Sandau/Havelberg l In der Sandauer Triftstraße war kürzlich Ungewöhnliches zu beobachten: Verschiedene Hunde gingen hier auf Spurensuche. Dazu bekommen sie ein Arbeitsgeschirr angelegt und eine Geruchsprobe vorgesetzt. An der langen Leine wird dann die Geruchsspur verfolgt.

Nicht nur in der Elbestadt wurde geschnüffelt, sondern auch in den umliegenden Orten – bis hin nach Tangermünde. Ausrichter des sechstägigen Mantrailing-Seminars war wieder die German Bloodhound Mantrailing Association (GBMA). Doch sind es nicht nur Bluthunde, welche auf Personensuche gehen. Die 24 Teilnehmer des Seminars, welches im Havelberger Mühlenholz-Gasthaus stattfand, hatten neben sieben Bloodhounds auch Deutsche und Belgische Schäferhunde, Weimaraner, Beagles sowie weitere Jagd- und Gebrauchshunde mitgebracht.

Zum Start gab es einen schriftlichen Test

„Begonnen wurde gleich mit einem schriftlichen Test“, informierte Ariane Conrad-Milke, im GBMA für die Aus- und Weiterbildung zuständig. Damit wollten die Ausrichter prüfen, ob bei den Hundeführern gewisse Vorkenntnisse vorhanden sind. Dann folgte nur noch die praktische Ausbildung, wobei auch zwei Trainer aus den USA halfen – darunter der Ex-Polizist Jerry Nicols, welcher seit Anbeginn in Havelberg dabei ist. Er ist zugleich Vorsitzender der LEBA, der Schwesterorganisation der GBMA in den Vereinigten Staaten.

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Die zu prüfenden Vierbeiner wurden – und das war dieses Jahr erstmalig – das gesamte Seminar über begutachtet. So konnten sich die Trainer einen Gesamtüberblick verschaffen, nicht jeder Tag ist schließlich gleich. Die praktische Ausbildung fand in drei Gruppen statt.

Im Jahr finden übrigens zwei GBMA-Seminare statt, jenes im Frühjahr ist in Gera-bronn in Baden-Württemberg. Hier nehmen zumeist Hundeführer aus Süddeutschland teil. Einige sind aber auch bei beiden Seminaren dabei.

Teilnehmer aus ganz Deutschland

Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland, unter anderem von der Feuerwehr, der Lebensrettungsgesellschaft DLRG, dem Arbeiter-Samariterbund und den Johannitern. Unterbracht waren die Hundeführer neben dem Mühlenholz auch in umliegenden Pensionen. Ein Dankeschön von Ariane Conrad-Milke geht an die Mühlenholz-Wirtin, welche nach Kräften unterstützte.

Gerade in diesem heißen Sommer wäre ein Training schlecht gewesen, jetzt ist das Wetter mild und feucht, für die Hunde aller Altersklassen also ideale Bedingungen. Bei über 30 Grad Celsius haben die Supernasen Probleme, ebenso bei strömendem Regen. Ansonsten kann solch Hund eine Person sogar in einem fahrenden Auto über etliche Kilometer „erschnüffeln“.

14 Hunde in der Staffel

Einer der Hundeführer kommt aus Marlishausen in Thüringen: Stefan Happ arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in Erfurt. Die Arbeit als Hundeführer versieht er jedoch vollkommen ehrenamtlich, die Rettungshunde- und Ortungstechnik-Staffel in Marlishausen hat 14 Flächen- und Personensuchhunde, davon drei geprüfte. Der Lkw ist mit Drohnen sowie Suchtechnik für verschüttete Personen ausgestattet und das Team kann bis fünf Tage autark arbeiten.

Der Bloodhound von Stefan Happ heißt „Abby“ – wie die Hauptdarstellerin in der amerikanischen Krimireihe „Navy CIS“. Ein Achtel der Hirnmasse dieser Hunde ist nur für Gerüche zuständig, weitaus mehr als beim Menschen. Dieser hat fünf Millionen Riechzellen in seiner Nase, der Hund zwischen 220 und 300 Millionen. Oder anschaulicher: Der Mensch hat eine stecknadelkopfgroße Riechschleimheit, beim Hund ist sie umgerechnet so groß wie ein Tennisball.

Vom Bluthund sagen die Fachleute, er sei ein „Autist“ bei der Suche: Entweder er findet das Suchobjekt oder er stirbt vorher.