Elbe-Havel-Land l  Und weil sie so unter Stress stehen, können sie sich nicht mehr so leicht gegen Schädlinge zur Wehr setzen . Der Blaue Kiefernprachtkäfer und die Forleule stehen unter besonderer Überwachung.

 „Da ist einer!“ Revierförster Roland Eckert muss nicht lange suchen, bis er bei einer Kontrollfahrt durch den Wald bei Klietz einen „verdächtigen“ Baum sieht. Er stopp sein Auto und geht zu der Kiefer, die mit bröckelnder Rinde kläglich aussieht. „Da ist er!“ Er hat ein Stück der lockeren Rinde abgebrochen und schon reckt sich ihm die zwei Zentimeter lange, weiße Larve des Blauen Kiefernprachtkäfers entgegen. Dieser Forstschädling bereitet Roland Eckert zunehmend Sorgen. „Dieser Käfer ist immer da, scheint sich aber derzeit stark zu vermehren. Denn in den Wäldern mit Bäumen, die nach Hitze und Wassermangel im vergangenen Jahr geschwächt sind, haben sie sozusagen leichte Beute.“

Der Blaue Kiefernprachtkäfer entwickelt sich vom Ei bis zum fertigen Käfer in zwei Jahre und richtet in zwei Phasen Schaden an: Die ein Jahr alten Altkäfer haben im Herbst Eier in der Rinde abgelegt. Daraus sind jetzt im Frühjahr Larven geworden – gefräßige Larven. Sie futtern sich durch die dicke Rinde und zerstören dabei die Wassergänge. Die Larven des vergangenen Jahres sind nun Käfer, stehen quasi in den Startlöchern und begeben sich bei den nächsten warmen Sonnenstrahlen auf Hochzeitsflug – bereit, neue Eier in den Rinden abzulegen.

Bilder

Rinde muss aus dem Wald

„Es gibt nur eine Möglichkeit, etwas gegen den Kiefernprachtkäfer zu tun. Die befallenen Bäume müssen samt Rinde – das ist ganz wichtig – raus aus dem Wald. Die Waldbesitzer müssen ihre Bestände genau kontrollieren, auch ich weise sie darauf hin, wenn mir ein vermehrter Befall auffällt. Aber in erster Linie ist es die Aufgabe der Besitzer, sich darum zu kümmern und Sorge dafür zu tragen, dass sich der Schädling nicht ungehindert ausbreiten kann“, weist Roland Eckert auf die Pflicht der Waldbesitzer hin.

Und es gibt neben Kiefernprachtkäfer und anderen Kiefernborkenkäfern noch einen Schädling, der im Auge behalten werden muss: die Forleule. Ihre Entwicklung wird derzeit mit einer Fallenkontrolle überwacht, es gibt „Verdachtsmomente“ die auf eine überdimensionale Entwicklung hinweisen. Bei der Winterbodensuche wurden vermehrt Puppen gefunden.

An verschiedenen Stellen vor allem in Wäldern bei Klietz und Scharlibbe sind Fallen mit Lockstoffen aufgehängt, der Förster kontrolliert sie regelmäßig und leitet die Zahlen der gefangenen Falter an das Betreuungsforstamt Genthin weiter. Die Forleule ist ein Schmetterling, der von März bis Juli fliegt. Die Eier werden in den Kronen der Kiefern abgelegt. Sobald die Raupen schlüpfen, fangen sie an zu fressen – zuerst die zarten Maitriebe, dann die Altnadeln. Die Forleule ist bereits unterwegs, wird aber mit Einsetzen höherer Temperaturen aktiver werden. An Bäumen ist der Befall zu sehen, wenn die Kronen lichter werden.

„Es ist nicht so, dass wir in Anbetracht der Situation in Panik geraten. Aber wir müssen wachsam sein“, mahnt der Revierförster, der für den Bereich zwischen Fischbeck im Süden und Schönfeld im Norden der Elb-Havel-Region für rund 6500 Hektar Wald zuständig ist. „Die Folgen der Dürre 2018 sind längst nicht abzusehen und wir müssen hoffen, dass sich die Wälder mit optimalen Bedingungen in diesem Jahr erholen. Eine längere Frostperiode im zurückliegenden Winter hätte geholfen, dass die Bäume eine wirkliche Ruhephase einlegen könnten – das war nicht der Fall. Und die warmen Tage Mitte Februar haben bereits Frühling vermittelt und die Wachstumsprozesse in Gange gebracht – zu früh!

Revierförster Eckert plant derzeit den diesjährigen Holzeinschlag, der für das Elbe-Havel-Winkel im ersten Halbjahr vor allem im Bereich Wust/Melkow geplant ist – es wird vor allem Schadholz eingeschlagen.