Haldensleben l „Wie lautet die erste Regel beim Bauen mit Lego? “, fragte Michael Schwalbe, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Ohreland, die versammelten Schüler in der Aula der evangelischen Sekundarschule Haldensleben. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Spaß haben!“

Und den hatten die Schüler in der vergangenen Woche wohl definitiv bei dieser eher ungewöhnlichen Unterrichtsvariante. Rund 100 Schüler der fünften und sechsten Klassen bauten gemeinsam von Dienstag bis Freitag an einer Stadt aus Lego-Steinen, jeden Tag fünfeinhalb Stunden lang.

100 Schüler machen bei Projektwoche mit

Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: In den Schrebergärten und auf dem Bolzplatz tummelte sich das Leben. Es gab Wolkenkratzer und beschauliche Reihenhäuser, ein Krankenhaus, eine Polizeiwache und ein Theater – also alles, was eine Kleinstadt so braucht.

Bilder

Die Grundrisse für die einzelnen Häuser waren von Anfang an zwar festgelegt, den Rest jedoch planten die Kinder. „Sie konnten frei Fantasie erleben und entwickeln“, sagte Michael Schwalbe, der mit diesem Projekt bereits seit dreieinhalb Jahren meist Kirchengemeinden und christliche Vereine besucht. Seit 15 Jahren bereits ist der Gemeinschaftsverband Sachsen-Anhalt in Besitz der Legosteine, deren stolze Anzahl mit der Zeit auf eine Million anwuchs.

Für Michael Schwalbe war es sein erster Einsatz an einer Schule. Er zog ein positives Resümee: „Den Schülern wird mal was geboten.“

Ziel: Fantasie entwickeln

Schulleiterin Pia Kampelmann sah das ähnlich. „Schule muss mehr sein als Vokabeln lernen“, zeigte sie sich überzeugt. Sie war von Anfang an begeistert von dem Projekt und der Idee dahinter, „weil es tatsächlich Unterricht mit anderen Mitteln ist.“

Die Schüler trainierten hier spielerisch gleich mehrere Dinge: Sie mussten Planungsarbeit leisten und in Teams von drei bis vier Kindern zusammenarbeiten. Ebenso wurde die Feinmotorik beim Bauen mit den kleinen Klötzen geübt, was beispielsweise den Schreibfähigkeiten zugute kommt. Auch der Techniklehrer Jörg Espe schwärmte von den neuerworbenen feinmotorischen Fähigkeiten seiner Schüler, so Pia Kampelmann.

Schließlich sollte auch das Konfliktpotential dieser Projektarbeit nicht unterschätzt werden. So stürzte beispielsweise das Dach des Schlosses drei Mal ein, bevor die Kinder den Dreh raushatten. Diesen Aha-Moment mitzuerleben, wenn Kinder herausfinden, wie etwas funktioniert „ist schon ziemlich cool“, fand Michael Schwalbe.

Jeden Tag fünfeinhalb Stunden basteln

Bei all der Begeisterung und dem Arbeitsaufwand war es dann echt schade, dass die Stadtidylle am Ende wieder in ihre Bestandteile zerlegt werden musste. Immerhin wurden die freiwilligen Abbauhelfer im Anschluss mit einer Wurst vom Grill belohnt.