Elbe-Havel-Land l Schon in der Elbe beim Start in Havelberg zeichnete sich ab, dass in diesem Dürrejahr 2018 so manches außergewöhnlich werden sollte: Die Schleuse passierte mit den Wasserwanderern vom Juze ein Schiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes, dessen Besatzung auf der Elbe den Wasserstand messen sollte. Die Schiffsschraube wühlte den Modder nach oben, gemessen wurde ein Wasserstand in der Fahrrinne von 1,13 Metern.

Für die Schifffahrt reicht dieser Wasserstand schon lange nicht mehr, weshalb die Paddler auf dem Fluss unter sich blieben. Auf der ersten Etappe bis hoch nach Cumlosen begegneten sie lediglich drei Freizeitskippern, einer steuerte sogar gerade eine Sandbank an. Alle Buhnen lagen frei, die Sandstrände waren etliche Meter breit.

Nur 38 Zentimeter bei Dömitz

Am niedrigsten war der Wasserstand mit 38 Zentimetern bei Dömitz, wo die Paddler am zweiten Tag in die Elde einbogen. Entsprechend groß war mit etwa drei Metern der Hub in der Dömitzer Schleuse.

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In Bootshaus Cumlosen hatten die jungen Paddler letztmals vor fünf Jahren auf der Tour nach Wismar übernachtet, damals hatte man gerade die große Flut überstanden. Dieses Jahr verfolgte sie also das andere Extrem. In dem Komplex am Cumloser Elbdeich war in der DDR übrigens die Grenztruppe einquartiert – ein Wachturm kündet noch immer davon, dass hier einst die Elbe als Grenze die beiden deutschen Staaten teilte.

Anspruchsvolle Etappen zu Beginn

Mit 50 Kilometern war die erste Etappe recht anspruchsvoll, doch kam man wegen der Strömung auf der Elbe gut voran. Auch die zweite Etappe hatte es mit 54 Kilometern in sich, zumal lediglich 20 Kilometer davon auf der Elbe zurückgelegt wurden. Ziel war Eldena am Elde-Müritz-Kanal.

Auf dieser künstlichen Wasserstraße ging es auch auf der dritten Etappe weiter, übernachtet wurde in Neustadt-Glewe im Schatten der alten Burg. Diesmal wurden 31 Kilometer zurückgelegt, was in der sengenden Hitze aber auch kein Zuckerschlecken war. Deshalb war es eine willkommene Abwechslung, einige Kilometer gegen die Strömung in der ursprünglichen Elde zu paddeln, welche neben vielen engen Kurven auch schattenspendende Bäume aufwies.

Der Eldekanal, auf welchem anderntags weiter gepaddelt wurde, mündet in den Störkanal, welcher den Schweriner See mit der Müritz verbindet. Am Südufer des Schweriner Sees schlugen die Paddler ihre Zelte auf, von hier aus bot sich ein toller Blick auf die Silhouette der Landeshauptstadt.

Schweriner See am Limit

Wegen der langen Trockenheit war auch der Wasserstand des Schweriner Sees um 40 Zentimeter abgesenkt worden. – Mehr ging nicht, da das Schloss auf Holzpfählen steht, welche nicht austrocknen dürfen. Der niedrige Wasserstand zwang die Paddler nach dem Umsetzen vom See in die Warnow zur Änderung der Planung, denn die ursprüngliche Einsatzstelle war wegen Niedrigwassers gesperrt. So waren neben den sieben Kilometern auf dem See nur noch 14 Kilometer auf der Warnow zu paddeln.

Ziel war der Rastplatz in Weitendorf, wo die erschöpften Paddler eine unruhige Nacht erleben mussten: Ringsum wurde bis in den frühen Morgen gefeiert, neben ihren Zelten loderte sogar ein Feuer.

Ziel der sechsten Etappe war Bützow, wo die vielen Wassergrundstücke beeindruckten. Zuvor musste in der Warnow jedoch bei Groß Görnow nochmals zeitaufwendig umgesetzt werden, denn 6,5 Kilometer waren gesperrt. Übernachtet wurde nach 31 Kilometern beim Kanuverein am See.

Ruhetag in Rostock

Zehn Kilometer länger war die letzte Etappe, welche zum Tourziel nach Rostock führte. Hier wurde ein Ruhetag eingelegt, wobei auch in der Ostsee gepaddelt wurde. Tourenleiter Stefan Kertz – er war kurzfristig für den erkrankten Rolf Müller eingesprungen – verteilte am letzten Abend die Shirts, welche auch noch Jahre später an die Tour erinnern sollen.

Unter den 15 jungen Paddlern befanden sich mit Mona Urbahn aus Wust und Victoria Roloff aus Schönhausen auch zwei erfolgreiche Ruderinnen. Sie trainieren seit drei Jahren in Tangermünde, das Paddeln war für sie ein Ausgleich. Victoria fand die kurvenreiche alte Elde besonders toll. Mehrfach dabei war der Klietzer Ferras Butenschön, er fand den Schweriner See am besten. Neuling war hingegen ­Joel Neumann vom Hohengöhrener Damm, er fand den Zusammenhalt in der Gruppe und das Essen am besten.