Aus der umstrittenen Büttenrede

„Dem Deutschen Volke. Diese Inschrift mit 17 Buchstaben ist seit über 100 Jahren am Berliner Reichstagsgebäude zu sehen, auch heute noch. Liebe Regierung, bitte mal Kopf hoch und Augen auf: Dem deutschen Volke steht da. Nordafrika gehört nicht mehr zu Deutschland. Das haben wir verloren.“

„Als Kind haben sie mir immer mit dem schwarzen Mann gedroht. Und ich dachte, die verarschen mich. Da geht ein Neger in den Supermarkt und kauft sich eine Packung Negerküsse. Beim Rausgehen fällt ihm die Packung runter und alle Negerküsse rollen raus. Da kommt eine Oma angelaufen, tritt alle Negerküsse kaputt und sagt: Du legst hier keine Eier, Freundchen, du nicht.“

„Trifft ein Asylant eine Fee. Die Fee sagt, du hast drei wünsche frei. Sagt der Asylant: Als erstes wünsche ich mir Geld. Viel Geld für mich, meine vier Frauen und meine 20 Kinder. Die Fee schaut ins deutsche Gesetzbuch und sagt: Kein Problem, bekommst du. Und schwupps war Geld da. Als Zweites wünsch ich mir ein Haus für mich und meine Familie.

Die Fee schaut ins deutsche Gesetzbuch und sagt: Kein Problem, bekommst du. Und schwupps stand eine Villa vor ihm. Und als Drittes wünsche ich mir, Deutscher zu sein. Wieder schaut die Fee ins deutsche Gesetzbuch und schwupps: ist alles weg. Hey, was ist das jetzt? Jetzt bist du Deutscher, gehe gefälligst arbeiten, wenn du was willst.“

Süplingen l Nach sechs Minuten mischt sich zum ersten Mal ein Raunen in das Klatschen nach der Pointe. Der Büttenredner, Holger Brauns, hatte gerade über das deutsche Volk schwadroniert und betont, dass Nordafrika nicht dazugehöre. Nicht alle wollen zuhören. Während der Büttenrede an diesem Sonnabend sind einige Plätze im ausverkauften Saal des Süplinger Vereinshauses nicht besetzt, auch im Elferrat auf der Bühne nicht.

Büttenredner Brauns spricht über „Neger“ und „Asylanten“ und dass 87 Prozent der Bundesbürger wie früher in der DDR noch immer keine Ahnung hätten. Die AfD hat bei der vergangenen Bundestagswahl 13 Prozent der Stimmen geholt. Brauns wird später auf Nachfrage dazu betonen, die Prozentzahl 87 zufällig gewählt zu haben. Viele Klatschen und Johlen nach den Witzen des 57-Jährigen. Laut vernehmbare Buhrufe gibt es nicht.

Nicht alle klatschen

Aber nicht alle klatschen. Noch während das Abendprogramm im Saal weiterläuft, wird vor dem Vereinshaus diskutiert. „Das war völlig fehl am Platz“, sagt ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Das war unter aller Sau, das hat im Karneval nichts zu suchen“, betont der Besucher, der in der Büttenrede „Rassismus“ erkannt hat. Womöglich sei die Rede auch „strafrechtlich relevant“, betont er. Ein anderer entgegnet: „Nur weil ich Neger sage, bin ich noch lange nicht rechtsradikal.“ Wieder andere halten die Büttenrede zumindest für „grenzwertig“. Ihre Namen wollen sie nicht nennen.

Kein Problem mit der Büttenrede haben auch Tatjana Bux und Franziska Schöwe aus Hillersleben. Das Wort „Neger“ dürfe man während der anderen vier Jahreszeiten nicht sagen, sagen die beiden 29-Jährigen rauchend vor der Tür, in der fünften Jahreszeit, dem Karneval, sei das aber für sie in Ordnung.

Nur stiller Protest vom Präsidenten

Auch der Vizepräsident des Süplinger Narrenbundes, Dirk Hebecker, will in der Büttenrede keine problematischen Passagen erkennen. „Solange es keine Anfeindungen gegen irgendwelche Leute gibt, kann ich nichts dagegen sagen,“ betont Hebecker, der für die UWG im Kreistag sitzt.

Der Vereinspräsident Uwe Urban betont dazu, er habe kein Problem damit, wenn jemand „Neger“ sage. Zur Büttenrede sagt er: „Das ist seine Meinung.“ Nicht alle Passagen der Rede finde er richtig. Während sie gehalten wurde, sei er nicht auf seinem Platz im Elferrat gewesen, betont er.

Wie die Büttenrede aussieht, war schon Tage vorher durch die Generalprobe bekannt. Unterbinden wollte sie das Präsidium nicht. Auf Nachfrage verweisen Hebecker und Urban auf die Zeit der DDR. Damals habe man nicht alles sagen können im Karneval. Sie wollten den Leuten heute nicht vorschreiben, was sie in der Büttenrede sagen könnten und was nicht.

Ehrenpräsidentin findet Rede „widerlich"

Ute Knels, die den Narrenbund vor 50 Jahren mit gegründet und mehrere Jahrzehnte als Präsidentin geleitet hat, sieht das anders. „Ich habe im Vorfeld schon gesagt, für mich ist das widerlich“, sagte die heutige Ehrenpräsidentin am Sonntag. Bei der Veranstaltung am Samstagabend war sie nicht dabei, sie kennt die Rede aber von der Generalprobe. Sie sagt: „Das hätte man unterbinden müssen.“ Den Büttenredner hat sie positiv in Erinnerung. Brauns habe zu DDR-Zeiten „nur gute Büttenreden“ beim Narrenbund gehalten, sagt Knels.

Am kommenden Sonnabend will der Narrenbund die nächste Prunksitzung abhalten. Ob Brauns seine umstrittene Büttenrede dann wieder halten wird, ließ Vereinspräsident Urban offen.

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