Satuelle l Wenn man dem Zwinger näher kommt, bellt sie. Kein böses Bellen, eher ein freches. Wo vor drei Wochen noch ein zitterndes Häufchen Elend saß, sitzt nun eine aufgepäppelte Hündin. „Sie hat sich gut erholt“, sagt Tierheim-Mitarbeiter Dirk Lehmann. Er musste vor drei Wochen über die Überwachungskamera beobachten, wie Unbekannte die Hündin über den Zaun warfen und wieder verschwanden. Der Vorfall ging deutschlandweit durch die Medien.

Fernab von dem ganzen Trubel ist die Wunde, die sich die Hündin vermutlich beim Sturz an der Schnauze zugezogen hat, fast verheilt. Doch ihr Verhalten zeugt noch von der Tat. „Im Zwinger ist sie relativ frech, aber sobald sie draußen an der Leine ist, ist sie ein Angsthase“, berichtet Dirk Lehmann. Nach wie vor vertraut die Hündin nur Mitarbeiterin Susanne Roland, sonst lässt sie kaum jemanden an sich heran. Ihre Vertraute war es auch, die ihr den Namen „Sina“ gab.

Die Mitarbeiter sind froh, dass der Medienrummel um die Hündin vorbei ist. Die schreckliche Tat schaffte es bis ins Fernsehen und ging damit durch ganz Deutschland. „Wir hatten Anrufe aus Österreich und der Schweiz von Tierfreunden, die die Hündin bei sich aufnehmen wollten“, erzählt er. Doch die Mitarbeiter hätten abgelehnt, zu frisch waren die Wunden noch – seelisch und körperlich.

Bilder

Neues Herrchen braucht Erfahrung

Das Verhalten der Hündin lässt darauf schließen, dass ihre Vergangenheit schwierig war. „Ich möchte gar nicht wissen, was sie schon erlebt hat“, sagt Susanne Roland und tätschelt der Hündin den Kopf, die außerhalb des Zwingers förmlich an ihr klebt. Warum die Hündin gerade ihr vertraut, könne man nicht genau sagen. „Wenn ich mit ihr zusammen bin, mache ich alles nach Bauchgefühl“, sagt die Ziehmutter.

Was Sina nun wirklich braucht, ist ein liebevolles Zuhause. Denn die Tierheim-Mitarbeiter kümmern sich zwar liebevoll um die Hündin, doch bei den 30 anderen Hunden und zahlreichen anderen Tieren bleibt für die Hündin höchstens eine halbe Stunde am Tag.

„Viele Tierliebhaber unterschätzen, was es bedeutet, solch ein Angsttier bei sich zu aufzunehmen“, sagt Dirk Lehmann. Die Hündin bräuchte ein erfahrenes Herrchen, das vor allem Zeit und Geduld mitbringe. Und auch jemanden, der sich durchsetze: „Bei der Hündin bringt Mitleid jetzt nichts mehr, sie braucht einen starken Partner.“ Inzwischen sei das Tier geimpft und gechipt – die Suche nach dem Seelenverwandten kann also beginnen.

Währenddessen sucht die Polizei weiterhin nach den Tätern, die mit der Tat gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. Darin ist unter anderem festgehalten, dass es verboten ist, ein „Tier auszusetzen oder zurückzulassen“. „Wir haben bisher keine Hinweise zu der Tat. Niemand hat die Täter oder das Tier erkannt“, berichtet Matthias Lütkemüller, Sprecher des Polizeireviers Börde. Für Tierheim-Mitarbeiter Dirk Lehmann ist das seltsam: „Die Geschichte wurde deutschlandweit ausgestrahlt und niemand weiß etwas.“ Doch was zählt ist, dass es der Hündin wieder gut geht – und sie vielleicht bald ein neues Zuhause findet.