Havelberg l Sagt jemand, auf der Stadtinsel in Havelberg sei nichts los, seit die Buga vorbei ist? Nein, sogar sonntags kann man nicht nur durch die hübsch weihnachtlich geschmückte Altstadt schlendern, in die renovierte Stadtkirche hineinschauen und eins der netten Cafés besuchen – auch eine kleine Galerie mit ansprechenden Bildern hat für die Havelberger und die Gäste geöffnet.

Man kann sich schon in die kleine Stadtinsel verlieben, das kommt immer wieder einmal vor. Nun ist das Britta Lehmann und Anke Leonhard passiert, zwei gestandenen Künstlerinnen aus Berlin. Eher zufällig und auf Umwegen erfuhren sie von den Angeboten des Kulturprojektes, kamen im Sommer daraufhin gemeinsam hierher – und sind zu ihrem eigenen Erstaunen hängen geblieben.

Reinhard Richter vom Kulturprojekt hat ihnen nun eine Möglichkeit geschaffen, auf Dauer regelmäßig hier anwesend zu sein, und schon manch interessierter Besucher der Stadtinsel hat die Wiederbelebung der kleinen Galerie an der Ecke Lange Straße/Steinstraße zufrieden zur Kenntnis genommen. Nun gibt es dort eine richtige Weihnachtsausstellung. Und der Besuch lohnt sich!

Durchweg kleine Formate

Zur Eröffnung konnte Britta Lehmann zahlreiche Gäste begrüßen. Ihr langjähriger Partner Heinz Sporkhorst (der „Dichter“ des lustigen Havel-Songs vom Sommer) gab ein lockeres Statement zur Einführung. Und die Auswahl der Bilder ist wirklich eine „Geschenktüte“. Es sind durchweg kleine Formate, meist sehr hübsch anzuschauen und sehr ansprechend präsentiert, was auch der geübten Hand des Neuhavelbergers Klaus Schröter zu verdanken ist. Es gibt Erzählerisch-Poetisches, auch Kritisches, viele Blumen, aber auch Landschaften und freie Gestaltungen.

Die nette Atmos­phäre lud zum Bummeln ein, und das kreative kleine Buffet half beim leiblichen Hunger zwischendurch – kein Wunder, dass die Besucher lange blieben.

Der überwiegende Teil der Bilder stammt von Freunden und Atelierkollegen aus Berlin, aber auch Gerhard Seidel aus Räbel und Heike Buchholz aus Schönhausen, beide aus Einzelausstellungen in Havelberg bekannt, haben sich beteiligt. Von Seidel stammen drei sensible zartfarbige Blätter, Heike Buchholz zeigt zwei kräftig-expressive Kreidezeichnungen.

Wäsche auf der Leine

Auch die Künstlerin, die letztlich den Impuls zum Havelberger Abenteuer gegeben hat, fehlt nicht: Ulla Enghu­sen malte die flächig-farbigen kleinen Blumenmotive und drei hübsche Aquarelle. Heinz Sporkhorst zeigt neben zwei Ölbildern – eins davon ist gerade erst nach einer abendlichen Fahrt durch den Havelberger Wald entstanden – ein älteres Aquarell aus einer Serie zum ersten Golfkrieg: „Wie Heuschrecken“. Daneben hängen fünf kleine Ansichten sommerlich-farbenfroher Landschaften von Barbara Pohl. Klein-, ja kleinstformatige Radierungen steuert Claudia Wiehl bei. Fünf davon, gegenstandslos oder als reduzierte Landschaften, im Eingangsbereich zu sehen. Daneben gibt es auf dem Tisch einen ganzen Kasten mit ganz niedlichen winzigen Radierungen, wie Vögel oder Wäsche auf der Wäscheleine, zum Weihnachtsgeschenkepreis. Das gilt ebenso für die dekorativen Blumenaquarelle von Magelie Gärtner: Auch hier sind neben den gerahmten Bildern viele hübsche und wahrhaft wohlfeile Blätter im bereitgestellten Kasten zu entdecken. Am Schaufenster laden drei kontrastreich-konstruktive Ölbilder von Volker Witte in die Ausstellung ein. Die havelberg-begeisterten Organisatorinnen halten sich bescheiden im Hintergrund. Anke Leonhard ist mit Fotografien und einer Grafik vertreten, Britta Lehmann zeigt ein typisch expressiv-abstraktes Großformat und zwei ganz reduzierte Blätter in Mischtechnik.

Die kleine Galerie in der Langen Straße 1 ist zum 4. Advent am Donnerstag, Freitag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet, außerdem noch einmal am 2. und 3. Januar. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht ganz sicher. Eine Bereicherung für Havelberg sind die beiden so sympathischen wie engagierten Berliner Künstlerinnen allemal.