Sandau l „Ein großes Problem ist die Einsatzbereitschaft am Tage, viele unserer 25 Aktiven arbeiten auswärts oder in Firmen, wo sie nicht weg können“, begann Stadtwehrleiter Alexander Bahr seinen Bericht auf der Jahreshauptversammlung in Sandau. Neue Mitglieder seien also dringend nötig, wobei Stadt und Verbandsgemeinde unterstützen sollten.

Insgesamt hat die Wehr derzeit 56 Mitglieder, neben den Aktiven sind dies sechs Altersmitglieder, Ehrenmitglied Berta Meyer sowie der Nachwuchs, welcher sich in sieben Jugendwehrmitglieder und 17 in der Kinderwehr untergliedert.

Der erste Einsatz in 2018 führte am 26. März zur Beseitigung einer Ölspur nach Havelberg, vier Tage später ging es erneut dort hin, in der Lindenstraße qualmte es aus einem Dachgeschossfenster. Im Juni gab es einen Entstehungsbrand in Wulkau, am 1. Juli eilten 15 Aktive zum Müllerhafen, wo jemand Brandgeruch festgestellt hatte – dieser kam aber von der anderen Elbseite.

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Brandstiftung am Wald bei größter Trockenheit

Am Parkplatz an der B 107 am Wald nahe Wulkau brannte am 19. Juli in der größten Trockenheit nachts ein Toilettenhäuschen. Tags darauf ging es zum gemeldeten Garagenbrand nach Havelberg – hier wurde aber nur gegrillt. Am 19. Oktober brannte ein Papierkorb am Pflegeheim, der letzte Einsatz führte am 22. Dezember zur Fähre, wo ein Auto in der Elbe versunken war. Im Schnitt rückten neun Aktive aus.

Ebenso viele Kameraden nehmen im Schnitt auch nur an der Ausbildung teil, welche alle zwei Wochen stattfindet. „Das kann so nicht bleiben“, resümierte der Wehrleiter. Denn so kann man die von der Versicherung geforderten 40 Ausbildungsstunden im Jahr nicht schaffen. Besser war die Beteiligung an Weiterbildungen: Zwei Sandauer waren zur ABC-Ausbildung, zwei zum Funklehrgang und drei Aktive absolvierten den Lehrgang in der technischen Hilfe.

125. Jahrestag gefeiert

Gemeinsam mit dem Förderverein beteiligte man sich am Pfannkuchenlauf oder dem Volleyballturnier, wobei der erste Platz belegt wurde. Groß aufgezogen wird immer das Osterfest, zum ersten landesweiten Tag der Feuerwehr am 26. Mai öffnete man auch im Sandauer Gerätehaus die Tore. Das 125-jährige Bestehen wurde am 30. Juni im kleinen Kreis gefeiert, zum Oktoberfeuer gab es einen gut besuchten Umzug – weshalb letzterer dieses Jahr am Rathaus starten soll.

Stolz ist der Wehrleiter auf die gute Nachwuchsarbeit, ein Dankeschön ging an Kinder- und Jugendwartin Mandy Schäler sowie ihre Helfer Michael Kronefeld, Niklas Schäler und Matthias Rauberg. Ein weiteres Dankeschön empfing Bernd Kandner, der Vorsitzende des Fördervereins opferte viele Stunden Freizeit, um den von seinem Verein beschafften Kleinbus herzurichten.

Sorgen bereitet der vom Stendaler Feuerwehrmuseum geliehene W 50-Tanker, welcher im Vorjahr wegen defekter Bremsen und Ölverlust insgesamt 17 Tage abgemeldet war. Zudem gab es etliche kleinere Reparaturen. Die Aktiven sind inzwischen fast alle mit normgerechter Bekleidung ausgerüstet. Acht neue Uniformen gab es im Vorjahr, auf jene für die Jugendwehr wird bereits seit zwei Jahren gewartet.

Boot der Wehr taugt nicht für die Elbe

Die Vorbereitung der Gruppenführer auf die Dienstabende werde immer besser, lobte der stellvertretende Wehrleiter Bernd Kandner in seinem Bericht. Gut an kam die gemeinsame Ausbildung mit Wulkau und Schönfeld zum Thema Schornsteinbrände, in Fischbeck hatte eine Waldbrandausbildung für Führungskräfte stattgefunden und Martin Oelsner und Christian Wulfänger arbeiten nun in der ABC-Fachgruppe der Kreisbereitschaft mit.

Zum vor zwei Jahren in Betrieb genommenen Boot der Wehr kam jetzt die Mitteilung, dass es für den Einsatz auf der Elbe nicht tauge. Laut Analyse ist ein entsprechendes Boot für die Elbestadt vorgesehen – was angesichts der bislang glimpflich ausgegangenen Fährunfälle in letzter Zeit möglichst rasch erfolgen sollte.

Seit Jahren warten die Sandauer auf ein neues Einsatzfahrzeug – im Ort existiert immerhin der größte Produktionsbetrieb der Verbandsgemeinde mit entsprechendem Gefahrenpotenzial. Unterm Vertrag mit der Verbandsgemeinde zum vom Verein angeschafften Transporter fehlt noch immer die Unterschrift der Bürgermeisterin. Ein Problem ist die Löschwasserversorgung an der Schule, auch ein Brunnen im Wulkauer Weg ist seit längerem defekt.

In der Wehr und beim SCC aktiv

Mit stehenden Ovationen dankten die Anwesenden bei den Ehrungen einem Mitglied, was der Wehr seit 60 Jahren die Treue hält: Gerhard Biene-mann. Bürgermeister Henry Wagner nahm dies zum Anlass, ihn mit einem Eintrag ins Goldene Buch zu ehren: „Sowohl als aktives Mitglied der Feuerwehr als auch als Vorstandsmitglied des Fördervereins erledigt er die gestellten Aufgaben vorbildlich und gewissenhaft.“ Auch bei Arbeitseinsätzen fehlte er nie und wirkte zudem über Jahre im Karnevalverein SCC mit.

Als er 1959 in die Wehr eintrat, war Herbert Müller deren Leiter gewesen, erinnerte sich der Geehrte. Damals befand sich das inzwischen abgerissene Gerätehaus noch in der Osterburger Straße, für den Nachfolgebau in der Breiten Straße habe er selbst mit Steine geputzt. Weil die Garage dort zu kurz war, musste die Vorbaupumpe beim Opel-Blitz abgebaut werden. Der Schlauchturmbau folgte erst später.

Gerhard Bienemann erinnert sich noch gut an manch große Einsätze – wie die Scheunenbrände in der Jederitzer und der Havelberger Straße, den Brand der neu errichteten Kaufhalle oder des Dränrohrwerkes in Havelberg.