Schönhausen l Erste Lockerungen bei den Corona-Vorschriften werden ab heute wirksam. Die Volksstimme hat darüber mit dem Schönhauser Bürgermeister Jürgen Mund gesprochen.

Bund und Land lassen erste Lockungen der Corona-Vorschriften zu – erfüllen diese ihre Erwartungen?
Um die bisherige erfolgversprechende Strategie zu halten und weiter einen abgesicherten Weg zu gehen, gab es meiner Ansicht nach grundsätzlich bezüglich der Maßnahmen keine großen Überraschungen. Somit haben sich meine Erwartungen erfüllt. Insgeheim bestand natürlich die Hoffnung, dass es Erleichterungen gerade für die kleinen Unternehmen geben würde, was allerdings zum jetzigen Zeitpunkt wenig realistisch war. Lichtblicke sind, dass Friseure bald wieder arbeiten können und auch die Blumenläden öffnen dürfen.

Öffnet auch die Bibliothek?
Nein, sie bleibt zunächst geschlossen. In Absprache mit unseren beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen wollen wir kein Risiko eingehen. Zudem lässt die Verordnung derzeit auch noch keine Öffnung zu.

Wie sieht es mit dem Bismarck-Museum aus...
Das ist ja ohnehin schon seit Ende letzten Jahres geschlossen. In naher Zukunft werden wir mit der Stiftung besprechen, wie es dort weiter geht. Die erwarteten Mittel vom Land für das Personal sind im Haushalt des Landes jedenfalls eingestellt. Ich bleibe zuversichtlich, dass wir in dieser Saison noch Touristen begrüßen können.

Großveranstaltungen mit über 1000 Besuchern sind bis Ende August nicht gestattet. Was bedeutet das für das Reitturnier Mitte Juni?
Wir haben das diesjährige Turnier noch nicht abgeschrieben. Es wäre für alle – Reiter, Zuschauer und auch und als Verein – zu schade, wenn es ausfallen müsste. Es sind noch viele Dinge offen. Die Ausschreibung für den sportlichen Ablauf haben wir so geändert, dass wir bis Anfang Mai ohne Nachteile die Veranstaltung absagen können. Wir sehen uns nicht als Großveranstaltung, die als solche ja erst mit über 1000 Zuschauern zählt.

Der alljährlich von Berbel Wischer organisierte Kinderlauf, der von Anfang April auf das erste Mai-Wochenende verlegt worden ist, dürfte wegen des Kontaktverbotes bis 3. Mai dann auch ausfallen?
Ja leider, so ist es. Schade! Über einen Ersatztermin gibt es noch keine Planung.

Ganz planmäßig soll Anfang Mai der Bau des Kindergartens starten – ein positives Signal für die Gemeinde ...
Auf jeden Fall. Das ist ein Lichtblick in diesen schwierigen Zeiten. Das neue Spatzennest wird dringend gebraucht, wir warten schon so lange darauf.

Was ist mit dem Supermarkt?
Da ist mit unserer Zustimmung zum „vorhabenbezogenen vorzeitigen Bebauungsplan ,Lebensmittelmarkt Wiesengrund 1 zur Errichtung eines Lebensmittelmarktes‘ ein weiterer Schritt getan. Für den Rat ist es derzeit problematisch, öffentliche Ratssitzungen abzuhalten, ohne Jemanden zu gefährden und die geforderte Öffentlichkeit herzustellen. So muss die eine oder andere Entscheidung etwas länger auf sich warten lassen. Dieser Beschluss aber duldete keinen Aufschub. Im sogenannten vereinfachten Verfahren hat der Rat aus dringenden Gründen den Beschluss herbeigeführt. Die Ratsmitglieder und ich als Bürgermeister stimmten einzeln in schriftlicher Form ab. Das Ergebnis: 14 Ja-Stimmen, keine Nein-Stimmen, eine Enthaltung. Somit wurde der Beschluss angenommen und der Investor kommt weiter voran.

Die Bauhofmitarbeiter haben bedingt durch den Aufwuchs der Vegetation in den nächsten Wochen viel zu tun. Für die Pflege der vielen Grünanlagen steht keine Hilfe über den zweiten Arbeitsmarkt zur Verfügung – wie ist das also zu schaffen?
Unser Bauhof Schönhausen/Hohengöhren ist mit den drei festangestellten Mitarbeitern sowie Mitarbeitern aus Maßnahmen nach derzeitigem Stand in der Lage, alle Arbeiten durchzuführen.

Eigentlich sollte im April der Park-Förderverein gegründet werden?
Das konnte bedingt durch die Situation noch nicht erfolgen. Sobald Versammlungen unter den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen wieder möglich sind, kurbeln wir das an. Vor allem Peter Hackel und Gottfried Bauch als Ratsmitglieder sind hier sehr engagiert.

Sportplätze, die beiden Sporthallen, Dorfgemeinschaftshäuser, Jugendklubs und Seniorentreffs, Spielplätze – alles noch geschlossen. Welche Hoffnung hegen Sie?
Dass es bald langsam und unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen wieder los geht. Verwaiste Spiel- und Sportplätze zu sehen, ist nicht schön. Und der Betrieb in unserer neuen Sporthalle ist auch so gut angelaufen. Ein bisschen müssen wir uns noch gedulden.

Die Schönhauser Gewerbetreibenden sind ein Garant in der Dorfgemeinschaft, unterstützen Veranstaltungen und sichern Steuereinnahmen. Etliche Betriebe, beispielsweise die Gaststätten in Schönhausen und Hohengöhren ohne Aussicht auf baldige Wiedereröffnung, haben zum Teil erhebliche Einbußen und sind wegen der verordneten Schließung sogar in ihrer Existenz bedroht. Welche Botschaft haben Sie an die Selbstständigen?
Wir müssen uns alle solidarisch zeigen und dürfen auf keinen Fall die Hoffnung verlieren! Vor fast sieben Jahren hat die Gemeinschaft nach dem Deichbruch gezeigt, wie wichtig in der Not der Zusammenhalt ist und wie gut das auch funktioniert. Die Existenzängste sind mehr als nachvollziehbar und verständlich. Für alle Betroffenen kann man nur die Daumen drücken, dass die Normalität bald wieder Einzug hält und alle Betriebe erhalten bleiben. Der Staat hat umfangreiche finanzielle Unterstützung zugesagt, die hoffentlich greift. In unserer Gemeinschaft können und wollen wir niemanden missen. Wir benötigen alle Unternehmer, um auch in Zukunft füreinander da zu sein. Alle waren und sind für unser Gemeinwohl unentbehrlich!