Havelberg l Schneeglöckchen recken ihre Köpfe hervor, sie stehen inmitten der Beete auf dem alten Domfriedhof. Bald werden auch andere Frühblüher ihre Blüten zeigen. Damit sie genug Platz zum Wachsen haben, haben Mitglieder und Helfer des Heimatvereins Havelberg die Beete vom restlichen Laub befreit. Mit Harken und Hacken gingen sie am Montag ans Werk und beseitigen auch Unkraut und Wildwuchs. Über die Wintermonate hatte sich schon wieder etliches an Laub angesammelt, obwohl doch im vergangenen Herbst bei mehreren Arbeitseinsätzen schon jede Menge davon eingesammelt worden war .

Die Frauen und Männer um den jetzt stellvertretenden Vorsitzenden des Heimatvereins Hans-Jürgen Nisch beschnitten auch die Sträucher und säuberten die Wege.

Das ehemalige Buga-Gelände, auf dem 2015 die Friedhofsausstellung stattgefunden hatte, erhält bald auch wieder die Bänke und lädt Spaziergänger zum Verweilen ein. Die Havelberg-Bänke, die anlässlich der Bundesgartenschau nach einer alten Zeichnung hergestellt worden waren, werden demnächst aufgestellt, berichtet Hans-Jürgen Nisch.

Bilder

Vier Versionen zum Stein

Besucher finden dann auch das Spätheimkehrerdenkmal dort vor. Steinmetz Reinhold Rogge hat es restauriert und kurz vor Silvester mit Mitgliedern des Heimatvereins aufgestellt. „Es war eine seiner letzten Arbeiten, bevor er vor kurzem leider verstorben ist“, ist Hans-Jürgen Nisch traurig.

Die Restaurierung des Spätheimkehrerdenkmals stand schon lange auf der Agenda des Heimatvereins. Der Stein, um den sich verschiedene Legenden ranken, stand ursprünglich auf dem Jungfernfriedhof. In früheren Zeiten war dies der Bürgerfriedhof. Als der Jungfernfriedhof im Bereich der Soldatengräber erneuert wurde, war für diesen Stein kein richtiger Platz mehr. Er stand abseits an der Mauer und der Zahn der Zeit hatte an ihm genagt, eine Ecke war abgebrochen. Jetzt zeigt er sich fast wie neu. Das in Stein gehauene Bild zeigt einen Mann, der unter einer Eiche liegt. Er ist tot, vermutlich erfroren. Vier Versionen gibt es zur Entstehungsgeschichte des Denkmals, berichtet der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Eine Legende besagt zum Beispiel, dass es ein Wanderbursche auf der Walz gewesen sei, der hier weder Unterkunft noch Essen bekommen habe. Er habe sich unter die Eiche gelegt und mit Laub bedeckt und sei in einer kalten Herbst- oder Winternacht erfroren. Das hält Hans-Jürgen Nisch allerdings für unwahrscheinlich, denn die Handwerksmeister waren verpflichtet, den Wanderburschen Unterkunft, Arbeit und Essen zu geben. Als am Wahrscheinlichsten gilt die Variante, dass ein Havelberger, der 1812 beim Russlandfeldzug Napoleon mit gekämpft hatte, nach dem langen Weg zurück völlig erschöpft ankam und sich zum Schlafen unter einen Baum gelegt hatte, wo er dann erfroren ist. Die Volksstimme wird die Versionen noch einmal gesondert vorstellen. Heimatforscher Helmut K. J. Knopf hatte sie bereits vor einigen Jahren beschrieben.

Büsche werden gepflanzt

Damit Besucher des Domfriedhofes wissen, was es mit dem Stein auf sich hat, will der Heimatverein noch ein kleines Schild mit kurzen Informationen anbringen. Das ist auch noch für die Seejungfrau geplant. Das neu angefertigte hölzerne Relief war im Dezember vorigen Jahres in Erinnerung an die Legende um die Schnitzkünste von Zar Peter am alten Backhaus in der Havelstraße in Havelberg wieder angebracht worden.

Für den Domfriedhof ist in diesem Jahr noch geplant, neue Büsche zu pflanzen, die zu verschiedenen Zeiten ihre Blütenpracht entwickeln. „Wir haben einen Sponsor gefunden, der die Pflanzen bezahlt und auch die Pflege durch Herrn Strawinski“, erzählt Hans-Jürgen Nisch.