Die meisten haben mehr als 70 auf dem Tacho

4518 Fahrzeuge wurden in der Zeit vom 13. bis 19. April in der Ortsdurchfahrt Kümmernitz durch ein Messgerät erfasst. Dabei erfolgte die Unterteilung in Pkw (3796), Lkw (363) und Lastzüge (359).

Das geltende Tempolimit von 50 Kilometer pro Stunde wurde in Richtung Breddin, von Havelberg kommend, von 32 Pkw-, 9 Lkw- und 17 Lastzugfahrern eingehalten. In der Gegenrichtung waren es 28 Pkw, 5 Lkw und 14 Lastzüge.

Im Bereich von 51 bis 70 km/h wurden Richtung Breddin 634 Pkw, 61 Lkw und 108 Lastzüge gemessen. In der Gegenrichtung waren es 407 Pkw, 13 Lkw und 49 Lastzüge.

71 km/h und schneller fuhren Richtung Breddin 1217 Pkw, 134 Lkw und 62 Lastzüge, in Richtung Havelberg waren es 1478 Pkw, 141 Lkw und 109 Lastzüge.

Schneller als 100 km/h pro Stunde waren von diesen Fahrzeugen in Richtung Breddin in den sechs Messtagen 53 Pkw sowie 10 Lkw unterwegs. In der Gegenrichtung waren es 123 Pkw, 17 Lkw und vier Lastzüge.

Die meisten Fahrzeuge – 704 – fuhren 71 bis 75 km/h, gefolgt von denen mit 76 bis 80 km/h: 696.

Die Spitze erreichte ein Pkw-Fahrer mit einem Tempo von mehr als 150 km/h.

4413 Fahrzeuge insgesamt fuhren schneller als 50 km/h in der Ortslage. Das sind 98 Prozent. Hierbei handelt es sich um 3736 Pkw, 349 Lkw und 328 Lastzüge.

Kümmernitz l Seit Jahren fordern die Kümmernitzer einen Geh- und Radweg, der es Fußgängern und Radfahrern erlaubt, sicher vom unteren zum oberen Dorf zu gelangen. Zwischen beiden Wohnbebauungen liegen einige hundert Meter Landesstraße, die viele Kraftfahrer dazu verleiten, wieder aufs Gaspedal zu treten – vermutlich, weil sie einfach meinen, dass sie sich außerhalb der Ortschaft befinden. Der stellvertretende Bürgermeister Hans-Günther Rose hatte erneut das Thema bei der Polizei angesprochen und erreicht, dass eine Verkehrsmessung vorgenommen wurde. Diese fand vom 13. bis zum 19. April statt. Die Ergebnisse liegen ihm nun vor.

„Die erschreckende Erkenntnis ist, dass 98 Prozent aller Kraftfahrer schneller als 50 km/h fahren“, sagt Hans-Günther Rose. Der Großteil ist sogar mit Tempo 70 und mehr unterwegs (siehe Infokasten). Und das in beiden Richtungen. Das Messgerät hatte rund 150 Meter hinter dem Ortsschild von Havelberg kommend gestanden. Es zeigt sich somit, dass viele Kraftfahrer schon in Höhe der Kreuzung nach Vehlgast einen ordentlichen Zacken drauf haben.

Die Frage, ob das Ortsschild wieder näher an die Bebauung herangerückt werden sollte, ist nur eine von vielen, die zu klären sind. „Ich hätte da gern eine fachliche Beurteilung, ob das so in Ordnung ist“, sagt der Kümmernitzer. Die Tatsache, dass die meisten der in sechs Tagen gemessenen 4518 Fahrzeuge deutlich zu schnell sind, sollte für alle Beteiligten – Stadt, Straßenverkehrsamt, Polizei und Landesstraßenbehörde – Anlass sein, zu handeln. „Wir sollten uns an einem Runden Tisch zusammensetzen und gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten es gibt.“ Die Polizei habe bereits Lasermessungen angekündigt.

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 Auch der Landkreis könnte seinen „Blitzer“ dort platzieren. „Doch das wäre zu wenig. Ich habe mit Lothar Pietzschmann, Bürgermeister in Jederitz, gesprochen, wo es ein ähnliches Problem gibt. Vielleicht können wir eine Geschwindigkeitsmesstafel kaufen, die dem Kraftfahrer zeigt, wie schnell er ist. Ein Smiley könnte so manchen verleiten, sein Tempo zu drosseln“, denkt Hans-Günther Rose an ähnliche Tafeln im Brandenburgischen. Denn er geht nicht davon aus, „dass wir ein Volk von Rasern sind“. Vielmehr ist es wohl die Örtlichkeit mit der langgezogenen Straße ohne Bebauung, die zum Schnellfahren verleitet. Die Geschwindigkeitstafel sollte temporär aufgebaut werden, damit sie nicht zur Routine wird.

Kein Volk von Rasern

Denkbar wären, in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht, auch Spruchbänder mit dem Hinweis „Achtung Kinder“. Oder Piktogramme auf dem Straßenbelag etwa mit einem Gefahrenzeichen. „Man muss sich zusammensetzen und den Mut auch für unkonventionelle Maßnahmen haben. Wenn das Gros die Verkehrsvorschriften missachtet, muss eine Änderung im Verhalten der Verkehrsteilnehmer das Ziel sein. Wenn wir die hohe Geschwindigkeit ein bisschen raus kriegen, wäre mir schon viel wohler“, sagt der stellvertretende Bürgermeister, der dabei auch an diejenigen Fußgänger denkt, die gern den Wanderweg vom Wasserfall durch die Breddiner Schweiz und den Wald zurück auf der Straße nutzen.

„Toi, toi, toi hatten wir noch keinen schweren Unfall in diesem Bereich. Und es sollte auch nicht erst gehandelt werden, wenn einer passiert ist“, hofft er auf baldige Lösungen. Im Kurvenbereich am Ortsausgang Richtung Breddin hatte es schwerste Unfälle gegeben. Hier ist jetzt in Kooperation mit dem Land Brandenburg eine Lösung in Arbeit.

Wann und ob überhaupt entlang der Landesstraße ein begleitender Gehweg – vom Wunsch nach einem kombinierten Weg hat sich die Ortschaft bereits verabschiedet – gebaut wird, steht noch nicht fest. Die Hansestadt hatte nach der jüngsten Sitzung des Ordnungsausschusses zugesagt, dass ein Planer die genauen Kosten prüfen werde.