Wieglitz l „Die Tötung der 19.700 Tiere ist eine schlimme Sache. Aber die Maßnahmen, die amtlich angeordnet wurden, verhindern die Ausbreitung des Virus. Die Tiere mussten im Stall getötet werden“, beschrieb gestern Johannes Schröder, Inhaber der Putenmastanlage des Familienbetriebes Schröder in Wieglitz. Solche drastischen Maßnahmen müssen bei einer Geflügelpest ergriffen werden, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen und das Ausbreiten der Pest zu verhindern. „Wenn man täglich mit den Tieren zu tun hat, geht einem das sehr nah“, schilderte Schröder seine Betroffenheit

Rückblick: In Wieglitz war am Sonntag der Ausbruch der Geflügelpest festgestellt worden. Der Landkreis Börde hat daraufhin am Dienstag eine tierschutzrechtliche Allgemeinverfügung erlassen. Darin sind Verhaltensregeln für alle Geflügelhalter rund um Wieglitz festgeschrieben.

Seit Montag ist das Gelände zum Seuchenschutz großräumig abgesperrt. In der Nacht zum Dienstag war ein stundenlanger Großeinsatz für Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW) und Seuchenbekämpfer notwendig gewesen. Zudem war eine Spezialfirma angereist, welche für die Tötung der Tiere zuständig ist.

Die Puten wurden mit Kohlendioxid begast. Das sei eine zugelassene Methode, die den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Anschließend wurden die toten Vögel in die Tierkörperbeseitigungsanlage nach Genthin gebracht. „Die Kadaver müssen richtig entsorgt werden. Dies ist alles in Deutschland gesetzlich geregelt. Die Mitarbeiter in der Genthiner Beseitigungsanlage sind da kompetent. Die Gefahr wird so ausgeschlossen, dass die Viren in die Umwelt gelangen oder weiterverbreitet werden“, erklärte der Betreiber der Putenmastanlage.

Den Schaden kann Schröder noch nicht beziffern. „Es ist ja einmal der Wert der Tiere und dann die ganzen Kosten für die Tötung der Tiere, für die Desinfektion der Ställe und die Entsorgung der Kadaver“, zählte Schröder auf und sagte, dass er noch keinen Überblick über die Kosten habe. Das Unternehmen hat eine Tierseuchen-Versicherung. „Ansonsten wären die anfallenden Kosten für den Betrieb nicht zu stemmen“, sagte der Inhaber der Anlage.

Abbau der Dekon-Schleuse

Am Mittwoch bauten die Einsatzkräfte vom THW Oschersleben und Haldensleben, die die Aufgabe hatten, Fahrzeuge, die den Hof verlassen, zu dekontaminieren, wieder ab. Alle Gerätschaften des Fachdienstes ABC wurden zusammengepackt. Zuvor reinigten sie in der sogenannten Dekon-Schleuse noch ihre eigenen Fahrzeuge.

Der Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern um Wieglitz herum und das darüberhinausgehende Beobachtungsgebiet mit einem Radius von zehn Kilometern, den der Landkreis Börde errichtet hat, bleibt vorerst bestehen.

Alle Geflügelhalter in der Überwachungszone sind angewiesen worden, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. „Jeder Verdacht der Erkrankung auf Geflügelpest ist ab sofort umgehend dem Veterinäramt zu melden“, so Dr. Hans-Joachim Krohm, Leiter des Amtes für Veterinärwesen. Innerhalb des Sperrbezirkes, der die Ortschaften Wieglitz, Ellersell und Uthmöden umfasst, mussten Geflügelhalter dem Veterinäramt die Anzahl der gehaltenen Vögel melden. Außerdem müssen die Halter ihre Ställe sichern und dafür sorgen, dass keine tierischen Produkte oder Abfälle den Stall verlassen.

Für den Menschen bestehe keine Gefahr, so der Landkreis in seiner Mitteilung. Die angeordneten Maßnahmen dauern bis zur Aufhebung der Allgemeinverfügung an.

Jetzt folgt in Wieglitz die umfassende die Reinigung und die Desinfektion der Ställe. Betriebsfremde Personen dürfen die Ställe nur in entsprechender Schutzkleidung betreten. „Ich hoffe, dass ich irgendwann, wenn meine Anlage keine hohe Virenbelastung mehr hat, weiter produzieren darf“, blickte Johannes Schröder voraus.