Wieglitz l Das Nest auf dem Schornstein auf dem Gelände der Hähnchenmastanlage in Wieglitz ist verwittert und droht zu zerfallen. 2007 hat dort zum letzten Mal ein Storchenpaar vier Junge erfolgreich ausgebrütet. „Dann folgte eine Pause. Solche Phasen, in denen die Störche nicht brüten, gibt es immer mal“, weiß Storchenbetreuer Peter Loskarn. Im vergangenen Jahr haben – nach seinen Ausführungen – zwar Störche versucht ein Nest zu bauen, aber die Zweige sind immer wieder runtergefallen. Loskarn möchte das Nest retten und so herrichten, dass die Adebare dort wieder einziehen. Wieglitz gehört nämlich zu den erfolgreichsten Standorten seines Betreuungsbereiches. „Schwerpunkte der Weißstorchreproduktion in Sachsen-Anhalt sind die Elbtalaue im Osten und der Drömling im Westen. Diese Gebiete sind durch die grünlandgeprägte Ohreniederung verbunden. Wieglitz gehört mit 121 ausgeflogenen Jungströchen seit der Aufzeichnungen in den 1950er Jahren zu den Leuchttürmen der erfolgreichen Bruten“, erklärt Loskarn, der sich verantwortlich für die langschnäbligen Vögel in der Region des Altkreises Haldensleben fühlt.

Vor vielen Jahren gab es in Wieglitz ein Nest, das inzwischen zerfallen ist, inmitten des Ortes. Nach den Aufzeichnungen war es das Nest mit der höchsten Reproduktion. 1999 wurde der Horst auf dem Schornstein der Mastanlage neu aufgesetzt.

Werkfeuerwehr Zielitz hilft

Wer Loskarn kennt, der weiß, dass ihm im Auftrag der Natur kein Mast und kein Schornstein zu hoch ist. Erst im letzten Frühjahr brachte Loskarn das Fundament für Familie Adebar in Uthmöden auf den Schornstein der ehemaligen Brennerei. Loskarn engagiert sich seit über 50 Jahren für den Natur- und Umweltschutz. Und trotzdem ist er an diesem Tag in Wieglitz froh, dass Hauptgerätewart Sven Widdecke von der Werkfeuerwehr Zielitz mit seinem Fahrzeug anrückt und die Hubarbeitsbühne in Position bringt.

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Loskarn, der in Bülstringen/Schwarzer Pfuhl wohnt, hat alles für seine Mission in Wieglitz vorbereitet. Das Wichtigste ist ein Reisigkranz mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern. „Bei uns im Schwarzen Pfuhl haben sie gerade die ausgedienten Hochspannungsleitungen runter genommen. Den Alu-Draht habe ich mit dem Obstbaumverschnitt aus meinem Garten verbunden“, erklärt der Storchenfreund. Am 21 Meter hohen Schornsteinkopf angekommen, weiß der Storchenfreund genau, was zu tun ist. Geschickt trägt er die obere verwitterte Schicht ab und legt den Reisigkranz auf den kahlen Grundkörper. Mit dünnen Obstzweigen steckt er den Kranz fest. „Genau so habe ich mir das vorgestellt“, sagt er zufrieden. Die Störche sollen dann das Nest weiter bauen - ohne dass die Zweige ständig am kahlen Nestrand abrutschen“, erklärt der Storchenfreund.

Storchenfreundliches Dorf

Die Aktion verfolgt auch Peter Wölk, zuständig für den Artenschutz in der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Börde. „Die Werkfeuerwehr Zielitz hat uns die Technik gestellt. Ich bin nur der Vermittler. Für das Engagement sind wir sehr dankbar“, erklärt Wölk. „Wieglitz war schon immer ein storchenfreundliches Dorf. Es gibt hier nicht nur reichlich Nahrung, sondern auch Menschen, die mir Informationen liefern. Die Wieglitzer bemühen sich um ihre Störche. Familie Leischwitz hatte das alte Nest im Dorf immer im Blick. Gerhard Bartels, der ehemalige Eigentümer des Betriebes, informierte mich immer über den aktuellen Stand. Und auch die neuen Betreiber sind sehr aufgeschlossen und waren so freundlich, mir heute die Tore zu öffnen“, sagt Loskarn. Er ergänzt schmunzelnd: „Es adelt, Störche auf dem eigenen Grundstück zu haben. Die Hoffnung ist nun groß, dass die weitgereisten Störche Gefallen am neuen Liebesnest finden und dort wieder ihre Jungen aufziehen.“