Haldensleben l „Wer selbst einmal Opfer einer Straftat geworden ist oder in seinem persönlichen Umfeld unter den Folgen von Kriminalität und Gewalt zu leiden hat, braucht die Hilfe und Unterstützung seiner Mitmenschen.“ Mit diesem Satz aus ihrer Broschüre richtet sich die Außenstelle Börde des Weißen Rings an Menschen, die Opfer von Gewalt und Verbrechen geworden sind.

Zwei dieser „Mitmenschen“ sind der Leiter der Außenstelle Börde, Dieter Montag, und der ehemalige Kriminalbeamte Manfred Knechtel, der für die Präventionsarbeit beim Weißen Ring zuständig ist. Beide sind ehrenamtlich für den gemeinnützigen Verein tätig. Bei ihrem letzten Treffen im vergangenen Jahr saßen sie mit den Haldensleber Regionalbereichsbeamten der Polizei Doreen Bollert und Michael Schultka am Tisch im Mehrgenerationenhaus EHFA, um auf die von ihnen geleistete Arbeit in 2016 zurückblicken.

Prävention ist Kernaufgabe

Jeden letzten Donnerstag im Monat trifft sich der Weiße Ring in den Räumen in der Gröperstraße für Beratungen, Einzelgespräche und Präventionsveranstaltungen. „Wir begleiten Menschen zu Terminen beim Gericht, geben Hilfestellung bei Behörden, helfen in finanziellen Notlagen oder unterstützen gemeinnützige Vereine“, sagt Dieter Montag, der damit nur einen Teil seiner Arbeit beschreibt.

Selbst zu einem Mord in Wolmirstedt wurde Montag im vergangenen Jahr einmal gerufen. „Wir sprechen dann mit den Hinterbliebenen und geben Hilfestellung“, erklärt er seine Aufgaben. Um all das zu gewährleisten, sind derzeit sieben Männer und vier Frauen für den Weißen Ring in der Börde aktiv. „Gerade bei Themen wie Missbrauch oder wenn Kinder im Spiel sind, ist die Arbeit unserer Frauen sehr wichtig“, sagt Montag.

Eine der Kernaufgaben des Weißen Rings ist die Prävention, das Aufgabenfeld von Manfred Knechtel. Hier spielt Knechtel in die Karten, dass er bereits bei der Polizei als Präventionsbeauftragter tätig war. Bei Vorträgen, Projekten oder Beratungen zur Verhaltensprävention in Schulen und Kitas oder bei Senioren nahmen im vergangenen Jahr 1987 Menschen teil. Gerade bei älteren Menschen haben die Mitarbeiter es häufig mit dem sogenannten „Enkeltrick“ zu tun. Dabei wird vom Täter vorgegeben, ein sich in Not befindender Enkel zu sein, um sich das Geld der Senioren zu erschleichen.

Verein und Polizei arbeiten zusammen

Um ihre Arbeit weiterhin zu finanzieren, sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter unter anderem auf Spenden angewiesen, erklärt Dieter Montag. „Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit der Polizei in Haldensleben, Wanzleben, Oschersleben und Wolmirsted“, sagt Montag. Denn viele Opfer gehen zuerst zur Polizei. „Manfred Knechtel ist ein langjähriger Kollege von uns, bei Veranstaltungen tauschen wir uns aus – jeder hilft dem anderen“, lobt Polizeihauptmeister Schultka die gute Zusammenarbeit. Da seine Kollegin Doreen Boller vorher in der Opferschutzberatung tätig war, kennt auch sie die Arbeit des Weißen Ring bestens.

Manfred Knechtel wünscht sich künftig noch mehr „Verhaltensorientierte Prävention“. „Alle kümmern sich um die Täter – wir um die Opfer“, bekräftigt Dieter Montag.

In diesem Jahr feiert die Außenstelle Börde des Weißen Rings ihren 25. Jahrestag. Dazu wird es am 10. Oktober eine Veranstaltung im EHFA geben.

Wer sich für die Arbeit des Weißen Rings interessiert oder selbst Hilfe braucht oder leisten will, kann sich bei Dieter Montag unter der Telefonnummer 0177/621 95 09 oder Manfred Knechtel, 039201/258 27, melden.