Senioren

Bewohner des neuen Heimes am Dom in Havelberg haben schon ihre Lieblingsecke gefunden

Seit knapp vier Monaten herrscht wieder Leben im Gebäude des einstigen Havelberger Krankenhauses. 18 Frauen und Männer haben im neuen KMG Seniorenheim am Dom ihr neues Zuhause gefunden.

Von Andrea Schröder
An der Dommauer haben die Senioren schon ihre Lieblingsecke gefunden. Edeltraud Hampe (links) war die erste Bewohnerin in dem neuen Seniorenheim am Dom. Gern geht sie mit Betreuer Heiko Niesler (rechts) durch ihre Heimatstadt Havelberg spazieren. Zeitungsschau, Rätseln, Basteln, Spiele und andere Beschäftigungen gefallen der 83-Jährigen ebenfalls sehr gut.
An der Dommauer haben die Senioren schon ihre Lieblingsecke gefunden. Edeltraud Hampe (links) war die erste Bewohnerin in dem neuen Seniorenheim am Dom. Gern geht sie mit Betreuer Heiko Niesler (rechts) durch ihre Heimatstadt Havelberg spazieren. Zeitungsschau, Rätseln, Basteln, Spiele und andere Beschäftigungen gefallen der 83-Jährigen ebenfalls sehr gut. Foto: Andrea Schröder

Havelberg - Sie war die Erste, die sich für einen Platz im neuen KMG Seniorenheim am Dom in Havelberg angemeldet hat. Inzwischen ist das seit fast vier Monaten ihr neues Zuhause: Edeltraud Hampe fühlt sich wohl im neuen Heim. „Es ist schön hier und die Schwestern und Pfleger haben immer ein offenes Ohr für uns. Sie versuchen, es uns so schön wie möglich zu machen. Wenn wir einen Wunsch haben, wird der erfüllt“, erzählt die 83-Jährige, als sie an einem sonnigen Vormittag mit weiteren Bewohnern auf dem Hof des ehemaligen Krankenhauses unterm Sonnenschirm sitzt. An der Dommauer haben die Senioren schon ihre Lieblingsecke gefunden.

Betreuer Heiko Niesler hat ihnen gerade aus der Volksstimme vorgelesen, nun werden die Rätsel gelöst. „Wir gehen auch mal einkaufen. Ich liebe Schokolade“, verrät Edeltraud Hampe. Gern lässt sie sich im Rollstuhl spazieren fahren. Sie kann nicht mehr viel sehen und ist auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. „An kleinen Merkmalen wie zum Beispiel dem Pferdeschwanz einer Schwester erkenne ich die Menschen. Und natürlich an der Stimme.“

Mehr Abwechslung als Zuhause

„Wenn wir spazieren gehen, hat sie immer klar vor Augen, wo wir gerade sind“, sagt Heiko Niesler. Kein Wunder: Edeltraud Hampe ist Havelbergerin, hat viele Jahre als Buchhalterin bei Lia gearbeitet. Somit trifft sie oft bekannte Leute. „Einmal habe ich eine ehemalige Arbeitskollegin getroffen. Sie sagte: ,Traudchen, bis du das?’ Das war eine Freude.“ Edeltraud Hampe erzählt auch von ihrem ersten Badeerlebnis im neuen Heim. „Erst hatte ich ein bisschen Angst. Aber mit dem Lift wird man reingefahren in die Wanne. Das ist so was Herrliches.“ Sie ist froh, jetzt im Heim zu leben. „Ich habe hier mehr Abwechslung als zu Hause. Da war ich immer auf meine Familie angewiesen.“

Sie kennt das Gebäude noch als Krankenhaus. Seit September 2020 ist es geschlossen. Die KMG Kliniken haben stattdessen am 1. April dieses Jahres das Seniorenheim eröffnet. Zunächst im ersten Abschnitt mit 29 Plätzen. Von Plänen, in Havelberg ein Intersektorales Gesundheitszentrum mit einer Grund- und Notfallversorgung rund um die Uhr möglicherweise im ehemaligen Krankenhaus einzurichten, hat Edeltraud Hampe gehört. „Das wäre sehr gut.“

Pizza von Italiener

„Die Arbeit hier ist gut angelaufen. Aktuell haben wir 18 Bewohner. Mit Kurzzeitpflegen waren wir aber auch schon mal voll ausgelastet. Kinderkrankheiten gibt es in einer neuen Einrichtung immer. Das Team muss sich und mit den Bewohnern einen Rhythmus finden. Wir sind auf einem guten Weg“, berichtet Einrichtungsleiterin Janet Preis. Bei der Einarbeitung der Mitarbeiter gab es Hilfe vom Haus Goethe in Bad Wilsnack, wo sich ebenfalls ein KMG Seniorenheim befindet. Zurzeit kümmern sich sechs Pflegefachkräfte, fünf Pflegehelfer, zwei Mitarbeitende im Service, ein Betreuer sowie Mitarbeitende für Verwaltung, Haustechnik und Reinigung um den Heimbetrieb. Damit ist das Team fast vollständig. „Es ist klein und beschaulich hier. Die Mitarbeiter können sich Zeit nehmen für die Bewohner. Wir unternehmen sehr viel spontan, richten uns nach den Wünschen der Senioren.“ Diese gehen sehr gern in das Café und den Garten der Domkurie D8 gegenüber vom Heim. Bei einer Spazierrunde besuchten sie kürzlich den Dom. Auch der Klostergarten ist einen Ausflug wert.

Wenn sie mal nicht das normale Mittag essen möchten, können sie beim Italiener Pizzen bestellen. Auch gegrillt wurde schon zum Mittag. Vor einigen Tagen feierten die Bewohner ihr Sommerfest mit Musik, Tombola und Grillen. Dazu waren auch Angehörige eingeladen. Für den 24. August ist eine Schiffstour auf der Havel geplant.

Bau der Terrasse wird vorbereitet

Derzeit laufen die Planungen für den Terrassenbau am Gebäude der alten Propstei. „Dafür holen wir gerade Kostenvoranschläge ein“, berichtet Janet Preis von der Gestaltung des Hofes.

„Es gefällt mir hier“, sagt Hans Wolff. Weil er seit seiner Gürtelrose im Frühjahr nicht so gut hören kann, bleibt er oft lieber allein auf seinem Zimmer, denn Unterhaltungen in der Gemeinschaft sind schwierig. Auch das Lesen fällt ihm schwer. Dafür nutzt er, ebenso wie fürs Rätseln, eine Lupe. „Ich hoffe, dass es wieder besser wird“, sagt der 89-Jährige. Er war 62 Jahre im brandenburgischen Breddin zu Hause. „Ich bin also ein halber Ausländer“, scherzt er. Havelberg kennt er aber gut. Wie Edeltraud Hampe gehört er zu den ersten Bewohnern des neuen Heimes. Ihm gefällt sein Badezimmer, wo er dank der barrierefreien Ausstattung mit Griffen und Hocker wunderbar allein zurechtkommt. „Ich hab hier alles, was ich brauche.“

Hans Wolff liest gern und löst Kreuzworträtsel. Er hofft, dass er dafür bald wieder ohne Lupe auskommt.
Hans Wolff liest gern und löst Kreuzworträtsel. Er hofft, dass er dafür bald wieder ohne Lupe auskommt.
Foto: Andrea Schröder