Sandau l Das Kürzel „ABC“ steht bei der Feuerwehr nicht etwa für das Alphabet, sondern für atomare, biologische und chemische Gefahrstoffe. Vier Aktive der Feuerwehr Sandau haben eine Ausbildung zu ABC-Einsätzen absolviert, Martin Oelsner und Christian Wulfänger sind sogar ABC-Führungskräfte. Ersterer hatte jetzt die Ausbildung in der Wehr geleitet, welche in zwei Durchgängen erfolgt war.

Matthias Zepernick und Kai Völkel hatten die blauen Vollschutzanzüge als erste übergestreift – wobei mindestens zwei Helfer vonnöten sind. Die angenommene Lage: Ein Bastler war in einer Garage umgefallen, die Wehr musste der Polizei Amtshilfe leisten und die Lage erkunden. Dazu gehört die Identifikation des ausgetretenen Stoffes und dessen Konzentration. Luftproben wurden mittels einer Pumpe genommen, auf welche fünf Prüfröhrchen vom Simultan-Testkit gesteckt waren.

Verständigung mit Handfunk sehr mühsam

Das Ergebnis wurde über Sprechfunk durchgegeben: Es handelte sich um einen flüssigen aromatischen Kohlenwasserstoff namens Tuluol, welcher unter anderem auch im Benzin enthalten ist. Wegen des niedrigen Flammpunktes besteht hierbei erhöhte Explosionsgefahr. Der gemessene „Einsatztolerenzwert“ lag bei 560 ppM (Teilchen pro Million), womit klar war, dass kein Atemschutz mehr nötig war.

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Das Problem bei der Verständigung: Diese erfolgte über Handsprechfunkgeräte, welche unter Vollschutz wegen der Handschuhe nur äußerst mühselig bedient werden können. Besser wäre eine Sprechgarnitur, welche nur gedrückt werden muss. „Solche ist hier unbedingt erforderlich“, erklärte Martin Oelsner.

Mit Kübelspritze dekontaminiert

Nach dem Einsatz werden die ABC-Erkunder dekontaminiert, was in Sandau durch eine Kübelspritze erfolgte. Das „kontaminierte“ Wasser wurde in einem Behälter aufgefangen. Auch beim Auskleiden waren wieder Helfer vonnöten, wobei diese den Anzug nur an den Außenseiten berühren durften, die Einsatzkräfte hingegen nur von innen. Letztere waren nach dem Aufenthalt bei 24 Grad Celsius in der „Ego-Sauna“ schweißnass gebadet.

Beim zweiten „Einsatz“ zogen sich Anne-Christin Bahr und Martin Oelsner die Anzüge über, sie mussten zu einem „Transportunfall“, wobei Salzsäure ausgetreten war. Thomas Gerstmann war als Atemschutz-Überwacher eingeteilt, er notierte in gewissen Abständen den Druck der beiden Pressluftflaschen.

Die Anzüge für die Ausbildung samt Zubehör hatten sich die Sandauer aus der Feuerwehrtechnischen Zentrale Arneburg (FTZ) geborgt. In Sandau selbst hängen vier solcher Anzüge, sie wurden von Klietz übernommen, nachdem dort der Rüstwagen ausgemustert worden war. Ebenso verhielt es sich mit dem entsprechenden Prüfgerät. Angezogen hatten die Anzüge ausgebildete Atemschutzgeräteträger, wovon es unter den 28 Sandauer Aktiven sieben gibt.

Die Ausbildung erfolgte mit Masken, da die Abstände im Gerätehaus schlecht eingehalten werden können. Mit Blick auf die Pandemie wurde auch informiert, wie man Desinfektionsmittel selbst herstellt – nämlich mit Peressigsäure, Seife und Wasser.

Martin Oelsner hatte am Ende noch einen Tipp für die Praxis parat: Natrium sollte man auf keinen Fall mit Wasser löschen – es reagiert dann recht heftig.