Ort und haben echte Kanonen dabei. Axtwerfen, Bogenschießen und Kanufahren stehen ebenfalls auf dem Programm.

Wettkampf um den "Canyon Man"

Los geht es am Sonnabend, 10. August, um 12 Uhr und am Sonntag, 11. August, um 11 Uhr. Wobei es am zweiten Tag eine Besonderheit gibt: Um 10 Uhr startet bereits der Wettkampf um den Titel „Canyon Man“. „Dabei handelt es sich um einen indianischen Fünfkampf“, verrät Lutz Constabel. Die Disziplinen sind Laufen, Schwimmen, Kanufahren, Axtwerfen und Bogenschießen. Wer mitmachen will, kann sich spontan vor Ort melden.

Den Kern der Festtage bildet das Stück „Winnetou - Unter Geiern“. Es wird an beiden Tagen ab 16 Uhr aufgeführt. Die Handlung orientiert sich grob an Karl May: Der Sohn des Bärenjägers lebt mit seinem Hausboot auf einem See. Doch eines Tages wird er von „bösen“ Indianern und Banditen überfallen und gefangen genommen. Natürlich nimmt alles ein gutes Ende: Winnetou kommt mit anderen Indianern sowie der Nord- und der Südstaaten-Armee zu Hilfe. Das Motto lautet „Mittendrin - nicht nur dabei“, denn eine strikte Trennung zwischen Akteuren und Publikum gibt es nicht.

Rund 100 Mitwirkende

Lutz Constabel rechnet erneut mit rund 100 Mitwirkenden, einige von ihnen beritten. Dabei ist festzuhalten, dass es sich nicht um professionelle Darsteller handelt. Die Karl-May-Festtage wurden gewissermaßen aus dem Ort heraus geboren. Der größte Teil der Teilnehmer kommt noch immer aus Süplingen und Umgebung. Es reisen aber auch Menschen aus Berlin, Braunschweig, Potsdam und Dresden an, um mit dabei zu sein. Ein Filmteam soll die Aufführungen verewigen, damit sie später auf DVD erhältlich sind.

Im Anschluss sollen handgemachte Wild-West-Utensilien für einen guten Zweck versteigert werden.

Wertschätzung der Natur

Ebenfalls zu erwähnen ist, dass die Veranstaltung noch eine zweite Seite hat. Es geht nämlich auch um die Natur und deren Wertschätzung. Der Landesjagdverband sei mit einem Stand vor Ort, der von heimischen Jägern betreut werde, so Constabel. Das Haus des Waldes stelle voraussichtlich einige Exponate zu Verfügung. Und bei einer Veranstaltung, die „unter Geiern“ heißt, braucht es natürlich entsprechende Vögel. Die bringt laut Lutz Constabel ein Falkner aus Satuelle mit.

Wer als Zuschauer ebenfalls im Wild-West-Look kommen möchte, ist herzlich willkommen. „Das ist erlaubt und auch erwünscht“, so Lutz Constabel.